Pro & Con­tra

Cars­ha­ring - Ver­liert das eigene Auto sei­nen Glanz?

Beim Auto ist die Sharing Economy oft gelebte Realität. Das könnte auch Folgen für die Versicherungswirtschaft haben: Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostiziert, dass sich durch die zunehmenden Angebote zum Autoteilen das Prämienvolumen im Kaskobereich bis zum Jahr 2030 um 300 Millionen Euro reduzieren könnte.

Noch aber verringert sich der Fahrzeugbestand in Deutschland nicht – vielleicht wird der Markt in Zukunft sogar größer. Ist der Lack am Statussymbol Auto also ab, bedingt durch das Carsharing? Ja, meint Sylvia Lier von der DB Rent. Nein, entgegnet Matthias Wissmann vom Verband der Automobilindustrie im Pro & Contra.


 

Für einen Abgesang mag es zwar zu früh sein, aber der Glanz des Autos als Prestigeobjekt verblasst doch sichtlich. Und zwar gleich auf zwei Ebenen: So geht beim Firmenwagen inklusive privater Nutzung die Ära des Autos als Statussymbol langsam, aber sicher zu Ende. Gerade jüngere Führungskräfte wollen nicht mehr ihrer Leistungsbereitschaft im Job per BMW, Audi oder Mercedes Nachdruck verleihen. Vielmehr gilt ihr Interesse einer praktikablen und umweltfreundlichen Lösung für ihre berufliche wie private Mobilität.

Und die beschränkt sich nicht länger auf das eigene Auto. Mobilität wird neu gedacht. Immer stärker werden unterschiedliche Fortbewegungsmittel wie Bahn, Carsharing oder das Leihfahrrad für die Mittagspause miteinander verknüpft. Die richtigen Anschlüsse – sie werden gerne leihweise gesucht.

Denn der gesellschaftliche Wandel zu neuer Mobilität wird von einem zweiten Gedanken flankiert – dem der Share Economy. Ihr Leitprinzip: Teilen statt besitzen. Weniger ist das neue Mehr. Das Auto verliert entsprechend auch im privaten Bereich an Prestige. Es ist teuer, steht überwiegend ungenutzt herum und stellt vor allem in Großstädten zusehends eine Belastung dar.

In Deutschland, so malt es jedenfalls das Fraunhofer Institut aus, wird sich die Zahl der Autos entsprechend bis zum Jahr 2050 halbieren. Stattdessen gebe es Carsharing-Parkplätze und Radstationen an allen größeren Haltepunkten. Aber man muss gar nicht so weit in die Zukunft gehen. Schon heute sind Carsharing-Plattformen wie Flinkster das Rückgrat der Kultur des Teilens und ein wichtiger Bestandteil der neuen Mobilität.


 

Nichts bewegt die Menschen so wie das Auto: Es bietet die Freiheit der individuellen Mobilität, für viele ist es auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Beim Neuwagenkauf steht das Aussehen des Fahrzeugs – nach der Zuverlässigkeit – auf Rang zwei der Kaufkriterien, noch vor Anschaffungspreis und Spritverbrauch.

Erst kürzlich hat eine Studie eines europäischen Online-Autoportals erneut gezeigt, dass den meisten der 18- bis 29-Jährigen der Besitz des eigenen Autos weiterhin wichtig ist, jeder Zweite sieht im Automobil ein Statussymbol. Und laut DAT-Report bestätigen 89 Prozent der Autofahrer die Aussage „mir macht Autofahren Spaß“. Bei jungen Autofahrern unter 30 Jahren liegt dieser Wert sogar bei 95 Prozent. Zudem machen immer mehr junge Leute den „Führerschein ab 17“. Spätestens mit der Familiengründung oder dem Eintritt ins Berufsleben steht bei den meisten Menschen der Neuwagenkauf an.

Das stationsunabhängige Carsharing ist hierzu eine sinnvolle Ergänzung. Dieser Markt, vor allem für große Städte geeignet, legte 2013 in Deutschland um gut ein Drittel auf 6.250 Fahrzeuge zu. Der Carsharing-Bestand umfasst 14.000 Fahrzeuge. Gerade deutsche Hersteller sind mit ihren Angeboten hier besonders innovativ – sie profitieren von dieser Entwicklung und sind Mobilitätsdienstleister für viele Menschen im urbanen Raum.

Wenn wir allerdings die Carsharing-Zahlen mit dem Pkw-Gesamtbestand vergleichen – knapp 44 Millionen Autos fahren auf Deutschlands Straßen –, wird die Relation deutlich. Es mag Zeiten geben, in denen junge Menschen die Vorteile einer „sharing economy“ nutzen. Doch der Wunsch nach dem eigenen Auto bleibt latent vorhanden – und einige Jahre später steht dann der neue Wagen tatsächlich vor der Tür…

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