Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Bis zu 15.000 Euro pro Hektar Wein­berg

Markus Busch ist Deutschlands „Winzer des Jahres“. Um seine Weine auf höchstem Niveau zu halten, ist er äußerst penibel, was die Trauben angeht. Nicht auf alle Faktoren hat er Einfluss – das Wetter etwa lässt sich nicht kontrollieren. Deshalb hat Busch die Trauben versichert. Von Carola Felchner

„Ab wann schmeckt eine Traube nicht mehr?“, fragt Markus Busch, wenn er erklären soll, was seine Weine so besonders macht. Und während sein Gegenüber noch überlegt, gibt er auch schon die Antwort: „Ab dem Moment, in dem man auf einen Kern beißt.“ Dann nämlich verwandle sich die Süße der Frucht in einen bitteren Geschmack. Deshalb verarbeitet Busch die Trauben auf seinem Weingut in Baden-Württemberg ausschließlich mit Maschinen, in denen die Kerne unversehrt bleiben. Es ist eine Methode, die sich auszahlt: Busch ist bereits zum zweiten Mal in Folge von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft als „Winzer des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Weniger Trauben – höhere Qualität

Natürlich gehört zur Produktion erlesener Tropfen noch mehr, als nur darauf zu achten, dass die Traubenkerne beim Keltern nicht zerquetscht werden. Busch legt deshalb in jeden einzelnen Schritt des Produktionsprozesses besondere Aufmerksamkeit. Schon bei der Traubenernte – der Weinlese – siebt er rigoros aus: in A-Trauben, B-Trauben und solche, die es sich gar nicht erst zu kategorisieren lohnt. Nur hochreife Trauben werden zu Wein. Das limitiert den Ertrag: „Wir produzieren 60.000 bis 70.000 Flaschen pro Jahr“, schätzt Busch, das sei „nicht so wahnsinnig viel“. Aber gerade diese bewusste Beschränkung erlaube es ihm, echte Qualität zu keltern. Ein Luxus, den sich große Betriebe aufgrund der höheren Weinmengen, die sie erzeugen müssen, mitunter nicht leisten können.

Umso mehr kommt es für Busch auf jeden einzelnen Rebstock an. Schon der Verlust weniger Pflanzen stellt ein ernsthaftes wirtschaftliches Risiko dar. Zwar ist es bei ihm noch nie zu größeren Ernteausfällen gekommen. Weil er aber weiß, wie schmerzhaft beispielsweise ein verheerender Hagelschauer in seinen Rebstöcken wäre, hat er den Großteil seiner Weinberge im baden-württembergischen Bretzfeld-Dimbach versichert – mit 10.000 bis 15.000 Euro je Hektar.

Immer öfter spielt das Wetter verrückt

Damit reagiert er auf eine wachsende Gefahr: Laut einer Studie des GDV vom November 2016 steigt infolge des Klimawandels die Zahl der Extremwetterereignisse in Deutschland. Die daraus resultierenden Schäden in der Landwirtschaft schwanken stark, in manchen Jahren waren es 90 Millionen Euro, in anderen aber 2,3 Milliarden Euro.

Die Klimarisiken sind ein Faktor, den Busch in seiner Arbeit einzukalkulieren gelernt hat. So wie er sich auch alles andere rings um den Winzerberuf selbst beigebracht hat. Im Jahr 2002 begann er mit dem Keltern. Bei null, ohne Mentor, aber auch ohne Bedenkenträger. Er habe einfach herumprobiert, erzählt er. Dabei sei natürlich auch mal was danebengegangen. Aber viel von dem, was seinen Wein ausmache, hätte er vielleicht gar nicht erst gewagt, wenn ihm jemand gesagt hätte: „Das funktioniert niemals.“

Von der Knospe bis zur Flasche

Die Faszination seines Metiers liegt für Busch darin, dass er den Werdegang seiner Erzeugnisse komplett verfolgen kann – von der Knospe bis zur Flasche. Mehr noch: „Man erlebt sogar den, der den Wein trinkt“, sagt er. Zumindest, wenn man wie Markus Busch noch ein Restaurant an den Winzerbetrieb angeschlossen hat.

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