Gefragt

Beschäf­tigte in Deutsch­land inves­tie­ren mehr in ihre betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung

Die Beschäftigten in Deutschland messen ihrer betrieblichen Altersversorgung (bAV) offenbar immer mehr Bedeutung zu. Während im Jahr 2008 jeder Beschäftigte im Durchschnitt nur 273 Euro seines Bruttojahresverdienstes in die bAV investierten, sind es nach einer jetzt vorgelegten Erhebung des Bundesamtes für Statistik (Destatis) im Jahr 2012 bereits 362 Euro gewesen.

Gleichwohl können auch diese, auf den ersten Blick erfreulichen Zahlen des Destatis  nicht darüber hinwegtäuschen:
Die bAV hat mit dem allgemeinen Beschäftigungsanstieg in den vergangenen Jahren lediglich Schritt gehalten. Nach wie vor bauen vier von zehn Beschäftigten in Deutschland keine Betriebsrente auf, und zwar trotz eines Rechtsanspruchs auf diese Vorsorge in Form der Entgeltumwandlung. Das belegen auch letzte Zahlen des BMAS. Um das Potenzial der bAV besser auszuschöpfen, plädiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für einfachere Regeln und Verfahren für die Betriebe sowie attraktivere Bedingungen für die Beschäftigten.

Gefordert sind Rahmenbedingungen, die Komplexität und Aufwand abbauen. So könnte ein Modell auf für Arbeitgeber freiwilliger Basis entwickelt werden, mit dem für alle Arbeitnehmer eines Betriebes standardmäßig im
Arbeitsvertrag eine Entgeltumwandlung vorgesehen wird. Arbeitnehmer können, müssen aber nicht daran teilnehmen. Wichtig ist darüber hinaus, die steuerliche Förderung so anzupassen, dass Arbeitgeber ihre standardmäßigen Versorgungszusagen auf nur einen Durchführungsweg konzentrieren können. Zugleich würden die durch die Niedrigzinsphase gestiegenen Vorsorgenotwendigkeiten berücksichtigt.

Erforderlich sind auch mehr Anreize für Geringverdiener für zusätzliche Altersvorsorge.
Für sie erscheint die bAV oft wenig attraktiv, weil sie eine Betriebsrente ggf. mit staatlichen Grundsicherungsleistungen voll verrechnen müssten. Um dieser „Vorsorgefalle“ zu entgehen, sollten bei der Grundsicherung angemessene Freibeträge für Renten aus selbst angespartem Altersvorsorgevermögen geschaffen werden.

Der jüngst vom BMAS vorgelegte Vorschlag für ein „Neues Sozialpartnermodell Betriebsrente“, mit dem gemeinsamen Einrichtungen der Tarifvertragsparteien reine Beitragszusagen in der bAV ermöglicht werden sollen, ist nicht geeignet, die bAV in kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland zu verbreiten. Im Gegenteil: Es steht zu befürchten, dass damit bereits etablierte, gut funktionierende bAV-Lösungen erheblich beschädigt und damit erreichte Erfolge bei der Verbreitung der bAV gefährdet würden.

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