Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Anti-Zom­bie-Police

Sie sind die harmlose Variante der Grusel-Clowns: Als Zombies verkleidete Laienschauspieler, die auf Spaßevents Jagd auf Menschen machen. Sollte sich dabei jemand verletzen, springt eine Police ein. Zombie-Attacken sind damit die vielleicht skurrilste Versicherungssache der Welt. Von Carola Felchner

Ein Herbstmorgen in Perry im US-Bundesstaat Georgia. Die tiefstehende Sonne taucht die Gebäude des Guardian Centers ins Zwielicht. Gewöhnlich trainieren hier Katastrophenhelfer den Ernstfall, aber den Gestalten, die heute aus Hausbaracken wanken und aus umgestürzten Autos kriechen, ist nicht mehr zu helfen. Es sind Untote. Zombies.

Oder genauer gesagt: Als Zombies verkleidete Laienschauspieler. Auf dem weitläufigen Gelände, das aussieht wie nach der Apokalypse, findet an diesem Morgen ein sogenannter Zombie Run statt. Seit rund fünf Jahren verbreiten sich solche Abenteuerläufe mit der Geschwindigkeit eines Untotenvirus in Endzeit-Filmen. Gut vier Millionen Amerikaner haben zuletzt pro Jahr an den Zombie-Veranstaltungen teilgenommen. Sie sind quasi die harmlose, institutionalisierte Form der Grusel-Clowns, die derzeit für Schlagzeilen sorgen.



Wer durchkommt, erhält eine „Survior“-Medaille

Das Konzept ist simpel: Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen eingeteilt – Zombies und Menschen. Letztere bekommen einen Gürtel, an dem Stoffbänder befestigt sind. Ziel ist, einen Hindernisparcours von fünf Kilometern zu überwinden, ohne dass einem die Zombies die Bänder entreißen. Wer es mit mindestens einem Band ins Ziel schafft, bekommt eine „Survivor“-Medaille. Wer alle Bänder an die wankenden Untoten verliert, mutiert zum Zombie und erhält eine „Infected“-Plakette.

In zahlreichen US-Städten gibt es inzwischen Zombie-Events. Sie spülen viel Geld in die Kassen der Veranstalter. Seit 2009 ist der Markt für solche „unkonventionellen Events“ geradezu explodiert. Neben Zombie Runs zählen dazu auch Matsch- und Schlammschlachten, Hindernisläufe oder Color Runs, bei denen die Läufer mit Farbe beworfen werden.

Wer haftet bei schmerzhaften Zusammenstößen mit Untoten?

„Die Leute mögen, dass es hier nicht um Bestzeiten geht“, heißt es vom Veranstalter Zombie Run LLC, der seit 2012 in verschiedenen Bundesstaaten den „Original zombie-infested 5k“ ausrichtet. Passiert sei dabei bis auf kleinere Verletzungen nichts. Nur einmal gab es eine gebrochene Nase, als ein Pärchen bei einem Tête-à-Tête in einem Schulbus von einem Untoten überrascht wurde. Auch wenn die Gegner blutrünstig aussehen und die Strecken schwierig sind – die Leute ließen es spielerisch angehen.

Weil Zombie Run LLC davon ausgeht, dass die Events so friedlich bleiben, und die Teilnehmer zudem eine Haftungsverzichtserklärung unterschreiben, ist die Versicherungssumme für dieses Event mit einem US-Dollar pro Läufer gering. Es gibt aber auch Veranstalter, die ihre Events mit Summen von zwei Millionen US-Dollar oder mehr absichern. Generell gilt: Je ungewöhnlicher das Event und je mehr Interaktion, desto größer das Verletzungsrisiko. In den USA gibt es mittlerweile sogar Versicherungen wie K & K, die sich auf Abenteuerläufe mit bis zu 3.000 Teilnehmern spezialisiert haben.

Wer es selbst einmal ausprobieren möchte: Das Geschäft mit den Untoten erwacht inzwischen auch in Europa zum Leben. 2015 gab es Zombie Runs in Hamburg, München und Berlin. In Österreich gastiert die Zombie Run Tour in Linz, Graz und St. Pölten.

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