Tag der Armuts­be­kämp­fung

Alter­s­ar­mut - Wach­sende Sorge, weni­ger Vor­sorge

Die zunehmende Altersarmut in Deutschland lässt Viele an ihrer eigenen Alterssicherung zweifeln. Fast 60 Prozent fürchten, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. Dennoch stagniert die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Damit sich dies ändert, braucht es dringend neue Impulse.

Altersarmut ist in Deutschland erfreulicherweise noch immer vergleichsweise selten. Für die Betroffenen ist es gleichwohl sehr belastend, trotz aller Anstrengungen auf staatliche Hilfen angewiesen zu sein: Rund 465.000 Frauen und Männer über 65 Jahren können ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren und beziehen daher Leistungen der Grundsicherung im Alter. Im Vergleich zu 2007 ist dies ein Zuwachs um fast ein Fünftel.

Den Rentnerinnen und Rentnern von morgen und übermorgen macht diese Entwicklung zwar Sorgen, zu verstärkter Eigenvorsorge motiviert der Trend aber nur Wenige: Umfrageergebnisse des GDV von 2013 zeigen, dass sich die Mehrheit (55 Prozent) der 30- bis 59-Jährigen auf einen niedrigeren Lebensstandard im Alter einstellt. Gleichzeitig sinkt bereits seit längerem die Bereitschaft zur privaten Vorsorge: Wollten 2001 noch 45 Prozent der Befragten „einiges“ für ihr Alter zurücklegen, sagen dies gut zehn Jahre später nur noch 24 Prozent.

Das nachlassende Engagement für die private Vorsorge spiegelt sich nicht nur in Umfrageergebnissen, sondern auch statistischen Fakten wider. So ist die Zahl der staatlich geförderten Riester-Verträge nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums seit 2011 nur noch um rund vier Prozent auf aktuell (Stand 1. Halbjahr 2014) knapp 16 Millionen gestiegen, Tendenz stagnierend.

Eigenvorsorge muss sich immer lohnen

Doch führt zur Vermeidung von Altersarmut kein Weg an privater Altersvorsorge vorbei – und zwar auch bei anhaltend niedrigen Zinsen. Die Vorsorgeanstrengungen müssen eher noch größer werden. Dabei sollte der Staat stärker unterstützen: Um „Riester“ neuen Schwung zu geben, wäre eine Dynamisierung der Förderung sicherlich sinnvoll – die Zulagen sind immerhin seit 2008 unverändert.

Besonders wichtig allerdings ist eine Verbesserung der Förder- bzw. Rentenbedingungen für Geringverdiener. Zwar profitieren diese in der Ansparphase von einer hohen Förderquote – viele Erwerbstätige mit Anspruch auf Arbeitslosengeld II (sog. Aufstocker) müssen faktisch gar kein eigenes Geld in ihre Altersvorsorge investieren. Auf der anderen Seite werden private Renten nach wie vor vollständig auf die Grundsicherung angerechnet.

Zu pessimistische Rentenperspektiven

Hinzu kommt, dass nicht nur viele Geringverdiener ihre Einkommens- und Rentenperspektiven zu pessimistisch einschätzen: Forscher des Max-Planck-Instituts stellten fest, dass es 35 Prozent der Bürger in Deutschland für wahrscheinlich halten, im Alter auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen zu sein. Tatsächlich sparten die Befragten aus der Gruppe der „Pessimisten“ weniger als Haushalte mit optimistischeren Zukunftserwartungen – damit drohe die Furcht vor Altersarmut zu realer Altersarmut zu werden, so die Wissenschaftler.

Diese „Anreizfalle“ ließe sich durch die Einführung von Freibeträgen zumindest entschärfen. Wer davon ausgehen kann, in jedem Fall von einer privaten Altersvorsorge zu profitieren, schließt auch eher einen Vorsorgevertrag ab und beugt Altersarmut vor.

Mehr zum Thema:
>> Existenzminimum: Altersarmut in Deutschland – ein Sprengsatz mit Zeitzünder
>> Altersvorsorge: Drei Forderungen, um künftige Altersarmut zu vermeiden
Zur Startseite