Pri­vate Alters­vor­sorge

5 Gründe, die für Garan­tien spre­chen

Die Garan­tie ist tot? Von wegen: Der Tausch mehr Rendite in der Kapitalanlage gegen den Verzicht auf Garantien hat langfristig eklatante Nachteile

Altersvorsorgeprodukte, die eine bestimmte Verzinsung garantieren, haben in der öffentlichen Debatte derzeit einen schweren Stand. Ihr Vermögen steckt vorwiegend in Rentenpapieren, die im Niedrigzinsumfeld keine hohen Erträge mehr abwerfen. Deshalb halten Kritiker die Produkte für ungeeignet für den langfristigen Vermögensaufbau.

Einige Stimmen fordern gar den vollständigen Verzicht auf Kapitalgarantien in der privaten Altersvorsorge – als Lösung gegen die Niedrigzinsen. Doch auch dagegen sprechen viele Gründe.

1. Die Deutschen wollen Sicherheit

Die Deutschen bevorzugen bei der Altersvorsorge Sicherheit. Das bestätigen sie immer wieder, zum Beispiel hier, hier oder hier. Selbst die Aussicht auf höhere Renditen bringt die Sparer nicht dazu, stärker ins Risiko zu gehen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa gezeigt hat. Zwei Drittel der Befragten wollen demnach bei der Sicherheit ihrer eingezahlten Beiträge keine Abstriche machen.

Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Die Deutschen ticken einfach so, ihre Vorsicht scheint Teil ihrer DNA. Ein Altersvorsorgeprodukt ohne Garantien entspricht also offenkundig nicht dem, was die meisten Sparer wollen. Es ist in etwa so, als würde man jedem den neuesten Schick aus Paris überstülpen, nur weil der gerade angesagt ist. Dabei ist es doch viel entscheidender, dass sich jeder in seiner Klamotte auch wohlfühlt. Heißt übertragen auf Sparer: Sie sollten nur solche Risiken eingehen, die sie aushalten können. Sonst verlieren sie die Geduld – mit fatalen Folgen (siehe Punkt 2).

2. Kursschwankungen gefährden Durchhaltevermögen

Ein kompletter Verzicht auf Garantien führt dazu, dass die Produktanbieter stärker in Aktien und andere riskante Wertpapiere investieren können. Größere Wertschwankungen sind dann unvermeidlich. Und genau darin liegt eine Gefahr.

Denn viele Sparer können mit stark schwankenden Kursen nicht umgehen. Sie agieren prozyklisch, steigen erst ein, wenn die Märkte bereits lange gut gelaufen sind und geben schnell entnervt auf, wenn die Kurse einbrechen. Und verpassen so die nächste Kurserholung. Das liegt an der geringen Verlusttoleranz (siehe Punkt 1). Auch deshalb entspricht in der Realität die Rendite der Anleger nie der Performance des Gesamtmarktes. Die Abweichung ist umso größer, je schwankungsanfälliger der jeweilige Referenzwert – zum Beispiel ein Aktienindex – ist.

Daraus ergibt sich eine weitere Konsequenz: Von zwei Anlageformen, die über einen längeren Zeitraum die gleiche Rendite abwerfen, halten Anleger am ehesten bei derjenigen durch, die weniger im Kurs schwankt. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, wenn es darum geht, die private Altersvorsorge weiter zu verbreiten. Denn was nützt das Versprechen langfristig höherer Renditen, wenn die Sparer zwischendurch aufgeben. Beim Vermögensaufbau ist Durchhaltevermögen gefragt.

3. Planungssicherheit geht verloren

Stellen Sie sich vor, Sie stehen kurz vor der Rente und überlegen sich schon, wofür sie ihre Ersparnisse verwenden. Vielleicht wollen Sie damit den altersgerechten Umbau ihres Hauses finanzieren? Oder aber Sie rechnen sich schon ihre monatliche Zusatzrente aus, mit der Sie ihren Finanzbedarf im Alter decken können. In jedem Fall wäre es fatal, wenn ihr Vermögen plötzlich zusammenschmilzt und Sie deutlich weniger erhalten als gedacht.

Die Gefahr aber besteht, wenn es keine Garantien in der Altersvorsorge mehr gibt. Dann müssen Sparer damit rechnen, dass ein Börseneinbruch ihre Kalkulation zunichtemacht. Und die Verluste können ziemlich empfindlich sein, wie ein Blick auf die schlimmsten Kurseinbrüche am deutschen Aktienmarkt seit 1990 zeigt: 2008 gab der Leitindex Dax um 40 Prozent nach, 2002 sackte er gar um 44 Prozent ab und 1990 betrug das Minus immerhin noch 22 Prozent. Selbst 2018 ging es um 18 Prozent nach unten.

Schwere Börsenbeben sind also gar nicht so selten. Und wenn sie einen kurz vor der Rente treffen, ist das besonders tragisch. Denn dann fehlt Sparern die Zeit, um eine Kurserholung abzuwarten.

4. Überrenditen von Aktien keinesfalls sicher

Befürworter eines Wegfalls von Garantien argumentieren oft damit, dass Aktien über einen langen Zeitraum höhere Renditen abwerfen als andere Anlageformen. Das ist aber keineswegs so sicher, wie der Blick nach Japan zeigt. Der japanische Leitindex Nikkei notiert heute noch immer unter dem Stand von Ende der 1980er-Jahre.

In Deutschland sieht die Situation zwar anders aus, dennoch ist es trügerisch, die Entwicklung der Vergangenheit einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Seit Anfang der 1990er-Jahre sind die Zinsen hierzulande stetig gesunken, und diese Entwicklung hat den Aktienmarkt – ungeachtet aller Schwankungen – tendenziell begünstig. In den Aktienkursen spiegeln sich letztlich die abgezinsten, künftigen Gewinnerwartungen der Investoren wider. Das bedeutet: Je niedriger die Zinsen, desto höher ist der Preis einer Aktie.

Dieser Effekt kehrt sich jedoch um, sobald die Zinsen mal wieder nach oben gehen. Auch wenn sie vielleicht nicht mehr das frühere Niveau erreichen, so könnte ihr Anstieg die Kursentwicklung über Jahrzehnte hinaus dämpfen. Eines ist jedenfalls sicher: Sinken können die Zinsen auf dem jetzigen Niveau kaum noch.

5. Mehr Aktienanlagen gibt der Markt kaum her

Bei einem Verzicht auf Garantien bei Altersvorsorgeprodukten ist eine wachsende Nachfrage nach Aktien zwangsläufig. Ebenso zwangsläufig wie eine gefährliche Preisblase, die langfristig nicht nur die Finanzmarktstabilität bedroht, sondern auch die Ertragschancen dieser Anlageklasse schmälert (siehe auch Punkt 4). Denn der Markt gibt gar nicht so viele neue Anlagemöglichkeiten her, so dass sich mehr Investoren um die bestehenden Aktien balgen würden. Und je mehr ein Käufer für eine Aktie zahlen muss, desto geringer ist beispielsweise die Dividendenrendite.

Um die Konkurrenzsituation konkret zu machen: Die Kapitalanlagen der deutschen Lebensversicherer umfassen rund 930 Mrd. Euro, wovon ein Großteil auf festverzinsliche Papiere entfällt. Mit dem Geld könnten die Versicherer – theoretisch und bei den aktuellen Aktienkursen – sämtliche 60 mittelgroße Unternehmen aus dem MDax sowie die 165 kleinen Firmen aus dem SDax aufkaufen. Und die 30 Technologie-Werte aus dem TecDax noch dazu.

Ohnehin hat schon in den vergangenen Jahren die Konkurrenz um Aktien zugenommen. Denn viele Unternehmen sind angesichts der extrem niedrigen Zinsen dazu übergegangen, ihren Finanzierungsbedarf durch die Emission von Anleihen zu decken statt durch die Ausgabe neuer Anteilsscheine. Einige börsennotierte Firmen kaufen per saldo sogar mehr Aktien zurück als sie ausgeben. Denn die Eigenkapitalfinanzierung über Aktien ist für die Unternehmen teurer als ein Kredit.

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