Ein stol­zes Jubi­läum

125 Jahre Gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung

125 Jahre Gesetzliche Rentenversicherung – das ist ein stolzes Jubiläum. Die Gründung der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 1889 markiert einen Epochenwechsel der sozialen Sicherung, an den es zu erinnern lohnt: Mit dem „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Alterssicherung“ wurde damals eine Strukturentscheidung getroffen, die das System der Alterssicherung bis heute prägt.

Nach der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung war die gesetzliche Rente der dritte Baustein in der Geschichte der deutschen Sozialversicherung. Dabei setzte die staatliche Invaliditäts- und Alterssicherung in ihrer Anfangszeit aus heutiger Sicht hohe Hürden vor die Rentenleistung. Besonders wichtig waren zunächst vor allem die Invalidenrenten. Denn Altersrente bekam man erst ab dem 70. Lebensjahr – bei einer damaligen Lebenserwartung, die deutlich darunter lag: So betrug die Lebenserwartung eines Mannes im Schnitt nur 37 Jahre. Die gesetzliche Rente sollte zu Beginn außerdem nur eine Ergänzungsfunktion zum Lebensunterhalt im Alter übernehmen.

Reform 1957: Rente wird zum Lohnersatz

Erst mit der Reform der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 1957 wurden die Leistungen deutlich ausgeweitet und dynamisiert, die Rente wurde zum Lohnersatz – finanziert im Umlageverfahren. Die frühere Ergänzungsfunktion haben in einem Drei-Säulen-System mittlerweile die betriebliche Altersversorgung und die private Vorsorge aus Lebensversicherungen übernommen. Gerade die Lebensversicherer haben hier in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag geleistet und immer mehr Menschen für die langfristige Eigenvorsorge gewonnen.

Anpassungen im Rentensystem erfordert vor allem der demografische Wandel : Die Erwerbsbevölkerung wird immer älter, zugleich wachsen weniger Junge nach. Um die Rentenversicherung nachhaltig leistungsfähig und finanzierbar auszugestalten, muss es daher eine gleichmäßige Verteilung der Lasten zwischen Rentnern sowie aktuellen und künftigen Beitragszahlern geben. Eine zukunftsfähige Rentenpolitik muss gerade die junge Generation in den Blick nehmen. Mit dem Demografiefaktor in der Rente und mit den Riester-Reformen wurden die Weichen neu gestellt: Zum Ausgleich des notwendigerweise perspektivisch sinkenden Rentenniveaus wurde beschlossen, die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu stärken. Spätestens seit Umsetzung dieser Reformen sind umlagefinanzierte und kapitalgedeckte Vorsorge eng verbunden.

Gute Balance zwischen Solidarität und Eigenverantwortung

Die Fortsetzung dieses richtigen rentenpolitischen Kurses ist Voraussetzung für eine gute Balance zwischen Solidarität und Eigenverantwortung. Damit diese weiter trägt, darf die gesetzliche Rente nicht mit neuen Aufgaben überfrachtet oder Leistungen ausgeweitet werden, die nicht nachhaltig finanziert sind. Es ist außerdem demografisch bedingt unausweichlich, dass Menschen hierzulande wieder länger arbeiten. An der Rente mit 67 darf deshalb nicht weiter gerüttelt werden. Die aktuelle politische Diskussion um flexible Übergänge in den Ruhestand sollte vor allem darauf abzielen, mehr Menschen längere Erwerbsbiografien, auch über die Regelaltersgrenze hinaus zu ermöglichen. Eine Teilrente ab 60 wäre hingegen der falsche Weg.

Politischen Rückenwind braucht gut zehn Jahre nach den Riester-Reformen vor allem die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen muss der Staat die Bürger besser dabei unterstützen, ergänzend vorzusorgen. Die Riester-Förderung ist an die wirtschaftliche Entwicklung der letzten 12 Jahre anzupassen und zu dynamisieren. In der betrieblichen Altersversorgung muss es neben der besseren steuerlichen Förderung vor allem darum gehen, rechtssichere Mechanismen zu entwickeln, mit denen mehr Mitarbeiter automatisch in die Vorsorge einbezogen werden können.

Denn in Zukunft gilt umso mehr: Eine gute Rente muss auf drei stabilen Säulen stehen – auf einer verlässlichen, leistungsfähigen gesetzliche Rente sowie auf zusätzlicher privater und betrieblicher Altersvorsorge.

Historische Etappen der Rentenversicherung

mit dpa

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