Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

007 und Kno­chen­brü­che für Mil­lio­nen von Euro

Er war wohl der humorvollste Bond, den es je gab: der jüngst verstorbene Roger Moore. Aber auch an Action mangelte es seinen Streifen nicht. Einer der Stuntmen, die dabei ihre Haut hinhielten, ist John Falkiner. Eine Versicherung sorgte dafür, dass das Risiko für den Schweizer kalkulierbar blieb. Von Carola Felchner

Explodierende Schneemobile, wilde Schusswechsel auf Skiern, Maschinengewehrsalven aus einem Helikopter und ein James Bond, der in strahlend weißem Anzug auf einem improvisierten Snowboard einen Verfolger nach dem anderen ausschaltet: „Im Angesicht des Todes“ war der letzte von insgesamt sieben Filmen, in denen der kürzlich verstorbene Schauspieler Roger Moore den britischen Geheimagenten verkörperte – und in punkto Anfangssequenz einer der spektakulärsten.

Unter den Skifahrern, die beim Dreh auf Island hinter Moore beziehungsweise dessen Stuntdouble John Eaves herbretterten, war auch der Schweizer John Falkiner. „Ich kannte Eaves von Skiakrobatikwettbewerben Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre“, erzählt der Bergführer, Skilehrer und Stuntman. „Er war vom Stunt-Director Willy Bogner mit der Konzeption der Skisequenz beauftragt worden. Weil er zu wenige Stuntmen hatte, die Skifahren konnten, hat er mich gefragt, ob ich mitmachen möchte.“ Klar, dass Falkiner wollte. Wer lässt sich schon die Chance auf einen Auftritt in einem Bond-Streifen entgehen?

Der Dreh ist halsbrecherisch, wie Falkiner am eigenen Leib zu spüren bekommt

Doch obwohl Falkiner ein sehr sicherer Skifahrer ist, blieb auch er bei den halsbrecherischen Manövern nicht sturzfrei. Einmal fiel er von einer Eiswand und in der letzten Szene landet er unsanft im Schnee, während Bond von seinen Verfolgern ins Meer getrieben wird – von wo aus er in einem als Eisberg getarnten U-Boot entkommt. „Natürlich mit einem wunderschönen Mädchen an Bord“, witzelt Falkiner, der auch in anderen actiongeladenen Ski-Produktionen wie „Feuer, Eis und Dynamit“ mitgewirkt hat. Roger Moore hat er als „sehr charmant, freundlich, nahbar und mit einem großartigen Sinn für Humor“ in Erinnerung behalten.

Passiert ist John Falkiner bei seinen Stürzen damals nichts. Hätte er sich verletzt, wäre die Versicherung eingesprungen, die die Produktionsfirma Eon für die Crew abgeschlossen hatte. Falkiner erinnert sich nicht mehr, wie hoch die Summe damals genau war – „das war 1983!“ – aber in der Regel decken solche Employers’ Liability-Policen (Arbeitgeber-Haftpflichtversicherungen) für Stuntmen standardmäßig bis zu sechs Millionen Euro an Schadenersatzforderungen ab. Ein höherer Schutz kann zugekauft werden.

Noch heute ist er ein großer Bond-Fan, der sich jeden Film im Kino anschaut

Daran, dass etwas passieren könnte, hat Falkiner beim Dreh aber kaum gedacht. Dafür hat er die Arbeit mit dem Team viel zu sehr genossen: „Die anderen Skifahrer waren großartig! Es war eine echte Herausforderung. Wir sind bis an die Grenzen unseres Könnens gegangen, um immer genau das zu tun, was die Kamera gerade gebraucht hat.

Die Präzision, die diese Art des Stunt-Skifahrens erforderte, gefiel ihm – umso mehr, weil er sie für eine Filmreihe einsetzen durfte, die in seiner Familie schon immer zum Pflichtprogramm gehörte: „Mein Vater war ein großer Fan und hat mich an die Bond-Filme herangeführt. Ich habe es geliebt mitzuverfolgen, wie sich Bond mit der Zeit entwickelt hat“, sagt Falkiner. Auch heute noch freue er sich auf jeden neuen Film, der in die Kinos kommt. Wie lang er auf den nächsten 007 warten muss, steht allerdings noch nicht fest: Der Drehtermin ist offen.


Fotos: United Artists/Courtesy Everett Collection/Picture Alliance; Cristina Pogacean

Zur Startseite