3 Fra­gen an Pro­gnos-Stu­dien­lei­ter Heiko Bur­ret

„Wo die Ein­kom­men hoch sind, sind auch die Aus­ga­ben für Miete oder regio­nale Dienst­leis­tun­gen höher“

Hohe Löhne und Renten in Boomregionen garantierten keinen abgesicherten Ruhestand, sagt Heiko Burret vom Analysehaus Prognos. Denn auch das Preisniveau ist höher. So sind die Sparbeiträge für Städter oft eine größere Belastung als für Landbewohner.


Herr Burret, laut ihrer Studie müssen Einwohner in ländlichen Regionen meist weniger für das Alter beiseitelegen als Stadtbewohner – sowohl in absoluten Beträgen als auch in Prozent ihres Einkommens. Wie kommt das?
Heiko Burret:
Das liegt vor allem am Einfluss der Lebenshaltungskosten, die in den wirtschaftsstarken Regionen am höchsten sind. Dort verdienen die Menschen zwar in der Regel mehr und haben deshalb auch höhere Renten. Um aber ihren Lebensstandard im Alter sichern zu können, müssen sie schon in absoluten Beträgen mehr sparen als Bewohner in ländlichen Regionen. Dieser Mehraufwand geht insbesondere in den boomenden Metropolen mit überdurchschnittlich hohen Wohnkosten einher. Gemessen an der Kaufkraft ihrer Einkommen schlagen die monatlichen Sparbeträge bei Stadtbewohnern daher meist stärker zu Buche.

Das heißt andererseits, die Höhe der Altersbezüge sagt nur wenig aus über den Lebensstandard im Alter aus?
Burret:
Genau. Wo die Einkommen hoch sind, sind auch die Ausgaben für Miete oder regionale Dienstleistungen in der Regel höher – und umgekehrt. Entsprechend variiert der Finanzbedarf im Ruhestand. Bewohner einkommensschwächerer Regionen brauchen beispielsweise keine Münchner Altersbezüge, um im Alter in ihrer Region gut leben zu können. Die Studie berücksichtigt diese Unterschiede: Zielgröße zur Sicherung des Lebensstandards im Alter ist eine Ersatzrate von 55 Prozent des letzten regionalen Einkommens. Darin spiegelt sich das enge Verhältnis zwischen Löhnen, Renten, Lebenshaltungskosten und Vorsorgebedarf vor Ort.

Wie sind Sie auf 55 Prozent gekommen?
Burret: Der Wert ist nicht willkürlich gewählt. Er entspricht ungefähr dem Leistungsniveau der gesetzlichen Rente, wie es zur Riester-Reform 2001 galt. Seitdem ist es schrittweise gesunken und wird noch weiter fallen. Der Jahrgang 1980, der unserer Studie zugrunde liegt, kommt zum regulären Renteneintritt 2047 durchschnittlich noch auf ein Niveau von 44,7 Prozent. Er hat also eine Sicherungslücke von 10,3 Prozentpunkten, die er über die private Altersvorsorge schließen muss. Und auch wenn die Lücke regional unterschiedlich hoch ausfällt: Ohne private Zusatzvorsorge ist der Lebensstand im Alter nirgendwo zu halten. 


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