Inter­view zum Kli­ma­wan­del

„Wir kön­nen es nicht zurück­dre­hen – das eine Grad glo­bale Erwär­mung haben wir auf alle Fälle“

An der Universität Oxford versucht die deutsche Klimaforscherin Friederike Otto herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf das Wetter auswirkt. Ihre Prognose: Lange Dürreperioden und heftiger Starkregen könnten in Zukunft zur Normalität werden.

Frau Otto, wie erklären Sie auf einer verregneten Sommerparty, wie Klimawandel und Wetter zusammenhängen?
Friederike Otto:
 Das sind im Prinzip zwei Effekte: Der eine Effekt ist, das, was man den thermodynamischen Effekt nennt. Dadurch, dass wir mehr Treibhausgase in der Atmosphäre haben, erwärmt sich die Atmosphäre als Ganzes. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf enthalten. Dieser Wasserdampf muss dann eben auch als Regen wieder rauskommen. Das heißt, extreme Regenfälle. Es gibt noch einen zweiten Effekt, wo Tiefdruck- und Hochdruckgebiete entstehen, wie sie sich entwickeln, wie sie ziehen. Und diese beiden Effekte spielen komplex zusammen und das bedeutet, dass man wirklich von Region zu Region und von Ereignis zu Ereignis gucken muss, was sind die konkreten Auswirkungen des Klimawandels.                                                                                       

Woher wissen Sie, was Klimawandel und was Wetter ist?
Otto:
 Also jedes Extremwetterereignis hat immer mehrere Ursachen und in manchen Fällen ist der Klimawandel eine Ursache, in dem Sinne, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Wetterereignisse verändert, entweder erhöht oder erniedrigt. Und das können wir mit Hilfe der Attributions-Wissenschaft, worauf ich mich hier mit meinem Team spezialisiert habe, auseinanderhalten, welchen Anteil der Klimawandel an einem Extremwetterereignis hat.


Und wie stellen Sie das genau fest?
Otto: Erst fragen wir: Was ist denn eigentlich mögliches Wetter und damit mögliche Sommertemperaturen in der Welt, in der wir heute leben, also mit Klimawandel? Und stellen dann zum Beispiel fest, dass das Ereignis, was wir letztes Jahr beobachtet haben, ein Fünf-Jahres-Ereignis ist. Und dann machen wir genau das gleiche Experiment noch einmal, mit dem einzigen Unterschied, dass wir die menschengemachten Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernen. Und dann simulieren wir, was sind mögliche Sommertemperaturen, in einer Welt, wie sie ohne Klimawandel gewesen wäre. Und in dem Fall hat man festgestellt, dass in einer Welt ohne Klimawandel ein solches Ereignis ungefähr alle 35 Jahre zu erwarten ist. Und dass die Wahrscheinlichkeit für die Hitzewelle, wie wir sie letztes Jahr im Sommer beobachtet haben, versiebenfacht hat.

Sind solche Wetterextreme jetzt also ganz normal und können sie jeden treffen?
Otto:
Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Wahrscheinlichkeit und Intensität von Extremwetterereignissen verändert. Das heißt aber eben nicht, dass der Klimawandel bei allen Wetterextremen ein Game-Changer ist. Im mediterranen Raum spielt der Klimawandel eine ganz, ganz große Rolle, was das Auftreten von Hitzewellen und auch Dürren angeht. Da muss man wirklich ganz und gar andere Maßnahmen treffen, um sich an solche neuen Klimaextreme anzupassen. Man kann sagen, die Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen erhöht sich, die Wahrscheinlichkeit für extreme Regenfälle erhöht sich. Aber lokal und regional, wie sehr sich das erhöht, ist sehr unterschiedlich.


Wie sieht der deutsche Sommer der Zukunft aus?
Otto: Das Beispiel, das wir letztes Jahr durchgerechnet haben, das waren bestimmte Hitzewellen in bestimmten Städten. Das heißt, wie Menschen wirklich tatsächlich eine Hitzewelle erfahren. Je nachdem wie man das definiert, stellt man fest, dass der Klimawandel einen Sommer, wie wir ihn letztes Jahr hatten, um dreißigmal wahrscheinlicher gemacht hat. Und in den Städten, die wir uns angeguckt haben, haben wir eigentlich festgestellt, dass wenn die Welt sich noch um ein weiteres Grad global erwärmt, dass dann ein solcher Sommer eigentlich ein ganz normaler Sommer ist und man im Prinzip jedes Jahr damit rechnen müsste.

Was können wir noch dagegen tun?
Otto: Wir können es nicht zurückdrehen – das eine Grad globale Erwärmung, das wir jetzt haben, das haben wir auf alle Fälle. Aber wir können den Klimawandel begrenzen. Wir können jetzt aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen. Das ist natürlich eine  Herausforderung, aber keine, die wir nicht schaffen können. Und an Folgen des Klimawandels, die wir heute schon erleben, haben, müssen – und können – wir uns anpassen.

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