Bre­xit

„Wer wei­ter in Groß­bri­tan­nien Geschäft betrei­ben will, hat eine Toch­ter oder Dritt­staa­ten-Nie­der­las­sung gegrün­det“

Freitag treten die Briten offiziell aus der Europäischen Union aus. Mit ihnen verliert Europa einen Impulsgeber für marktwirtschaftliche Lösungen - auch wenn sich faktisch vorerst nicht viel ändern wird. Der Chefvolkswirt des GDV sieht deutsche Versicherer gut gerüstet.

Die deutsche Versicherungswirtschaft sieht das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU mit Sorge. „In vielen Fragen zum Thema Finanzdienstleitungen waren die Vertreter Großbritanniens wichtige Impulsgeber, immer mit einem Blick für marktwirtschaftliche Lösungen“, sagt der Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Bestes Beispiel ist die Entwicklung des Regelwerkes Solvency II, dessen Markt- und Risikoorientierung auch das Ergebnis einer konsequenten Positionierung der Briten ist. Es wäre mit Blick auf die aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Herausforderungen der EU besorgniserregend, wenn diese Marktorientierung in Zukunft verloren ginge“, so Klaus Wiener.

„Die gute Nachricht lautet: Für Versicherte hat der Brexit kaum Auswirkungen.“ Details dazu haben wir hier für Sie zusammengefasst. Während des Übergangszeitraums bis zum 31. Dezember 2020 müssen alle Versicherungsunternehmen in Großbritannien die bislang in der EU geltenden Regeln einhalten.

Die Branche sieht Wiener gut gerüstet: „Wir als Verband haben frühzeitig darauf hingewiesen, dass man sich auf einen Brexit vorbereiten muss. Wer weiter in Großbritannien Geschäft betreiben will, hat dort eine Tochtergesellschaft oder Drittstaaten-Niederlassung gegründet. Nach meinem Eindruck haben alle Unternehmen die entsprechenden Vorbereitungen getroffen.“

Das Gros der Arbeit stehe aber erst noch bevor: „Es wird darauf ankommen, ein künftiges Verhältnis der EU zu Großbritannien zu definieren. Dabei gilt es, gute nachbarschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten, gleichzeitig aber die Integrität des Binnenmarktes zu schützen. Perspektivisch ist wichtig, dass sich die Regeln der Aufsicht und die Aufsichtspraxis in Großbritannien einerseits und der EU andererseits nicht auseinanderentwickeln, etwa was Solvency II betrifft.“

Das Fundament der europäischen Integration sieht GDV-Ökonom Wiener nicht in Gefahr. „Der Binnenmarkt ist das Kronjuwel der EU, das wird auch so bleiben.“ An mögliche Brexit-Nachahmer gewandt sagt er: „Wer als Staat die EU verlassen möchte, der sollte sich im Klaren sein: Das läuft nicht ohne Schäden für die eigene Volkswirtschaft ab.“

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