Natur­ge­fah­ren­por­tal in Öster­reich

"Risi­ken durch Natur­ge­fah­ren für das Eigen­heim erken­nen"

Die deutschen Umweltminister haben sich für die Einrichtung eines nationalen Naturgefahrenportals ausgesprochen. Künftig sollen sich die Bürger dort über ihre persönliche Gefährdung durch Naturgefahren informieren können. Österreich ist hier schon einen Schritt weiter – unter dem Namen HORA wurde dort bereits im Jahr 2006 ein nationales Naturgefahrenportal eingerichtet. Verbraucher erhalten auf der Internetseite kostenlose Informationen zur Gefährdung ihres Gebäudes durch Sturm, Hochwasser, Lawinen, Blitze, Hagel und Schneelast. Im Interview mit GDV.DE erklärt Dr. Thomas Hlatky vom österreichischen Versicheurngsverband VVO die Entstehungsgeschichte und die Funktion von HORA.

Herr Hlatky, wie lange gibt es HORA und warum ist es eingerichtet worden?
Thomas Hlatky:Die Idee zu HORA entstand nach den massiven Flutschäden im Jahr 2002. Der österreichische Versicherungsverband VVO, Rückversicherer, Broker und das Landwirtschaftsministerium haben sich zusammengetan, um eine Online-Plattform einzurichten, auf der sie der Öffentlichkeit umfassende Informationen zu Naturgefahren zur Verfügung stellen. Am 01.06.2006 – also nach nur 4 Jahren – konnte HORA dann online geschaltet werden.

Welche Informationen erhalten Verbraucher auf HORA?
Hlatky:Das System ist von Anfang an als öffentliches System für Privatleute konzipiert worden. Der User erhält im HORA Informationen zur Gefahrenlage aller auf ein Gebäude einwirkenden Naturgefahren: Überschwemmung, Sturm, Erdbeben, Hagel, Schneedruck bis hin zu Blitz – Blitzdichte, Blitzhäufigkeit. Dabei wird HORA immer weiter entwickelt: Derzeit arbeiten wir an einem Hangrutschungsmodul und an einer Starkregen-Niederschlagstabelle – also an einer Starkregenzonierung – die Arbeiten sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein.


Woher stammen die Daten, die in HORA hinterlegt sind?
Hlatky:Die Basisdaten werden vom österreichischen Landwirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt. Das praktische ist, dass das Ministerium Zugriffs- und Verwendungsrechte auch auf Daten hat, die nicht dem Bund, sondern beispielsweise den Ländern oder den Kommunen gehören. Das hat die Bereitstellung der für HORA notwendigen Daten ungemein erleichtert. Auch der Versicherungswirtschaft stellt der Bund diese Daten uneingeschränkt zur Verfügung. Und wir nutzen dies zur Risikozonierung – also zur Ermittlung und Bewertung der Naturgefahren in Österreich.

Gab es denn Kritik an HORA – beispielsweise vor dem Hintergrund des Datenschutzes?
Hlatky:Ja – in Österreich gab es anfangs Bedenken, als es um die Veröffentlichung von Daten auf HORA ging. Ich habe mir in der Argumentation gegenüber den Behörden mit einem einfachen Satz geholfen und damit Überzeugungsarbeit geleistet: „Entweder es besteht eine Gefahrenlage auf einem Grundstück in Österreich oder sie besteht nicht.“ Wenn man diese rein naturwissenschaftlichen Informationen dem Verbraucher zugänglich macht, kann dies zu keinem Konflikt mit dem Datenschutz führen. Das haben bei uns die Behörden sehr rasch verstanden. Und selbstverständlich werden in HORA keine sensiblen Daten, wie Versicherungssummen oder personenbezogene Daten, öffentlich gemacht.

Wie wurde HORA von den Verbrauchern angenommen?
Hlatky:Als wir 2006 mit HORA starteten war das ein voller Erfolg – so ein Portal war völlig neu. Mit einem Mal war es möglich, ganz einfach ein Luftbild seines Eigenheims mit den entsprechenden Gefahrenzonen zu bekommen. Das gab es vorher nicht. Heute relativiert sich das etwas, da es auch andere Internetplattformen gibt, die so etwas bieten, als Risikozonierungssystem steht HORA aber weiter als umfassendes frei zugängliches Instrument alleine da.

Wie hoch sind die laufenden Kosten für HORA und wer kommt dafür auf?
Hlatky:Man mag das kaum glauben, aber wir sind hier in der komfortablen Situation, dass wir keine laufenden Kosten bei HORA haben. Es sind keine Mitarbeiter beschäftigt, wir müssen kein Rechenzentrum unterhalten. Updates aller Basisdaten und den Betrieb des Systems in einem Rechenzentrum hat das Landwirtschaftsministerium übernommen. Auch der Zugang zum System und die Wartung über das Internet werden vom Bundesrechenzentrum übernommen. In der Entwicklungsphase von HORA hat die Versicherungswirtschaft für Modellierungsarbeiten in Projektaufträgen über den VVO 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – der Etat ist bis heute noch nicht ausgeschöpft.

Hätten Sie denn noch einen Tipp für Deutschland, wenn jetzt das nationale Naturgefahrenportal eingerichtet wird – worauf sollten wir unbedingt achten?
Hlatky:Versuchen Sie, so viele Mitstreiter wie möglich zu finden. Und fragen Sie Ihre Datenschützer, ob sie lieber mutig in einer Risikozone leben wollen, ohne das zu wissen. Oder ob sie mit frei zugänglichen Risikoinformationen nicht einen weit über den Datenschutz hinausgehenden Schutz Ihrer Bevölkerung erreichen, um Präventionsmaßnahmen rechtzeitig vor einem Katastrophenfall treffen zu können. Als Grundlage der Versicherbarkeit von Naturkatastrophen ist die Risikozonierung unverzichtbar.

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