Wolf­gang Wei­ler (HUK-COBURG)

„Noch kon­se­quen­ter Klum­pen­ri­si­ken ver­mei­den“

Das neue Versicherungsaufsichtssystem Solvency II kommt ab 2016. Die HUK-COBURG erwartet aber keine gravierenden Änderungen auf die Kapitalanlagestrategie. Bei der Anlage lasse er sich nicht primär von der Regulatorik leiten, sondern investiere mit Hirn und Verstand, sagt der Vorstandssprecher der HUK-COBURG, Wolfgang Weiler, im GDV-Interview. Als Folge der niedrigen Zinsen setzt er vor allem auf Diversifikation, will sich dabei aber zumeist im Euro Raum bewegen.

Herr Weiler, welche Folgen hat der Niedrigzins auf die Anlagestrategie der Huk-Coburg?
Wolfgang Weiler: Wir haben unsere Asset-Allokation im Grunde nur leicht verändert, denn wir brauchen weiterhin ein hohes Sicherheitsniveau. Als deutscher Versicherer konzentriert sich deshalb der größte Teil unserer Anlagen auf den Euro-Raum, da wir keine großen Wechselkursrisiken eingehen wollen. Wir versuchen aber noch konsequenter als früher, Klumpenrisiken zu vermeiden. Deshalb diversifizieren wir sowohl auf Schuldner- als auch auf Länderebene. Das bedingt auch eine größere internationale Ausrichtung – zumindest im Euro-Raum – als wir sie früher hatten. Und natürlich ist die Durationssteuerung in der Lebensversicherung ein wichtiges Thema für uns. Wir nutzen verschiedene Möglichkeiten, um die Laufzeit unserer Anlagen zu verlängern.

Gibt es Anlageklassen, die sie aktuell meiden oder ausbauen?
Weiler: Unternehmensanleihen sind eine Anlageklasse, die die gesamte Branche in den vergangenen fünf sechs Jahren spürbar aufgestockt hat. Auch weil es für die Unternehmen leichter geworden ist, sich direkt am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen und sich einige Banken zurückgezogen haben. Bei unbesicherten Bankanleihen machen wir dagegen weniger. Auch bei Staatsanleihen halten wir uns eher zurück.

Welchen Einfluss hat das künftige Regelwerk Solvency II auf ihre Anlagepolitik?
Weiler: Für unseren Komposit-Bereich erwarte ich wegen der kurzen Laufzeit der Anlagen kaum Auswirkungen. Bei der Lebensversicherung gibt es sicher einige Einschränkungen, etwa was die Eigenmittelunterlegung von Immobilien oder Aktien betrifft. Auch die Unterlegung bei länger laufenden Pfandanleihen ist vergleichsweise hoch, falls sich da nicht noch etwas ändert. Insgesamt glaube ich aber nicht, dass sich die Anlagen unter Solvency II dramatisch verändern werden. Mit Blick auf das Gesamtportfolio relativiert sich die ein oder andere höhere Eigenmittelunterlegung wieder. Vor allem weil man sich ja nicht primär von der Regulatorik leiten lässt, sondern mit Hirn und Verstand investiert.

Wie bewerten Sie die Chancen von Infrastrukturinvestitionen? Private Kapitalgeber sollen ja künftig stärker eingebunden werden.
Weiler: Die Attraktivität hängt stark von den Details ab. Wer zahlt, wie sehen die Zahlungsströme aus und wie sicher sind sie? Das Thema ist sehr komplex, und wir müssen uns ganz genau anschauen, wie das Modell funktionieren soll. Wenn wir nur das Geld geben und der Staat den Ausbau der Infrastruktur selbst übernimmt, wäre das ja nichts anderes als ein Staatskredit – mit entsprechend geringer Rendite. Bei einer nutzungsabhängigen Gebühr, beispielsweise bei der Autobahnfinanzierung, haben sie es dann schon mit ganz anderen Risiken zu tun. Dann müssen sie rechnen und es wird ein klassisches Investitionsthema.

Gibt es eine Investition, auf die Sie besonders stolz sind?
Weiler: Wir haben da einige. Ich freue mich zum Beispiel immer, wenn ich in Frankfurt am Flughafen vorbeifahre. Da haben wir vor einigen Jahren ein Gebäude gekauft. Das ist ein schönes Investment und da fährt man oft vorbei und denkt: Dieses große Gebäude, in dieser Lage – das ist jetzt unseres. Und es ist rentabel. Ansonsten machen mir am meisten die Aktien Spaß, die wir vor fünf Jahren gekauft haben.

Interview: Henning Engelage

Zur Startseite