Betrug bei Blitz-Schä­den

„Nicht jeder Scha­den ist plau­si­bel“

Im Jahr 2014 wurden den Hausrat- und Wohngebäudeversicherern rund 410.000 Blitz- und Überspannungsschäden gemeldet. Dafür leisteten sie 340 Millionen Euro. Wenn Schäden an Fernsehern, Computern und anderen Elektrogeräten gemeldet werden, sind nicht immer Blitz- und Überspannung die Ursache. Lutz Erbe, von den VGH Versicherungen erklärt, warum manche Schadensmeldung nicht plausibel ist und was getan werden kann, um die Schäden zu verringern.

Herr Erbe, wie kann überprüft werden, ob ein Gerät tatsächlich durch Blitz- und Überspannung beschädigt wurde?
Lutz Erbe: Wie bei jedem Versicherungsfall muss der Geschädigte Art und Umfang des Schadens gegenüber der Versicherung erklären. Er muss nachweisen, wie und wann der Schaden entstanden ist. Er ist zudem verpflichtet, dem Versicherer das beschädigte Gerät zur Verfügung zu stellen, damit dieser prüfen kann, ob der Anspruch berechtigt ist. Der einfachste Weg ist natürlich, durch einen vom Versicherer beauftragten Sachverständigen am Gerät selbst überprüfen zu lassen, ob der Schaden durch eine Blitzüberspannung entstanden ist. In Sonderfällen muss hierzu eine Laboruntersuchung erfolgen. Kann das Gerät vom Kunden jedoch nicht mehr zur Verfügung gestellt werden, da es schon entsorgt wurde, kann keine fachlich qualifizierte Aussage zur Schadenursache getroffen werden.

Und welche Möglichkeiten haben Sie noch?
Erbe: Der Versicherer kann die Plausibilität des Schadens prüfen. Blitzinformationsdienste geben Auskunft darüber, ob es an einem bestimmten Tag überhaupt Blitze in der betreffenden Region gab. Außerdem kann er klären, in welcher Entfernung zum Schadensort der Blitz eingeschlagen hat und ob dann ein Überspannungsschaden möglich ist. Schlägt ein Blitz in einer Entfernung von mehr als 1.000 Metern vom Schadensort ein, ist ein Schaden an elektronischen Geräten eher unwahrscheinlich. Nur in Einzelfällen kann es auch bei größeren Entfernungen zu Schäden kommen.

 

Nicht jeder Blitz ist damit gleich gefährlich?
Erbe:Damit es zu einem Blitz- und Überspannungsschaden bei einem elektrischen Gerät kommt, muss der Blitz mit einer bestimmten Intensität und in einem bestimmten Abstand einschlagen. Ein typisches Schadenbild und ein Übertragungsweg vom Blitz zum Gerät müssen vorhanden sein. Ist ein Blitz zu weit weg, sind einige Schäden, wie sie uns gemeldet werden, eher unwahrscheinlich. Eine weitere Erkenntnis: Auf dem Land kommt es eher zu einem Überspannungsschaden als in der Stadt. Dies liegt an dem meist stark verzweigten Leitungsnetz in der Stadt. Überspannungen können sich leichter verteilen und sind dadurch nicht mehr so hoch, wenn sie am eigentlichen Endgerät ankommen.

Wie hoch ist der Anteil der „schwarzen Schafe“, die einen nichtversicherten Schaden melden?
Erbe: Das wissen wir nicht genau. Wir stellen bei der Regulierung immer wieder fest, dass manche Schäden nicht plausibel sind. Aber zum Glück sind die meisten unserer Kunden ehrlich. Und eines ist entscheidend in unserem Gewerbe: Nur im gegenseitigen Vertrauen zwischen Kunde und Versicherer kann Versicherung überhaupt funktionieren.

 

Was kann der Versicherer konkret tun, um Schäden zu vermeiden?
Erbe: Die Risiken mit Mehrfachschäden können herausgefiltert und die Kunden technisch qualifiziert beraten werden. Es reicht dabei natürlich nicht aus, dem Kunden ein Merkblatt zu übergeben, hier muss mit Sachverstand die elektrische Anlage analysiert und mit Augenmaß ein individuelles Konzept erstellt werden. Ich habe bei vielen dieser Beratungen festgestellt, dass es gerade für Gewerbekunden auch in der Landwirtschaft eine enorme Belastung ist, wenn bei jedem Gewitter die Gefahr besteht, dass etwa die Telefonanlage ausfällt. Diese Beratungen werden sehr interessiert aufgenommen und die Empfehlungen zum Überspannungsschutz auch meist umgesetzt.

Was passiert, wenn der Kunde nicht auf den Ratschlag von Fachleuten hört?
Erbe: Da ist Überzeugungsarbeit gefragt. Der Kunde sollte wissen, dass bei der Versicherung technischer Anlagen, wie zum Beispiel Biogas- oder Photovoltaikanlagen, die enormen Schadenpotentiale ohne den Einbau von Schutzgeräten praktisch nicht mehr beherrschbar sind. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, technische Anlagen von Beginn an mit einem Überspannungsschutz auszurüsten und auch so zu versichern. Das Nachrüsten von Überspannungsschutz ist hingegen aufwendig und kostspielig.

Wie kann jeder Kunde möglichen Schäden vorbeugen?
Erbe :Jeder einzelne kann etwas tun, um Blitz und Überspannungsschäden zu vermeiden. Gerade, wenn wir feststellen, dass der Einzelschaden so teuer ist wie noch nie. Wir raten zum Einbau von Überspannungsschutz. Stellen aber immer wieder fest, dass bei der Montage Fehler gemacht werden. Möchte ein Kunde sein Gebäude mit Überspannungsschutzgeräten ausstatten, raten wir dazu, vorab mit einem Elektrofachbetrieb zu klären, ob dieser über ausreichende Fachkenntnisse und Erfahrungen in der Planung und Montage der Geräte verfügt. Dies kann etwa durch Schulungszertifikate der Mitarbeiter oder die Angabe von Referenzanlagen nachgewiesen werden.

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