Alters­vor­sorge

„Lie­ber nach Mal­lorca als für die Betriebs­rente spa­ren“

Junge Arbeitnehmer fliegen eher in den Urlaub, als für ihre Betriebsrente Geld zurückzulegen. Das beklagt Stefan Wolf, Chef des Automobilzulieferers Elring Klinger, im Interview des GDV-Magazins „Positionen“. Dabei, so Wolf, werde die betriebliche Altersversorgung immer wichtiger für Beschäftigte und auch die Unternehmen – denn sie helfe, gute Fachkräfte anzulocken.

Betriebliche Altersversorgung stockt nicht nur die Rente auf, sie zieht auch Fachkräfte an. Bietet Elring Klinger deshalb eine Betriebsrente an?
Stefan Wolf: Es ist eine interessante Nebenleistung für die Mitarbeiter. Vor allem kleinere Unternehmen, die es sich leisten können, sollten ihren Beschäftigten neben der gesetzlichen Rente zwei weitere Säulen bieten, nämlich die vom Arbeitgeber finanzierte Altersversorgung und darüber hinaus die durch den Arbeitnehmer bezahlte Säule. Diese zweite Säule ist derzeit noch sehr unterentwickelt.

Wie kann die arbeitnehmerfinanzierte Säule aussehen?
Wolf: Wir versuchen das in unserer Branche über die Metallrente, ein von Arbeitgebern und IG Metall gemeinsam getragenes Versorgungswerk. Die Beschäftigten können einen Teil ihres Einkommens steuerfrei einbringen. Im Ruhestand, wenn sie weniger verdienen, lassen sie sich eine Rente auszahlen, für die dann meistens weniger Steuern anfällt.

Kommt das an?
Wolf: Wir bei Elring Klinger haben unsere Mitarbeiter dazu umfassend beraten. Die Resonanz war enttäuschend. Nicht mal 20 Prozent der Mitarbeiter haben einen solchen Vertrag abgeschlossen. Vor allem jüngere Beschäftigte, bei denen die lange Laufzeit noch was bringen würde, sagen mir: Wenn ich 100 Euro im Monat spare, dann macht das im Jahr 1 200 Euro. Davon kann ich eine Woche mit meiner Freundin nach Mallorca fliegen. Die Wahrnehmung, dass Leistungen aus den staatlichen Rentensystemen wegen der demografischen Entwicklung schrumpfen werden und dass man sich privat absichern muss, die fehlt.

 

Neben der Metallrente können Beschäftigte in eine vom Arbeitgeber bezuschusste Altersversorgung einzahlen. Doch die Renditemöglichkeiten sind armselig. Wie gehen Sie damit um?
Wolf: Die geringe Rendite ist ein enormes Problem. Bei Unternehmen, deren Altersvorsorgesystem über betriebliche Rückstellungen abgesichert wird, kommt hinzu, dass viele nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches bilanzieren und den Durchschnittszinssatz der vergangenen Jahre zugrunde legen müssen. Da die Zinsen sinken, werden die Rückstellungen von Jahr zu Jahr höher, das geht zu Lasten des Gewinns. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Was können die Unternehmen tun?
Wolf: Wir bei Elring Klinger haben das System 2005 umgestellt. Es ist zwar nach wie vor ein arbeitgeberfinanziertes Modell, läuft aber über einen Versicherer, an den wir die Beiträge überweisen. Damit müssen wir keine Rückstellungen mehr bilden.

Das Arbeitsministerium will die betriebliche Altersversorgung neu regeln …
Wolf: Grundsätzlich ist das nicht schlecht. Es sieht vor, dass die Tarifvertragsparteien ein Versorgungswerk schaffen und jeder tarifgebundene Mitarbeiter automatisch in diesem System versichert wird. Bislang haben wir die Erfahrung gemacht, dass Vorschläge aus dem Arbeitsministerium den Betrieben eher schaden. Insofern bin ich im Moment misstrauisch, ob noch etwas nachkommt.

Was könnte das sein?
Wolf: Neue finanzielle Verpflichtungen. Das würde zu Lasten meist schon geschwächter Unternehmen gehen, die ihr Versorgungssystem erst vor Kurzem schließen mussten. Das halte ich für nicht zielführend.

Interview: Heimo Fischer. Fotos: Heinz Heiss, Elring Klinger AG

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