LVM-Finanz­vor­stand Heinke

„Enga­ge­ment im Bereich Pho­to­vol­taik und Win­d­ener­gie aus­bauen“

Angesichts der Niedrigzinsphase setzt die LVM Versicherung auch auf neue Anlageklassen wie Infrastruktur. Mit Photovoltaik- oder Windparks ließen sich vier bis sechs Prozent Rendite erzielen, sagt Finanzvorstand Volker Heinke im Interview.

Herr Heinke, wie wirkt sich die Niedrigzinsphase auf Ihre Anlagestrategie aus?
Volker Heinke: Wir haben schon früh Absicherungsmaßnahmen ergriffen. Wir können jetzt zum Beispiel auf Vorkäufe aus der Vergangenheit zurückgreifen und Papiere zu deutlich höheren Zinsen ins Portfolio nehmen. Derzeit konzentrieren sich unsere Anstrengungen darauf, unser Portfolio noch breiter zu streuen. In der aktuellen Marktsituation nur auf eine Durationsverlängerung bei Anleihen zu setzen, halte ich nicht für ausreichend. Wir glauben, dass die Phase von Zinsen nahe null oder 0,5 Prozent nicht deutlich länger als vier oder fünf Jahre anhalten wird. Danach besteht wieder die Möglichkeit, zu höheren Niveaus einzusteigen.

Welche Anlageklassen haben an Bedeutung gewonnen, welche verloren?
Heinke: Senior-Anleihen oder unbesicherte Anleihen von Banken haben wir deutlich heruntergefahren. Bundesanleihen gehören auch eher zu den Positionen, die wir abgeben. Wir haben sukzessive die Staatsanleihequote reduziert, zum Beispiel zugunsten von Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich. Doch in Europa sind selbst bei den Unternehmensanleihen die Risikoaufschläge sehr zusammengelaufen. Deshalb schauen wir uns international um: US-Unternehmensanleihen weisen zum Beispiel noch einen gewissen Rendite-Aufschlag auf. Wir haben allerdings auch Anleihen aus Schwellenländern gekauft – größtenteils in Hartwährungen, zur Beimischung auch in lokaler Währung. Gleichzeitig nehmen wir neue Anlageklassen ins Portfolio, wie zum Beispiel Infrastruktur.


Wo genau investieren sie?
Heinke: Wir wollen unser Engagement im Bereich Photovoltaik und Windenergie ausbauen und bestimmte Parks erwerben. Damit können wir eine Rendite von vier bis sechs Prozent erreichen – bei ganz geringer Schwankung und ohne Leverage. Zum einen garantiert das Gesetz eine feste Stromvergütung. Zum anderen können wir mit Anlagen in verschiedenen Regionen beispielsweise das Windrisiko diversifizieren.

Wie sieht es mit Aktien aus?
Heinke: Wir haben im letzten Jahr die Aktienquote taktisch etwas zurückgefahren. Jetzt schauen wir wieder etwas positiver auf die Anlageklasse und nehmen im Rahmen unserer Risikotragfähigkeit dividendenstarke Aktien ins Portfolio. Wir versuchen aber, weg von den Heimatmärkten zu kommen, wollen also nicht nur in DAX oder Euro-Stoxx investieren. Wir müssen stattdessen in die Regionen der Welt gehen, wo das Wachstum ist. Und das hat sich ja gerade im letzten Jahr bestätigt, als der DAX nur niedrig einstellig dazugewonnen hat, während die internationalen Märkte auch aufgrund der Währungsentwicklung für einen Euro-Investor eine sehr schöne Rendite erbracht haben.

Wie bewerten Sie die Auswirkungen von Solvency II?
Heinke: Wir haben nach langen Verhandlungen jetzt ein Modell, mit dem wir 2016 starten können. Das ist gut so, denn irgendwann muss man loslegen. Aber erst in einigen Jahren wird sich zeigen, ob die Systematik ausreicht oder ob wir noch Änderungen vornehmen müssen. Das gilt beispielsweise für die Eigenmittelunterlegung von Infrastrukturinvestitionen. Es kann nicht sein, dass wir diese grundsätzlich relativ sicheren Investments mit einem hohen Stressfaktor wie bei Aktien unterlegen müssen. Dann rechnen sich am Ende solche Investitionen nicht.

Auf welche Anlage sind Sie besonders stolz?
Heinke: Eigentlich kann ich es mir als Kapitalanlage-Vorstand gar nicht leisten, mein Herz an eine Anlage zu hängen, weil es eben ganz wichtig ist, dass man keine Lieblingskinder hat. Aber: Wir bauen gerade für die Johanniter in Dortmund. Die Rehaklinik am Dortmunder Rombergpark wird dann nicht nur uns Rendite bringen, sondern auch dort den Menschen helfen. Damit verbinden wir das Nützliche mit dem Guten.

Interview: Henning Engelage

Zur Startseite