Star­kre­gen-Vor­sorge

„Bei Star­kre­gen hilft nur, vor­be­rei­tet zu sein“

Nur schön zu bauen, reicht nicht mehr, sagt Konstruktionsforscher Thomas Naumann. Wegen der Zunahme extremer Wetterereignisse müssten Überflutungsrisiken stärker berücksichtigt werden. Wie das geht, zeigen schon die Häuser unserer Vorfahren.

Herr Naumann, welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf unsere Art zu bauen? 
Thomas Naumann: Klimawandel bedeutet zeitweise extremere Wettereinwirkungen. Die Wahrscheinlichkeit für heiße Tage steigt ebenso wie diejenige für  regenreiche Tage. Deshalb müssen wir beim Bauen und Sanieren in Zukunft verstärkt auch Überflutungs- und Starkregenrisiken berücksichtigen. Es kann also nicht mehr nur darum gehen, möglichst schön und komfortabel zu bauen.


Warum stellt gerade Starkregen Hausbesitzer vor Herausforderungen?
Naumann:
Starkregen ist schwer vorhersagbar, geht auf einem sehr kleinen Gebiet nieder und ist sehr intensiv. Die Vorwarnzeit ist kurz, anders als bei einem großen Flusshochwasser, das sich oft Tage vorher ankündigt. Wenn ich nach einer Starkregenwarnung anfange, Sandsäcke zu stapeln, ist es meistens zu spät. Wahrscheinlich bin ich ohnehin gerade auf der Arbeit, während es passiert (lacht). Bei Starkregen hilft nur, vorbereitet zu sein, und das Haus vorausschauend anzupassen.

Was heißt das konkret?
Naumann:
Ich habe immer drei grundlegende Strategien zur Verfügung: Ausweichen, Widerstehen oder an die Überflutung anpassen. Das heißt erstens: Ich baue nicht ebenerdig, sondern hebe das Erdgeschoss an, am besten natürlich über die starkregenbedingte Flutlinie.

Zweitens sorge ich dafür, dass meine Wände, Fenster, Türen und Hausanschlüsse wie Gas- oder Abwasserleitungen nicht wasserdurchlässig sind und mehr Wasserdruck standhalten. Das geht mithilfe von speziellen Bauteilen beziehungsweise Bau- und Abdichtungsmaterialien. Zudem sollten die Abwasserleitungen über eine Rückstausicherung verfügen.

Die letzte Möglichkeit ist immer: Ich lagere eben keine Wertsachen mehr im Keller und verlagere hochwertige Haustechnik über die zu erwartende Wasserstandslinie.


Also keine schwedische Holzbauweise?
Naumann:
Auch in einem gefährdeten Gebiet kann ich mir eine hübsche, energetisch optimierte Holzbox sehr gut vorstellen, wenn sie oberhalb der Flutlinie auf einem massiven Unterbau steht. So haben unsere Vorfahren schon vor Jahrhunderten gebaut: Fachwerk auf Naturstein in vielen Teilen Thüringens, Bayern oder Sachsens.

Ich will keine Fachwerk-Bauweise zurück, aber der Punkt ist: Das wichtigste ist ein robuster Unterbau im Bereich der starkregenbedingten Wasserstandshöhe. Mit den Mitteln, die wir heute zur Verfügung haben, können wir das noch viel besser machen als unsere Vorfahren.

Wenn mein Haus auf festem Grund steht, bin ich stets sicher?
Naumann:
Nein. Das eine ist die Überflutung durch Starkregen, das andere ist die Gefährdung durch den Starkregen selbst, der direkt auf das Gebäude trifft. Besonders betroffen sind die baulichen Hüllen mit Fassaden und Dächern. Auch Flachdächer, Balkone und Dachterrassen erweisen sich hier als gefährdet. 

Sie brauchen auf jeden Fall eine hochwertige Abdichtung, ein hinreichendes Gefälle unterhalb der Abdichtung und dazu eine Notentwässerung, die auch bei Starkregen das Regenwasser abführt.

Das muss man sich immer individuell anschauen, denn es gibt auch sehr alte Bauten mit einem vernünftigen Konzept und neuere Gebäude, die Mängel an dieser Stelle haben.

Interview: Markus Fischer

Zur Startseite
Auch inter­essant