Gene­rali-Finanz­vor­stand Utecht

„Bei Aktien scheuen wir die Abschrei­bungs­ri­si­ken“

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, im großen Stil auch Staatsanleihen aufzukaufen, hat die Aktienmärkte auf neue Höhen getrieben. In der Lebensversicherung habe sein Unternehmen die Aktienquote aber auf deutlich unter ein Prozent zurückgefahren, sagt Generali-Finanzvorstand Torsten Utecht im Interview. Grund dafür sind die hohen Abschreibungsrisiken. Als Strategie gegen den Niedrigzins führt er eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Anlagen ins Feld.

Herr Utecht, wie reagiert die Generali Deutschland auf die Niedrigzinsphase?
Torsten Utecht:Unsere Strategie konzentriert sich im Prinzip auf zwei Stoßrichtungen: Da ist zum einen ganz klar eine Durationsverlängerung. Um es konkret zu machen: Vor wenigen Jahren hatten wir bei unseren Lebensversicherern eine durchschnittliche Duration der Anlagen im Bestand von sechs Jahren, Ende 2014 haben wir im Durchschnitt neun Jahre erreicht. Eine Verlängerung im Bestand um ganze drei Jahre zeigt, dass wir in den Neu- und Wiederanlagen recht lange Laufzeiten gewählt haben. Die andere Stoßrichtung ist eine verstärkte Diversifikation. Früher machten Staatsanleihen und Pfandbriefe den Großteil unserer festverzinslichen Wertpapiere und unserer Neuanlage aus. Das hat sich grundlegend verändert.

Welche Anlageklassen meiden Sie, und welche gewichten Sie höher?
Utecht:Wir investieren schon seit längerer Zeit nicht mehr in Bundesanleihen. Wir zeichnen aber Emissionen supranationaler Institutionen, beispielsweise der Europäischen Investitionsbank oder des EFSF. Wir investieren auch weiterhin in Staatsanleihen, beispielsweise in belgische oder in polnische, was insgesamt dazu führt, dass wir weiterhin einen vergleichsweise hohen Anteil an Staatsanleihen haben. Stärker sinkt der Anteil an Pfandbriefen und Covered Bonds. Das liegt auch daran, dass nicht viel im Angebot ist, was auskömmliche Renditen ermöglicht.

Wir haben aus Vorsichtsüberlegungen auch unbesicherte Bankanleihen reduziert. Auf der anderen Seite haben wir bereits seit mehreren Jahren Unternehmensanleihen im Portfolio stärker gewichtet. Und seit letztem Jahr tätigen wir verstärkt Investitionen außerhalb des Euro-Raums, vor allem in den USA. Wir haben US-Staatsanleihen gekauft, aber auch viele Investments in amerikanischen Unternehmensanleihen getätigt. Denn in den USA ist die gesamtwirtschaftliche Entwicklung deutlich besser als bei uns in Europa und die erzielbaren Renditen sind seit der Ankündigung, das Quantitative Easing-Programm in den USA zu beenden, erkennbar höher.


Und wie ist Ihre Einschätzung zu Aktien?
Utecht:Bei unseren Schaden-Unfall-Versicherern haben wir die Aktienquote Anfang 2014 etwas hochgefahren auf sieben bis acht Prozent in der Spitze. Wir haben aber auch Gewinne mitgenommen. Aktuell liegt die Aktienquote bei 5,6 Prozent im Komposit-Bereich. In der Lebensversicherung haben wir die Aktienquote demgegenüber kontinuierlich auf weniger als ein Prozent zurückgefahren. Wir planen hier auch keinen aktiven Ausbau. Wir scheuen die möglichen Abschreibungsrisiken, die zwangsläufig mit einem umfangreichen Aktieninvestment verbunden sind. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld können Aktien zwar sehr wohl gut performen, aber die Risiken bleiben. Und die Risiken können sich sehr schnell in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung negativ niederschlagen. Wir müssen nun mal zum Bilanzstichtag bewerten und die Bücher zumachen.

Wie stehen Sie zu Infrastrukturinvestitionen?
Utecht:Natürlich denken wir auch über dieses Thema nach, weil Infrastrukturinvestments theoretisch ein sehr interessantes Segment für langfristig orientierte Anleger darstellen. Und sie weisen auch ein anderes Risikoprofil auf als andere Anlagenklassen, was sie theoretisch auch aus Diversifikationsgesichtspunkten interessant erscheinen lässt. Ich habe aber bewusst ein paar Mal das Wort ‚theoretisch’ eingestreut. Denn die Realität sieht so aus, dass Angebote in diesem Segment eher rar gesät sind. Solange nicht klare Rahmenbedingungen existieren und die regulatorischen Risiken besser bewertet werden können, glaube ich nicht, dass dies ein Anlagesegment mit einem großen Volumen werden wird.

Und auf welche Anlage sind Sie besonders stolz?
Utecht:Ich bin sehr zufrieden mit den Private-Equity-Investments, die die Assetmanager der internationalen Generali Group in den letzten drei Jahren getätigt haben. Diese zeigen eine sehr gute Wertentwicklung und es hat bereits die ersten größeren Ausschüttungen gegeben. Damit sind wir wirklich sehr zufrieden. Ein Investment, das schön anzuschauen ist, ist das Lindencorso an der Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden in Berlin. Das ist eine schöne und repräsentative Immobilie. In dieser Toplage können wir auch davon ausgehen, dass wir in Zukunft nicht mit Leerständen rechnen müssen. Und die Rendite ist ebenfalls angemessen.

Interview: Henning Engelage

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