Poli­ti­sche Posi­tio­nen 2018

Mehr Nach­hal­tig­keit in der Kapi­tal­an­lage – aber ohne Zwang

Um ihre Klimaschutzziele zu erreichen, will die Politik den Kapitalmarkt stärker auf grüne Investments ausrichten. Eine Förderung des Marktes ist sinnvoll, solange die Anlagefreiheit der Investoren nicht eingeschränkt wird. Das ist auch im Interesse der Kunden. Für eine freiwillige Verbreitung von nachhaltigen Kapitalanlagen braucht es vor allem ein größeres Produktangebot und die richtigen Rahmenbedingungen. Auch abseits grüner Investments kann die Politik die Anlagemöglichkeiten für die Versicherer erweitern. Denn der Niedrigzins macht ihnen unverändert zu schaffen.

Der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen boomt. Wurden 2006 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerade einmal 20 Mrd. Euro nach ökologischen und sozialen Kriterien sowie unter Beachtung guter Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance ESG) angelegt, so waren es zehn Jahre später bereits rund 242 Mrd. Euro. Trotzdem: Gemessen am Gesamtmarkt ist der Anteil nachhaltiger Investments nach wie vor überschaubar. So erfüllen beispielsweise nicht einmal drei Prozent der in Deutschland zugelassenen Fonds ESG-Standards.

Die Politik macht nun allerdings Druck und will das gesamte Finanzsystem ökologischer ausrichten. Das Kalkül: Nur wenn die Investoren auf grüne Anlagen getrimmt werden, wird auch die gesamte Wirtschaft Klimarisiken stärker berücksichtigen – und nur dann sind die von den EU-Mitgliedstaaten eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen zu erreichen.


Versicherer müssen Kapital sicher und rentabel anlegen

Erst jüngst hat die Europäische Kommission ihren Aktionsplan vorgelegt, mit dem sie die Rahmenbedingungen für nachhaltige Finanzierungen in Europa verbessern will, unter anderem mit einem einheitlichen Klassifizierungssystem für nachhaltige Investments, der Einführung standardisierter Produkte sowie erhöhten Transparenzanforderungen. Die EU-Kommission verspricht sich davon jährliche Investitionen von 180 Mrd. Euro für den Klimaschutz. Auch die deutschen Versicherer sind angesprochen. Immerhin verwalteten sie rund 1,6 Billionen Euro. Dieses Geld müssen die Unternehmen im Sinne ihrer Kunden sicher und rentabel anlegen. Die Berücksichtigung von nachhaltigen Kapitalanlagen und ESG-Konzepten kann dabei helfen. Nicht umsonst hat der GDV Hinweise für die Branche herausgegeben, wie ökologische Kriterien in die Kapitalanlage mit einfließen können. Allerdings müssen sich diese Überlegungen immer den übergeordneten gesetzlichen Regelungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes und den Regeln nach Solvency II unterordnen.

Als Großanleger leisten die Versicherer aus eigenem Antrieb einen wichtigen Beitrag, die Transformation hin zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft zu beschleunigen. Investitionen in Erneuerbare Energien, wie zum Beispiel Windkraftanlagen, passen gut zu ihrem langfristig ausgelegten Geschäftsmodell. Und sie ermöglichen eine breitere Streuung der Anlagen. Mit nachhaltigen Anlagestrategien lassen sich zudem Extremrisiken in der Kapitalanlage reduzieren. Deshalb berücksichtigen auch immer mehr Versicherer eine ganze Bandbreite an ESG-Konzepten bei ihren Investitionsentscheidungen.  

Im zehnten Jahr des extremen Niedrigzinsumfeldes suchen die Versicherer zudem händeringend nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. Ein größeres Angebot an Erneuerbaren-Energieprojekten, aber auch im Bereich der sozialen Infrastruktur, könnte einen wichtigen Beitrag zur Absicherung der Altersvorsorge von Millionen Sparern leisten. Gleichzeitig würde auch die angestrebte Kapitalmarkt-union, die grenzüberschreitende Investitionen in der EU erleichtern soll, den Versicherern neue Anlagemöglichkeiten erschließen.


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