Kolumne
#Rente2040

Wir leben län­ger, als wir den­ken

Die Lebenserwartung steigt unaufhörlich. Den Menschen bleibt mehr Zeit, um sich im Alter noch Träume zu erfüllen. Damit gewinnt zugleich die Altersabsicherung an Bedeutung. Deshalb hat der GDV eine detaillierte Studie in Auftrag gegeben, die die Rentenperspektiven für 2040 ermittelt. Die Ergebnisse überraschen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie lange Sie noch zu leben haben? Ich meine statistisch gesehen, denn natürlich kommt der Tod nicht auf Bestellung wie ein Paket vom Versandhaus. Die Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamts gibt jedenfalls einen guten Anhaltspunkt. Einem 61-jährigen Mann wie mir billigt die Statistik beispielsweise im besten Fall noch knapp 23 Jahre zu, also ein Lebensalter von exakt 83,65. Im Durchschnitt wohlgemerkt. Vielleicht werden es im meinem Fall auch mehr, schließlich gehe ich regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. Vielleicht aber auch weniger, wenn ich an meine Vorliebe für gute Zigarren denke.

In jedem Fall ist meine Lebenserwartung höher, als ich erwartet hätte. Als ich 40 war, sagte mir die Statistik ein Alter von gut 80 Jahren voraus, mit 50 waren es schon fast 82 Jahre. So schnell, wie die Lebenserwartung steigt, komme ich mit meiner Selbsteinschätzung gar nicht hinterher. Und das geht vielen Menschen so. Wenn die Deutschen ihr voraussichtliches Sterbealter abschätzen sollen, liegen sie ziemlich daneben. Um annähernd sieben Jahre unterschätzen Frauen wie Männer ihre durchschnittliche Lebenserwartung, wie eine Studie ergeben hat.

Mehr Zeit zur Selbstverwirklichung im Alter

Sieben Jahre! Das klingt wie ein Geschenk. Das ist mehr Zeit für Reisen und Hobbys, für Abenteuer mit der Familie oder die Erfüllung offener Lebensträume. Denn wir werden ja nicht nur immer älter, wir bleiben zugleich länger fit. Sieben Jahre mehr können aber auch eine Bürde sein. Dann nämlich, wenn das Geld im Alter knapp ist und gerade für das Nötigste reicht. Denn natürlich ist die Frage, welche Wünsche wir uns im Alter erfüllen können, auch abhängig von den finanziellen Möglichkeiten. Und der wichtigste Baustein der Vorsorge ist und bleibt die gesetzliche Rente.

Wir als Versicherungsverband wollten es einmal genau wissen, und haben das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos beauftragt nachzurechnen, wie viel ein Rentner im Jahr 2040 erwarten kann. Die Ergebnisse, die wir morgen präsentieren werden, sind in dieser Form einmalig. Die Prognos-Experten haben für jeden Landkreis und ausgewählte Berufsgruppen berechnet, wie hoch die Rente in 25 Jahren sein wird. Dafür haben sie realistische Erwerbsbiografien skizziert und zugleich die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen berücksichtigt. So flossen Zeiten von Erwerbsunterbrechungen ebenso mit in die Prognose ein wie das unterschiedliche Preisniveau in den Kreisen.

Große regionale Unterschiede bei der Rente

Ich will nicht zu viel verraten, eines kann ich aber schon sagen. Die Unterschiede sind zum Teil überraschend groß. Die Bruttorente, die beispielsweise eine Verkäuferin in Weimar erwarten kann, ist wesentlich niedriger als bei ihrer Kollegin in München. Berücksichtigt man zusätzlich jedoch die Lebenshaltungskosten, kehrt sich das Bild um. Boomstädte wie München entpuppen sich als wesentlich teurere Alterswohnsitze als viele ländliche Regionen, wo die Menschen zwar eine niedrigere Rente zu erwarten haben, das Minus aber durch die höhere Kaufkraft mehr als ausgeglichen wird.

Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich: Sie zeigen zum einen, dass der Eckrentner aus der offiziellen Rentenprognose immer weniger mit der Lebenswirklichkeit der Menschen gemein hat. Und dass das Vorsorgeniveau nicht nur davon abhängt, wie viel Rente jemand erhält, sondern auch davon, wo er seinen Ruhestand verbringt. Wenn wir über die Perspektiven im Alter sprechen, müssen wir unsere Wahrnehmung also in vielerlei Hinsicht an die Realität anpassen. Und das gilt nicht zuletzt auch für unsere Lebenserwartung.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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