Kolumne
Unab­hän­gig­keit von Medien

Will­kom­men zum Ver­si­che­rungs­tag in Ber­lin!

Das geplante Branchentreffen im November findet natürlich statt – auch wenn die Produktionsfirma von Moderator Frank Plasberg den GDV dabei nicht mehr unterstützen wird. Der Vorgang wirft grundsätzliche Fragen auf, die über einen ärgerlichen Formfehler einer Signatur hinausgehen.

Auf meinem Schreibtisch liegt die neue Ausgabe unseres Verbandsmagazins „Positionen“. Wir wollen damit die Öffentlichkeit informieren, mit ihr diskutieren und sie überzeugen. Das Heft ist einer von etlichen Kanälen, die wir dazu nutzen und die wir allesamt professionell bedienen möchten. Deshalb legen wir Wert auf prägnante Schreibe, interessante Themenauswahl und überzeugendes Layout.

Viele Kolleginnen und Kollegen hier im Haus tragen zum Erfolg dieses Heftes bei. Dennoch beschäftigen wir einen Dienstleister, der uns dabei sehr gut unterstützt. Nahezu jedes größere Verlagshaus unterbreitet entsprechende Angebote. In unserem Fall handelt es sich dabei um den Axel-Springer-Verlag – ausgerechnet das Haus also, dessen größte Wochenzeitung gerade die vermeintliche „Versicherungsaffäre um TV-Star Plasberg“ auf die Titelseite gehoben hat. Sie haben sicher davon gehört.

Wenn Sie nun glauben, dass unsere Geschäftsbeziehung zu Springer uns in irgendeiner Form vor den Schlagzeilen bewahrt hat oder wir die naive Erwartung gehabt hätten, dass dies so sein würde, kann ich sie beruhigen. Dass dies nicht der Fall ist, ist ja auch offensichtlich. Und damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Selbstverständlich ist das völlig in Ordnung so.

Wir erwarten keine Sonderbehandlung in der Berichterstattung

Ich gebe aber zu bedenken: Könnte aufgrund dieser absolut üblichen und transparenten Konstellation nicht auch hier der Eindruck von Befangenheit entstehen? Kann hier nicht auch mal durch ein Versehen eine falsche Signatur verwendet werden? Und dann? Dazu kann ich nur sagen: Wir erwarten ein exzellentes Produkt für unsere Verbandskommunikation – aber deswegen natürlich keine Sonderbehandlung in der Berichterstattung der klassischen Medien dieses Hauses.

Ebenso sind wir bei der Vorbereitung für unseren Versicherungstag vorgegangen, auf dem wir eine möglichst kontroverse, kritische und spannende Diskussion über das Thema Digitalisierung führen und filmisch festhalten möchten. Viele freiberufliche Moderatoren auch öffentlich-rechtlicher Sender bieten, teils über ihre eigenen Produktionsgesellschaften, solche Dienstleistungen an, haben große Erfahrung und selbstverständlich auch ein Renommee – genau das vermarkten sie ja auch.

 

Wir erleben hier die Folgen eines Fehlers in einer Signatur. Nicht mehr und nicht weniger. Dieser Fehler ist ärgerlich. Wir sind uns der Bedeutung der Unabhängigkeit von Medien wohl bewusst und tragen dieser Tatsache auch mit unseren Compliance-Regeln Rechnung. Dieser Fehler illustriert aber eindrucksvoll, dass prominente Köpfe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens als Freiberufler arbeiten und deshalb weiteren Tätigkeiten nachgehen dürfen. Letztlich unabhängig von einer falschen Signatur steht auch grundsätzlich die Frage zur Debatte, wie unabhängig Journalisten in solchen Konstellationen sind. Das gilt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk genauso wie für die privatwirtschaftlichen Qualitätsmedien.

Chinese Walls müssen standfest sein

Ich fühle mich nicht dazu berufen, diese Frage final zu beantworten. Es ist vor allem Aufgabe der Medien, dafür zu sorgen, dass Chinese Walls zwischen redaktioneller Berichterstattung und den branchenüblichen Angeboten für Firmenkunden vorhanden und im Zweifelsfall standfest sind. Ich kann Ihnen versichern, dass wir in den Gesprächen mit der Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann nicht auf der Suche nach Löchern in Chinese Walls waren, sondern lediglich nach einem professionellen TV- und Moderationspartner. Wir waren und sind hier hoch sensibilisiert.

Als Branchenverband ist es unsere vordringlichste Aufgabe, zur Meinungsbildung über die Versicherungswirtschaft beizutragen – und zu versuchen, unsere Sicht der Dinge in die Öffentlichkeit zu tragen. Ich freue mich deshalb auf spannende Diskussionen während unseres Versicherungstages am 25.11.2015 in Berlin, den wir nun im gegenseitigen Einvernehmen ohne die Unterstützung der Firma Ansager & Schnipselmann organisieren werden.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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