Kolumne
Kolumne Natur­ge­fah­ren­re­port 2018

Wenn auf Über­schwem­mun­gen Dürre und Ern­te­schä­den fol­gen

Werden wir uns mehr und mehr an Wetterextreme gewöhnen müssen? Der aktuelle Naturgefahrenreport weist in diese Richtung. Beunruhigende Aussichten – nicht nur für Versicherer.

Der Weltklimarat hat seinen Sonderbericht veröffentlicht. Demnach sei es noch möglich, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Allerdings halten die Experten dafür „nie dagewesene Veränderungen“ nötig. Das Thema Klima wird seit Anfang der Woche wieder global diskutiert – spielt sich naturgemäß aber auch direkt vor unserer Haustür ab. Etwa hier in der Hauptstadt, wo nun auch Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge im Raum stehen.

Werden wir uns mehr und mehr an Wetterextreme gewöhnen müssen? Der aktuelle Naturgefahrenreport unseres Verbandes, den wir in dieser Woche veröffentlicht haben,  weist in diese Richtung. Nicht nur für uns Versicherer sind das beunruhigende Aussichten: Münster 2014, Simbach 2016, Leegebruch 2017, Wuppertal 2018. Nahezu im Jahrestakt werden in Deutschland Städte und Gemeinden nach heftigen Regenfällen überflutet. Verantwortliche vor Ort, Bürger und Gewerbetreibende sind dann meist unzureichend vorbereitet – trotz der zahlreichen Extremwetterereignisse in jüngster Vergangenheit.

Eine Starkregenkatastrophe, die nicht weichen will

Beispiel Leegebruch im nördlichen Brandenburg. Der Ort steht für eine Starkregenkatastrophe, die nicht weichen will: weil das Wasser monatelang nicht abfließt; weil die Suche nach den Ursachen, das Klären von Verantwortung und der Schutz vor dem nächsten Regen länger brauchen als das Trocknen des Ortes. Im neuen Naturgefahrenreport des GDV haben wir uns auf Spurensuche begeben und die Hintergründe der Katstrophe zusammengetragen – buchstäblich: „Auf der Suche nach dem Grund.“

Wenn Überschwemmungen nach Starkregen von wochenlanger Dürre mit katastrophalen Ernteschäden abgelöst werden, dann sollte man sehr genau hinschauen. Solche Szenarien haben uns Klimaforscher bereits vor langer Zeit als Signal für ein sich veränderndes Weltklima vorhergesagt. Dass die Menschheit derzeit einen Klimawandel erlebt, darüber ist sich die Wissenschaft inzwischen weitgehend einig. Vieles spricht dafür, dass wir – die Menschen – ihn maßgeblich beschleunigen.

Auch hierzulande zeigt sich das Wetter von seinen extremen Seiten. Das laufende Jahr wird es wohl in die Liga der fünf schwersten Sturmjahre der vergangenen zwei Jahrzehnte schaffen. Mit 1,3 Milliarden Euro liegen die versicherten Sturm­, Hagel­ und Starkregenschäden an Wohngebäuden bereits in den ersten sechs Monaten schon so hoch wie sonst im Gesamtjahr. Und die Schäden der Landwirte durch die anhaltende Trockenheit im Sommer dürften sich im Ergebnis auf mehr als 2 Milliarden Euro summieren.

Wir werten daher Daten verschiedenster Disziplinen aus, damit die Folgen von Naturkatastrophen beherrschbar und auch in Zukunft versicherbar bleiben. Wir schaffen die Voraussetzungen, um Schäden durch extreme Wetterlagen schnell und zuverlässig zu regulieren. Wir informieren unsere Kunden über Gefahren durch Wetterphänomene wie Überschwemmungen, Starkregen oder Stürme – und setzen uns dafür ein, dass Schäden gar nicht erst entstehen. So fordern wir etwa seit Jahren, dass in Deutschland der Schutz von Gebäuden gegen Überschwemmungen verbessert und bautechnisch normiert wird, dass die Klimaforschung weiter gefördert und dass extrem überschwemmungsgefährdete Regionen nicht mehr als Bauland ausgewiesen werden.

Wie Stadtplaner und Versicherer dafür sorgen, dass Fluten besser ablaufen

Oder nehmen Sie das Thema Versiegelung – oder auf Neudeutsch: „Flächenfraß“: Jeden Tag wird in Deutschland die Fläche von 90 Fußballfeldern zur Bebauung freigegeben: um der Wohnungsnot zu begegnen; um Platz zu schaffen für Gewerbe und Industrie. Bei Starkregen heißt das erst recht: Land unter. Wie Stadtplaner und Versicherer mit dafür sorgen, dass die Fluten besser ablaufen können, lesen Sie auch in der Titelstory unseres aktuellen Verbandsmagazins „Positionen“: „Zugepflastert“.

Mehr noch: Mit der Initiative „Stadt.Land.unter“ klärt die Versicherungswirtschaft über die wachsende Gefahr heftiger Regenfälle auf und zeigt, wie sich Mieter und Immobilienbesitzer schützen können.

Prävention kann Folgen von Naturkatastrophen reduzieren

Die gute Nachricht ist: Versicherungsschutz ist möglich. Gut 95 Prozent der Hausbesitzer sind gegen Sturm- und Hagelschäden versichert. Allerdings: Einen Rund-um-Schutz fürs Haus haben jedoch lediglich 41 Prozent, nur sie sind auch gegen weitere Naturgefahren wie Starkregen und Hochwasser abgesichert. Diesen Schutz gibt es als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäude- oder Hausratversicherung. In neueren Policen ist der Baustein oft schon enthalten. Eigenheimbesitzer und Mieter sind dann auch vor Zerstörungen gefeit, die auf Starkregen oder Überschwemmungen zurückgehen.

Klar ist: Prävention kann Naturkatastrophen nicht verhindern, aber ihre Folgen im besten Fall auf ein Minimum reduzieren. Dazu tragen wir Versicherer bei – auch mit dem vorliegenden Naturgefahrenreport und seinem umfangreichen Statistikteil.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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