Kolumne
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Welt­be­we­gen­des Bla­bla

Sprache lässt uns träumen, sie ist eine Macht, sie bewegt Gedanken, die Sinne, die Welt. Manchmal ist sie sogar zum Weinen schön. Und manchmal auch nur zum Heulen. Unsere Branche kann ihr eigenes Lied davon singen.

Was darf es denn sein: Branchensimulationsmodelle? Einwilligungserfordernisse? EMIR? PRIIPs mit einem oder zwei ii? Die berühmt-berüchtigte „Reduction in yield“ oder gar die „Entwürfe zukünftiger Regulierungsstandards für nicht clearing-pflichtige OTC-Derivate“?

Als gelernter Jurist bitte ich an dieser Stelle aus eigenem Interesse um Verständnis dafür, dass es um die Verständlichkeit der Versicherungssprache nicht zum Besten gestellt ist. In unserer Branche geben seit jeher Juristen und Mathematiker den Ton an. Noch Fragen?

Deshalb haben wir die Botschaft der Verbraucherschützer ja auch so gut verstanden. Wir arbeiten intensiv an der Verständlichkeit unserer Texte. Auf Seiten des Verbandes, wo wir vor allem die Musterbedingungen vereinfachen und entzerren – ein Mammutprojekt! Aber natürlich auch in den Unternehmen. Daran musste ich in dieser Woche gleich doppelt denken.


„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ hat die 17-jährige Abiturientin Naina getwittert. Dafür habe sie gelernt, Gedichte in vier Sprachen zu analysieren. Mit ihrem Tweet hat die junge Frau dieser Tage eine kleine Bildungsdebatte losgetreten, über die viele Medien ausführlich berichteten (zum Beispiel Zeit online). Ich will hier nichts gegen die Fähigkeit sagen, auch schwierige Texte analysieren zu können. Das ist eine wichtige, nicht zu unterschätzende Kenntnis. Ebenfalls sehr wahrscheinlich ist aber auch, dass die Unterrichtsmaterialien, die der GDV seit Jahren den Schulen zur Verfügung stellt, nicht die Wirkung entfalten, die wir uns gewünscht haben.

Umso mehr hat mich Willi Weitzel auf die Spur gebracht, der Mann, der für die schon legendäre Erklärsendung „Willi will‘s wissen“ steht. In einem Interview mit einem großen Kundenmagazin sagt Weitzel jetzt auf die Frage, ob er in seinen Jahren als Kinderreporter schon einmal gescheitert sei: „Ja, wir hatten den Auftrag, einen interessanten, 25 Minuten langen Film zum Thema Versicherungen zu produzieren. Wir haben es nicht so hinbekommen, dass wir zufrieden waren. Dieses Thema ist so abstrakt und eignet sich nicht als Reportageformat.“

Da haben wir es wieder: Versicherung, uninteressant und abstrakt. Stimmt, könnte man sagen. Man könnte es aber auch als Vorurteil entlarven und Versicherung einfach erklären. Mit einer möglichst klaren Sprache und möglichst guten Geschichten. Wir beim GDV versuchen, uns dazu etwas einfallen zu lassen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Dreh hinbekommen. Wir werden deshalb mit Willi Weitzel Kontakt aufnehmen.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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