Kolumne
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Warum Lili­ent­hals Erben eine Ver­si­che­rung brau­chen

Drohnen sind faszinierend: Sie schießen atemberaubende Bilder aus der Luft und können in Zukunft auch uns Versicherern bei Schadeneinschätzungen helfen. Doch von den unbemannten Flugobjekten können auch Gefahren ausgehen. Dass jede Drohne deshalb auch versichert werden muss, ist kaum bekannt.

Vor wenigen Tagen hat sich der Todestag Otto Lilienthals zum 120. Mal gejährt. Lilienthal gilt zu Recht als einer der größten Pioniere der Luftfahrt. Seine Gleiter inspirierten die Gebrüder Wright, von denen das heimische North Carolina immer noch auf jedem Nummernschild behauptet, sie seien „First in Flight“, die ersten in der Luft, gewesen. Doch vor allem standen Lilienthal und sein Flügelschlagapparat, den er vom Fliegeberg – extra für seine Flugversuche in Berlin-Lichterfelde aufgeschüttet – startete. Um seinen Pioniergeist zu ehren, wird am Sonntag in Berlin-Karlshorst, weniger als 20 Kilometer Luftlinie vom Fliegeberg entfernt, der Lilienthal-Preis verliehen. Den Preis bekommt der Pilot, der seine Drohne als schnellster 30 Mal um die Trabrennbahn fliegen lässt, genau 42,195 Kilometer. Dron-A-Thon statt Marathon.

Die Leistungen, die Drohnen vollbringen können, werden immer spektakulärer. Dass solch ein Marathon kaum ein Problem darstellt, zeigt schon, welches Potenzial in den unbemannten Fluggeräten schlummert. Amazon experimentiert mit Drohnen-Paketlieferungen, Hilfsorganisationen könnten zukünftig Drohnen einsetzen, um humanitäre Hilfe in Krisengebieten zu leisten. Und einige Versicherer nutzen bereits heute Drohnen, um erste Schadenschätzungen nach Naturkatastrophen zu beschleunigen und Hilfe zu organisieren.

Wenigen ist die Gefahr bewusst

Dass auch Hobbypiloten ihren Spaß mit Drohnen haben, zeigt sich an faszinierenden Aufnahmen, die ein ganz neues Fotografie-Genre geschaffen haben. Und immer häufiger sieht man in den Nachbargärten einen Quadcopter aufsteigen. Was früher die Modelleisenbahn war, scheint heute die Drohne zu sein. Doch anders als Lilienthal ist seinen Erben die Gefahr, die von solchen Fluggeräten ausgehen kann, selten bewusst. Es häufen sich schwere Zwischenfälle, bei denen Drohnen beinahe oder tatsächlich mit Passagierflugzeugen zusammengestoßen sind. Doch es steht zu befürchten, dass es früher oder später zu einem Drohnen-GAU kommen könnte. Pioniergeist schön und gut, aber Drohnenflieger sollten sich im Klaren sein, welche Regeln für den Aufstieg einer Drohne gelten.

Schäden können schnell in die Zehntausende gehen

Auch in der Nachbarschaft können Drohnen durchaus teure Schäden hervorrufen. Das fängt dabei an, dass die Drohne mangels Batterieleistung auf den neuen Geländewagen oder die Solaranlage stürzt. Und gerade wenn eine Drohne zum Beispiel einen Radfahrer zum Sturz bringt, könnten die Kosten für den Krankenhausaufenthalt und entgangene Lohnzahlungen schnell in die Zehntausende gehen. In Deutschland muss jeder Drohnen-Besitzer zwingend eine Luftfahrthaftpflichtversicherung abschließen. Leider ist das immer noch nicht jedem bekannt. Auch die Hersteller und Verkäufer von Drohnen weisen Drohnenkäufer nicht auf die nötige Versicherung hin. Das müssen sie nicht – helfen könnte es trotzdem, um Verbraucher auf die möglichen Risiken hinzuweisen, die das Abheben einer Drohe mit sich bringt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, wir als Versicherer wollen hier nicht die Spielverderber sein. Wir setzen uns sogar dafür ein, dass die Pflicht für eine Luftfahrthaftpflichtversicherung etwas gelockert wird. Wir sind der Meinung, dass Drohnen, die nicht mehr als 250 Gramm Abfluggewicht auf die Waage bringen, hier ausgenommen sein sollten. Das hätte den Charme, dass dadurch diese Drohnen automatisch in der privaten Haftpflichtversicherung eingeschlossen wären. Ginge es nach uns, könnten zumindest Lilienthals kleine Erben beruhigt mit ihrer neuesten Errungenschaft spielen – Versicherung quasi inklusive.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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