Kolumne
Kolumne Zukunft erle­ben

Warum das Goo­gle-Auto auch ein Fall für Ver­si­che­rer ist

Ob selbstfahrende Autos, Häuser aus dem 3D-Drucker oder Operationen mit Nano-Robotern: Viele von uns haben die besten Chancen, diese Zukunft zu erleben – und sie gestalten zu können.

Vor ein paar Tagen fiel mir ein Artikel mit der Überschrift „Die Angst der Autobauer vor dem Google-Ei“ auf, in dem die Perspektiven der deutschen Paradebranche analysiert werden. Google betreibt derzeit immerhin fast zwei Dutzend, zum Teil ausgesprochen knubbelige, Wagen in einer Versuchsflotte. Der Text macht die Sorgen der deutschen Hersteller deutlich, unterstreicht aber auch ihre Angriffslust, in diesem Marktsegment mitzuspielen. Dabei geht nicht immer alles glatt, wenn ein Markt umgewälzt wird. Erst kürzlich stieß etwa ein selbstfahrendes Google-Auto, in diesem Fall ein Geländewagen, mit einem Bus zusammen. Und spätestens da kommen wir Versicherer ins Spiel.

Wir werden hochautomatisierte Fahrzeuge versichern

Wenn solche Fahrzeuge in absehbarer Zukunft marktreif sind, werden wir diese hochautomatisierten Autos versichern. Unser Anspruch ist es, Verkehrsopfer dann genauso gut zu schützen wie heute – und zwar unabhängig davon, ob ein Schaden auf einen Fahrfehler, defekte Technik oder andere Ursachen zurückzuführen ist. Das grundlegende Geschäftsmodell der Autoversicherer ändert sich durch das hochautomatisierte Fahren nicht.

Nichtsdestotrotz verfolgen wir solche Entwicklungen genau und stellen uns frühzeitig darauf ein: Denn ob das Fahren durch diese Technik am Ende wirklich sicherer wird, oder ob sich neue, bis heute gar nicht zu erahnende Risiken einstellen, kann noch niemand wirklich beantworten. Doch die Chance zu einem deutlichen Mehr an Sicherheit ist da, sie zu realisieren ist jede Anstrengung wert. Und das bringt mich zum nächsten Punkt: Die Digitalisierung fordert uns Versicherer genauso heraus wie die Autobranche, längst nicht nur bei Kfz-Policen. Daran ändert rein gar nichts, dass ausgerechnet Google gerade ein Vergleichsportal für Versicherungen in den USA und Großbritannien abgeschaltet hat.

Da prallen zuweilen Welten aufeinander

Die Fintechs kommen so oder so – ob sie nun Google heißen oder einen anderen Namen tragen. Sie entwickeln – als Partner oder Wettbewerber – unser Geschäftsmodell fort. Je besser sich unsere Branche auf die digitale Welt einstellt, umso intensiver spornt das digitale Know-how unsere Kreativität an. Viele Versicherer kooperieren bereits mit Fintechs, unterhalten eigene Labs und stellen interessanten Gründern Risikokapital zur Verfügung. Gewiss: Da prallen zuweilen Welten aufeinander. Hier eine bis zur Halskrause hoch regulierte Branche, die sich zu allem Überfluss gerade auch noch gegen eine neue europäische Produktkontrolle zur Wehr setzen muss. Und dort eine neue Generation Gründer, die mit allen Chancen der digitalen Kommunikation ganz konsequent vom Kunden und seinen Bedürfnissen aus denkt. Sicher: Das wird zu Friktionen führen und auch die Frage aufwerfen, ob denn die neue Kundengeneration einen Grad an Regulierung akzeptiert, der Kreativität auch lähmen kann, obwohl er die Kunden schützen soll. Derartige Konflikte sind gut. Sie helfen, eine Branche weiterzuentwickeln und damit zukunftssicher zu machen. Fest steht: Mit Blick auf die Zukunft wird unsere Branche agiler, rekrutiert junge und kreative Köpfe und traut sich mehr.

Zukunft erleben und gestalten

Einen Blick in die Zukunft können Sie auch in der neuen Ausgabe unseres Verbandsmagazins „Positionen“ werfen. Wir sind der Frage nachgegangen, was die Digitalisierung in rund 30 Jahren alles möglich machen könnte. Dabei stößt man auf erstaunliche Antworten, die weit über das autonome Autofahren hinausgehen – von Nano-Robotern über 3D-Drucker bis zu Exoskeletten. Das Stück ist Teil einer Serie, die wir im Rahmen unserer Initiative „Du lebst sieben Jahre länger, als du denkst“ gestartet haben. Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Menschen immer älter werden und länger fit bleiben.

Viele von uns haben deshalb die besten Chancen, diese Zukunft zu erleben – und sie gestalten zu können.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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