Kolumne
Digi­ta­ler Wan­del

Warum 60 Jahre Pio­nier­ar­beit nicht aus­rei­chen

In Sachen elektronischer Datenverarbeitung waren Versicherer stets früh dabei. Wenn wir heute aber von der digitalen Revolution sprechen, hat das weit mehr damit zu tun, als nur in Sachen Technik up to date zu bleiben.

Was fällt Ihnen zum Jahr 1954 ein? Die meisten denken wohl an den ersten deutschen Sieg bei einer Fußball-WM. Dass 1954 aber auch das Jahr war, in dem ein US-Versicherer erstmals einen Computer einsetzte – Jahrzehnte bevor er zur Grundausstattung jedes Haushalts gehörte – dürfte dagegen kaum bekannt sein.

Warum ich das erwähne? Weil es unterstreicht, wie Versicherer seit jeher mit die ersten sind, die neue Technologien einsetzen – ganz gleich ob es um die elektrische Schreibmaschine ging oder Verfahren zur Verarbeitung von Daten mittels Lochkarten.

Veränderungsdruck ist groß wie nie

Die digitale Transformation geht allerdings weit darüber hinaus: Die leistungsfähigsten Rechenzentren zu betreiben oder die beste Homepage zu bauen, reicht längst nicht aus. Sie ist keine rein technische, sondern eine durch neue Technik ermöglichte gesellschaftliche Revolution. Der Veränderungsdruck ist auch in der Versicherungswirtschaft groß wie nie – und das liegt auch an der neuen Macht der Verbraucher. Das Internet liefert quasi jede erdenkliche Information und so hat sich die Informationsasymmetrie dramatisch zugunsten der Konsumenten verschoben.

Verbraucher erhalten mithilfe von Internet-Vergleichsrechnern heutzutage schnell einen Preisüberblick. Sie können Angebote einfach online bewerten und werden so zu wichtigen öffentlichen Meinungsmachern. Zum Teil können sie sich sogar schon selbst zu einem Risikokollektiv zusammenschließen. Das bedeutet in Summe: Mehr Transparenz, mehr Vergleichbarkeit und vor allem mehr Wettbewerb.

Versicherer müssen sich neu beweisen

Die Versicherer müssen sich unter den veränderten Rahmenbedingungen neu beweisen. Nur jene Unternehmen werden in der digitalen Welt erfolgreich sein, die ihr Angebot am besten den Kundenbedürfnissen anpassen. Nicht derjenige, der als erster Big Data einsetzt oder die beste IT hat, wird im Wettbewerb die Nase vorn haben, sondern derjenige, der den Kunden der digitalen Gesellschaft am besten versteht.

Wenn von Risiken der Digitalisierung die Rede ist, wird mir gleichwohl nicht angst und bange. Denn jeder Anleger weiß: Nur wo Risiken sind, verbergen sich auch Chancen.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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