Kolumne
Kolumne Cyber­se­cu­rity

Von Risi­ken, die die Grenze über­schrei­ten

Eine reine Handymesse ist der Mobile World Congress in Barcelona längst nicht mehr. Das Internet of Things kommt mit Macht – und mit jedem Netzknoten steigt die Gefahr von Cyberkriminalität. Für uns Versicherer drängt sich eine Parallele zum Klimaschutz auf – nationales Handeln allein wird dem Problem auf Dauer nicht gerecht.

Der Klimawandel mit all seinen Folgen ist ein globales Problem. Es macht keinen Unterschied, ob Treibhausgase in China, Australien, dem amerikanischen Kontinent oder direkt vor unserer Haustür ausgestoßen werden – all diese Emissionen befördern die Erwärmung und die Gefahren der Folgen von Naturkatastrophen.

Quasi derselbe Satz gilt auch für ein anderes drängendes Problem, das unsere Branche fordert:

Cyberkriminalität mit all seinen Folgen ist ein globales Problem. Es macht keinen Unterschied, ob Hacker in China, Australien, dem amerikanischen Kontinent oder direkt vor unserer Haustür sitzen  – die dynamisch zunehmende Vernetzung befördert die Gefahr und die möglichen Folgen von Cyberangriffen.

Die Grenzen zwischen Mobilfunk und Festnetz verschwimmen weiter

Klimawandel und Cyberkriminalität: Beides sind globale Probleme, die nicht an der Landesgrenze halt machen. Was im ersten Fall – naturbedingt  - auf der Hand liegt, ist im zweiten Fall technologiegetrieben. Das kann man in dieser Woche wieder gut in Barcelona beobachten. Der Mobile World Congress ist längst keine reine Handymesse mehr. Er zeigt sinnbildliche, welche Blüten das Internet of Things treibt: die Vernetzung alles mehr oder weniger Sinnvollem mit dem World Wide Web: Hausgeräte, Autos, Maschinen, die virtuelle Realität. In Barcelona treffen sich auch die Netzbetreiber, Ausrüster und Entwickler. Ein dominierendes Thema ist die nächste Netzgeneration 5G, mit der die Grenzen zwischen Mobilfunk und Festnetz weiter verschwimmen werden.

Die Datenautobahn wird immer breiter, immer schneller und vor allem internationaler: Die Möglichkeiten für ihren konstruktiven Einsatz - wie für ihren Missbrauch – werden wachsen und wachsen. Wir müssen Cyberrisiken deshalb ernst nehmen und entsprechend handeln. Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis über einen Grad an IT-Sicherheit, der zuverlässig schützt, aber wirtschaftlich sinnvoll bleibt und die Chancen der Digitalisierung nicht abwürgt. Und wir brauchen natürlich Versicherungen, die verbleibende Risiken decken und im Ernstfall nicht nur mit Geld, sondern auch mit Know-How zur Seite stehen.

Wir brauchen perspektivisch auch internationale Antworten

Die unverbindlichen Musterbedingungen des GDV für die Cyberversicherung sollen Versicherern die Entwicklung eigener Angebote erleichtern. Für Unternehmen und Makler sind sie gleichzeitig ein Vergleichsmaßstab, um Versicherungsangebote zu bewerten. Wie wichtig eine solche Standardisierung dieses hochkomplexen Themas ist, wurde in der vergangenen Woche auch auf einer internationalen Veranstaltung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris deutlich. Zwei Tage diskutierte unsere Branche gemeinsam mit Maklern, Kunden und politischen Entscheidern zum Thema „Unleashing the Potential of the Cyber Insurance Market“. Tenor: Cyberkriminalität ist ein internationales, vernetztes Problem.

Wir brauchen daher perspektivisch auch internationale Antworten: Es gibt noch zu wenig belastbare Zahlen, die uns helfen, das Risiko genauer abzuschätzen. Wir müssen uns austauschen über neue Angriffsszenarien. Wir brauchen internationale Standards für IT-Sicherheit und entsprechend einheitliche Vorgaben, die es unmöglich machen, Schwachstellen und Schlupflöcher in einzelnen Ländern auszunutzen.

Kurzum: Das Thema muss stärker auf die internationale Agenda – ebenso wie der Klimaschutz. Und dabei müssen wir perspektivisch genauso dynamisch und global agieren, wie es die Digitalisierung und die mit ihr einhergehende Vernetzung erfordern.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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