Kolumne
Alters­vor­sorge

Vom lang­fris­ti­gen Nut­zen des Ver­zichts

Sparen bleibt trotz der erschwerten Bedingungen sinnvoll – für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Diese Überzeugung darf nicht verloren gehen.

In dieser Woche jährt sich wieder der Weltspartag, der erstmals 1925 stattfand. Ursprünglich sollte damit der Spargedanke gefördert werden. Die Menschen sollten lernen, dass es sich lohnt zu sparen, sei es für größere Anschaffungen oder die eigene Altersvorsorge. Gerade in Deutschland war das Vertrauen der Menschen in den Wert des Geldes nach den Jahren der Hyperinflation schwer erschüttert.

Von einem solchen Szenario sind wir heute weit entfernt. Dennoch wird der Sinn des Sparens zunehmend angezweifelt. Angesichts der Niedrigzinsen stellen sich immer mehr Menschen die Frage: Wozu noch? Bringt doch eh nichts! Die Zweifler durften sich erst in der Vorwoche bestätigt fühlen: Da nämlich stellte EZB-Präsident Mario Draghi eine erneute Lockerung der Geldpolitik in Aussicht. Zu den bereits avisierten 1,1 Billionen Euro, mit der die Zentralbank bis September 2016 Wertpapiere aufkauft, kommen möglicherweise weitere Milliarden hinzu. Damit würde das Niedrigzinsniveau weiter zementiert.

Sichere Anlagen werfen immer weniger Erträge ab

Für Sparer ist diese Situation deprimierend. Sichere Kapitalanlagen, die den Großteil ihres Geldvermögens ausmachen, werfen immer weniger Erträge ab. Ihnen bleiben nur zwei Alternativen: Entweder sie legen mehr beiseite, um das angestrebte Vorsorgeniveau zu erreichen. Oder sie gehen höhere Risiken ein, um den Renditeverfall auszugleichen.

Wenn ich allerdings den aktuellen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank lese, wird weder das eine noch das andere passieren. Darin befassen sich die Notenbanker ausführlich mit dem Sparverhalten privater Haushalte. Ihr Fazit: Die niedrigen Zinsen haben so gut wie keinen Einfluss auf das Sparverhalten. Weder würden die Deutschen mehr beiseitelegen noch gingen sie nennenswert höhere Risiken ein. Am ehesten noch sparen sie weniger oder gar nicht mehr.

Niedrigzins reißt Versorgungslücken auf

Die Analyse der Bundesbank lässt aus meiner Sicht nur einen beunruhigenden Schluss zu: Bleibt uns das Niedrigzinsniveau länger erhalten, werden die Rücklagen von Millionen Sparern niedriger ausfallen als erwartet. Und damit tun sich im Alter bei vielen erhebliche Versorgungslücken auf. Zur Erinnerung: Das Niveau der gesetzlichen Rente wird bis 2030 planmäßig sinken – völlig unabhängig von den Niedrigzinsen.

Resignieren wäre jedoch falsch. Nicht zu sparen ist keine Alternative. Aus meiner Sicht sollten Sparer wenigstens die staatliche Förderung voll ausschöpfen. Gerade bei niedrigen Zinsen wirken sich die Zulagen umso stärker aus. Zugleich sehe ich die Politik in der Verantwortung, die Rahmenbedingungen für die private Altersvorsorge zu verbessern. Sie könnte die Riester-Fördergrenzen anheben, die seit Jahren trotz Einkommenswachstum nominal unverändert geblieben sind. Und sie kann dafür sorgen, dass die Leistungen im Alter nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerecht werden.

Den Staat kann die Niedrigzinsphase nicht kalt lassen. Am Ende bekommt auch er die Folgen zu spüren – in Form von größerer Altersarmut. Der Weltspartag sollte uns alle an den langfristen Nutzen des Verzichtens erinnern. Sparen bleibt trotz der erschwerten Bedingungen sinnvoll, für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Diese Überzeugung darf nicht verloren gehen. Es wäre der größte Kollateralschaden der Niedrigzinspolitik.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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