Kolumne
Kolumne Stu­dien

Vom Geschäft mit der Ver­un­si­che­rung

Richtig eingesetzt sind Markt- und Meinungsforschung sowie Demoskopie unverzichtbare und legitime Mittel für Politiker, Unternehmer und Interessenvertreter. Eine Studie kann entscheidend sein, um sich im Kampf um das überzeugendste Argumente in der Öffentlichkeit durchzusetzen, wenn sie gut aufgesetzt und transparent vermarktet ist. Alles andere ist kurzfristig gedacht und damit kontraproduktiv – für den Empfänger sowie den Absender der Botschaft.

Die Replik erfolgte über die sozialen Medien. „Sauber geht anders, liebe @BILD“, twitterte unser Verband am Montag um 13:58 Uhr. „Auftraggeber von #Lebensversicherungs-Umfrage ist Rückabwickler mit eigenen Geschäftsinteressen.“

Deutschlands größte Tageszeitung fand für diese Information auf Seite 2 keinen Platz mehr – kein Wunder: Allein die Überschrift „Massiver Vertrauensverlust in Lebensversicherungen“ läuft über fünf Zeilen. Abgesehen davon, dass diese Überschrift gnadenlos übertreibt: Mit einer Information zum Auftraggeber, der ausschließlich davon lebt, dass Kunden ihre Altersvorsorgeverträge rückabwickeln, wäre klar gewesen, dass es hier nicht um eine objektive Information geht.

Die Motive einer Debatte, der Auftraggeber einer Studie sollten klar erkennbar sein

Was ist dann von so einer schnellen Schlagzeile, solch einer Studie zu halten? Ich nenne es das Geschäft mit der Verunsicherung mit dem Ziel, Menschen ihre Vorsorgeverträge abzuschwatzen. Dazu kommen Zweifel auch am Design der Erhebung, wie Sie hier nachlesen können. Und damit wir uns recht verstehen: Natürlich können und müssen wir heute über die Lage der deutschen Lebensversicherung diskutieren, die im vergangenen Jahr trotz widriger Umstände übrigens nur einen minimalen Beitragsrückgang von 0,1 Prozent auf 90,7 Milliarden Euro verzeichnet hat: Niedrigzins, Bestandsübertragung, neue Produkte, Höhe der Abschlusskosten. Die Motive einer Debatte, der Auftraggeber einer Studie und ihre Methodik  sollten dann aber klar erkennbar sein – und entsprechend redaktionell bewertet und eingeordnet werden. Sonst droht Panik- und Stimmungsmache auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger.

Richtig eingesetzt sind Marktforschung, Meinungsforschung, Demoskopie mächtige, unverzichtbare und legitime Mittel für Politiker, Unternehmer und Interessenvertreter, wie auch unseren Verband. Eine Studie kann entscheidend sein, um sich im Kampf um das überzeugendste Argumente in der Öffentlichkeit durchzusetzen, wenn sie gut aufgesetzt und transparent vermarktet ist. Alles andere ist kurzfristig gedacht und damit kontraproduktiv – vor allem für den Empfänger, in der Regel auch für den Absender, der so kaum Reputation aufbauen wird, und erst recht für den Marktforscher selber. Der Spiegel hat unlängst Recherchen veröffentlicht, die in dieser Hinsicht aufhorchen lassen.


Valide Informationen statt schnelles PR-Strohfeuer durch Zahlenkosmetik

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, heißt es. Ein Verband kann auf diese Weise nicht erfolgreich sein, denn am Ende geht es neben Studien und Umfragen schlicht und ergreifend auch um unsere eigene Statistik – und damit die der gesamten Versicherungsbranche. Hier zählen verlässliche und valide Informationen – und nicht das schnelle PR-Strohfeuer durch Zahlenkosmetik.

Und natürlich nutzen auch wir Studien: Bereits fünf Mal hat der GDV etwa das Institut für Demoskopie Allensbach  beauftragt, die „Generation Mitte“ repräsentativ zu ihrer Einschätzung über gesellschaftlich relevante Themen zu befragen. Im vergangenen Jahr standen Deutschlands Stärken und Schwächen, die Altersvorsorge und das Berufsleben im Mittelpunkt.

Alle Ergebnisse können Sie hier abrufen – machen Sie sich bitte Ihr eigenes Bild.

Ihr


Jörg von Fürstenwerth

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