Kolumne
Kolumne Stand­ort-Wett­be­werb

Vom deut­schen Sili­con Val­ley der Finanz­bran­che

Die Versicherungswirtschaft wandelt sich rasant – begleitet und befördert auch durch Fin- und Insurtechs. Die Folge ist ein Wettbewerb deutscher Standorte um Gründer und Ideen der Startup-Szene. Gut so – denn Versicherer sind mehr denn je gefordert, das Beste aus den Chancen zwischen der 1 und 0 herauszuholen.

Mehrere Städte Deutschlands bringen sich in Stellung: München und Köln werben um Insurtechs, Frankfurt vor allem um Fintechs, welche das Bankgeschäft umkrempeln wollen. Und da ist Berlin: Die Hauptstadt hat zwar in Sachen Finanzbranche weniger in die Waagschale zu werfen, dafür aber ist sie unangefochtenes Zentrum für digitale Start-ups in Deutschland. Egal wo wir uns befinden – überall ist die Rede von einem deutschen Silicon Valley der Finanzbranche.

Europäische Fintech-Strategie unter Wahrung gleicher Wettbewerbsbedingungen

Gut so – denn Versicherer sind mehr denn je gefordert, das Beste aus den Chancen zwischen der 1 und 0 herauszuholen. Wenn etablierte Versicherer es nicht tun, tun es neue und agile Wettbewerber. Sogar die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer europäischen Strategie zur Förderung von Fintechs. Hier spielen Schlagwörter wie Big Data, künstliche Intelligenz oder Blockchain eine Rolle – und natürlich der Verbraucherschutz. An der öffentlichen Konsultation der EU-Kommission zu diesem Thema hat sich der GDV beteiligt und macht sich für eine europäische Fintech-Strategie unter Wahrung gleicher Wettbewerbsbedingungen stark.

Viele Fragen die dort im Kleinen diskutiert werden, betreffen unsere Branche auch im Ganzen: Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt verändern. Das heißt aber eben nicht, dass der Computer den Menschen unweigerlich ersetzt. Viele Berufe werden sich verändern – und die Beschäftigten werden sich diesem Wandel anpassen. Weiterbildung wird zentral für den Erfolg des einzelnen Arbeitnehmers wie auch für den Erfolg von Unternehmen. Die Versicherungswirtschaft befördert diesen Wandel – und ja: holt sich dafür auch neue Impulse von außen – durch Übernahmen, Inkubatoren, Beteiligungen und das Investieren von Venture Capital.

Die Voraussetzungen dafür, dass Versicherer den digitalen Kulturwandel schaffen, stehen gut. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Insurtechs etablierte Versicherer verdrängen. Im Gegenteil: Traditionelle Versicherer haben Stärken und Alleinstellungsmerkmale, die von neuen Wettbewerbern nur schwer nachgebildet werden können: Umfassenden Kenntnis der gesamten Wertschöpfungskette, die Erfahrung mit komplexen Regulierungsvorgaben und nicht zuletzt die Finanzkraft.

Berlin als Fintech-Hauptstadt Europas? Stimmen Sie ab!

Dennoch bleiben wir wachsam und beweglich: Gerade deshalb passiert gerade etwas– mit Unterstützung von Versicherern – in vielen Städten Deutschlands. Wir haben übrigens schon vor einiger Zeit im GDV-Magazin „Positionen“ gefragt: „Profitiert Berlin vom Brexit – und löst London als Fintech-Hauptstadt Europas ab?“ In einem Pro und Contra stehen sich Christopher Grätz, Gründer und Vorstand des Berliner Online-Kreditmarktplatzes Kapilendo, (Pro) sowie der Gründer der digitalen Vermögensverwalters Vaamo aus Frankfurt, Oliver Vins, (Contra) gegenüber.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth


Zur Startseite
Auch inter­essant