Kolumne
#data4dri­vers

Ver­hin­dern wir das Daten­mo­no­pol auf der Straße

Die Daten vernetzter Autos gehören nicht den Fahrzeugherstellern, sondern in die Hände der Fahrer. Trotzdem droht ein Datenmonopol der Autohersteller – weil klare gesetzliche Regeln bislang fehlen. Eine Datenschutz-Kampagne der europäischen Versicherer unterstreicht: Es wird Zeit, dass Bundesregierung und Europäische Union handeln.

Gut zwei Jahre nach dem Start des Unfallmeldedienstes müssen ab März europaweit alle neuen Automodelle mit einem automatischen Notrufsystem ausgestattet sein, dem eCall. Das ist gut: Retter kommen früher an die Unfallstelle, Verletzten wird schneller geholfen, mehr Unfallopfern als heute kann das Leben gerettet werden. Doch mit dem eCall passiert noch etwas anderes. Weil das System über eine Internetverbindung funktioniert, sind die Autos künftig automatisch vernetzt und ähneln damit rollenden Smartphones, die permanent Daten senden und empfangen können.

Wahlfreiheit für Verbraucher statt Datenmonopol für Autohersteller

Diese neuen Daten haben das Potenzial, Auto- und Mitfahrern mehr und bessere Dienstleistungen zu bescheren: Schnellere Pannenhilfe, der Weg zur günstigsten Tankstelle oder ein direktes Feedback zum Fahrstil sind nur einige der naheliegenden Ideen. Auch Versicherer können und wollen ihren Kunden im Auto neue Angebote machen. Der Fantasie und dem Unternehmergeist sind keine Grenzen gesetzt – zumindest dann nicht, wenn wir nicht künstlich Grenzen schaffen.

Damit solche Grenzen gar nicht erst entstehen, müssen wir so schnell wie möglich die Frage klären, wer über die neuen Daten aus vernetzten Autos eigentlich verfügen darf. Die Haltung der deutschen Kfz-Versicherer ist klar: Die Daten gehören nicht den Automobilherstellern, sondern in die Hände der Autofahrer. Sie müssen die maximale Kontrolle über die Daten haben und sollten frei entscheiden können, ob, wann und wem sie welche Daten senden oder von wem sie wann welche Dienstleistung erhalten möchten.

 Für eine klare geregelte Datensouveränität der Autofahrer setzen sich der GDV, aber auch der ADAC, das Kfz-Handwerk und der Verbraucherzentrale Bundesverband schon seit Jahren und auf allen Ebenen ein, zuletzt hat der europäische Dachverband Insurance Europe die Datenschutzkampagne #data4drivers gestartet, die jeder Autofahrer unterstützen sollte. Beteiligen Sie sich, denn damit die Autofahrer ihre Datensouveränität tatsächlich ausüben können, muss die Europäische Union jetzt handeln und ein Datenmonopol auf der Straße verhindern. Der Wettbewerbsvorteil der Autohersteller ist schon heute immens, fehlendes politisches Handeln macht ihre Marktposition jeden Tag noch stärker.

Mit einem alleinigen Zugang zu den Daten können die Autohersteller den gerade entstehenden Markt abschotten, andere Anbieter ausschließen und hohe Monopolgewinne einstreichen – zum Nachteil der Autofahrer, die ein beschränkteres Angebot zu einem höheren Preis bekommen. Übertragen auf die Smartphones wäre es so, als könnte der Besitzer auf ihnen nur die Apps derjenigen Firma nutzen, die das Smartphone gebaut hat. Eine absurde Vorstellung angesichts der über drei Millionen Apps, unter denen etwa Nutzer des Android-Betriebssystems auswählen können. Erst diese nützlichen Apps und die Kreativität ihrer Entwickler machen Smartphones wirklich smart – und würden aus einem vernetzten Auto ein echtes „smart car“ machen.

Wir brauchen eine herstellerunabhängige Plattform für vernetzte Autos

Ähnlich wie bei Smartphones müssen wir auch bei vernetzten Autos den Wettbewerb um die beste Idee, die beste Dienstleistung zulassen. Die ideale technische Lösung dafür ist eine herstellerunabhängige Plattform in den vernetzten Autos, die den Datenaustausch standardisiert, sicher macht und für alle Anbieter zugänglich ist. Dafür setzen sich die deutschen Kfz-Versicherer ein und haben aus berufenem Mund Unterstützung erhalten: Eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Studie kommt zum Ergebnis, dass die geforderte „On-board Application Platform“ tatsächlich die beste Lösung ist – weil sie den Autofahrern die Hoheit über ihre Daten zuweist, den Wettbewerb sicherstellt und eine marktbeherrschende Stellung der Autohersteller verhindert.

Der Gesetzgeber sollte deshalb zügig die richtigen Rahmenbedingungen für eine solche Plattform schaffen – denn beim Entstehen neuer Monopole tatenlos zuzuschauen, wäre alles andere als smart.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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