Kolumne
Digi­ta­li­sie­rung

Unsere Bran­che wird agi­ler wer­den

Warum die Digitalisierung Versicherer in besonderem Maße angeht.

Am Wochenende hat sich die Bundeskanzlerin zu den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung geäußert. Angela Merkel hat eindringlich darauf hingewiesen, dass der Wohlstand Deutschlands davon abhängt, dass wir Anschluss an die große Konkurrenz im Ausland halten. „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, lautet ihr Resümee.

Chance auf neue Produkte sowie neue Geschäfts- und Vertriebsmodelle

Ich kann der Bundeskanzlerin nur zustimmen: Ganz Deutschland muss sich der Digitalisierung stellen. Das gilt für Arbeitnehmer, wie für Arbeitgeber, für Kunden und Unternehmen und für alle Branchen. Das gilt für uns Versicherer sogar in besonderem Maße: Erstens, weil unser Geschäftsmodell seit jeher auf dem Sammeln, Aufbereiten und Auswerten von Daten beruht. Richtig genutzt kann die Digitalisierung dies kolossal erleichtern – und sie beschert uns und natürlich unseren Kunden die Chance auf neue Produkte sowie neue Geschäfts- und Vertriebsmodelle. Zweitens, weil es kaum einen Lebensbereich gibt, in dem Versicherungen keine Rolle spielen. Gesellschaftliche Megatrends betreffen daher immer auch den Gegenstand unseres Geschäftsmodells.

Nehmen Sie die Internationale Automobil-Ausstellung, die morgen in Frankfurt startet. Viel wird derzeit über neue Telematik-Tarife diskutiert. Versicherer wollen Daten über das Fahrverhalten nutzen, um Ihren Kunden ein neues, attraktives Angebot zu machen. Auch selbstfahrende Autos wären ohne die Digitalisierung undenkbar. Ich wage keine Prognose, ob und wann diese Technik serienreif sein wird. Ich kann Ihnen aber sagen, dass sich unsere Branche schon heute intensiv mit den daraus folgenden Fragen beschäftigt. So setzen wir uns für verbindliche Prüf- und Testverfahren für automatisierte Fahrzeuge ein. Wir machen uns stark für europaweite Standards für die vorzuhaltenden Daten und Datenformate, die zum autonomen Fahren nötig sind. Vor allem aber sagen wir schon heute klar und deutlich: Sollte sich das hochautomatisierte Fahren durchsetzen, werden Verkehrsopfer auch in Zukunft durch die Kfz-Haftpflichtversicherung umfassend geschützt sein.

Müssen sich Versicherer neu erfinden?

Natürlich gehen die Folgen der Digitalisierung weit über das Geschäft mit Kfz-Policen hinaus. Müssen wir Versicherer uns angesichts dieser Entwicklung neu erfinden? Diese Frage diskutieren wir intensiv, unter anderem auch öffentlich auf unserem Branchentreffen, dem GDV-Versicherungstag am 25. November in Berlin. Fest steht: Unsere Branche wird agiler werden, dafür stetig junge und kreative Köpfe rekrutieren und sich zunehmend mehr trauen. Ich bin gespannt, welche Dynamik diese Entwicklung in der nächsten Zeit annehmen wird. Im vergangenen Jahr stiegen übrigens die IT-Ausgaben der Versicherer um durchschnittlich fast sechs Prozent auf 4,25 Milliarden Euro.

Dabei verschafft die Digitalisierung längst nicht nur Chancen, sie steht auch für neue Risiken, wie etwa Cyberkriminalität. Die Fintechs kommen, Konkurrenten also, die die Digitalisierung nutzen, um sich auf attraktive Bereiche des Versicherungsmarktes zu stürzen. Die Schnelligkeit, Kreativität und das digitale Know-how dieser neuen Wettbewerber unterschätzen wir nicht. Vielmehr liefern diese neuen Ideen und Geschäftsmodelle einen Ansporn, uns noch besser und zügiger auf die Digitalisierung einzustellen. Oftmals fördern Versicherer solche Firmen bereits und stellen jungen Unternehmern Risikokapital zur Verfügung. Am Ende entscheidet der Kunde mit seiner Nachfrage, welchen Weg unsere Branche einschlagen wird.

Die Bundeskanzlerin weist in ihrer Rede vom Wochenende darauf hin, dass die Bürger nicht zuerst die Risiken, sondern die Chancen der Digitalisierung sehen sollten. Auch hier stimme ich explizit zu und empfehle diese Sichtweise unserer Branche wie auch unseren Kunden gleichermaßen.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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