Kolumne
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Und ewig grüßt die Ries­ter-Kri­tik

Einmal mehr hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sich in einer Studie negativ zur Riester-Rente positioniert. Das letzte Mal, vor knapp vier Jahren, hatte es damit schon einmal ein bemerkenswert kritisches Medienecho ausgelöst, das das Neugeschäft damals fast zum Erliegen brachte. Seitdem nimmt die Verbreitung an Verträgen nur noch unwesentlich zu. Dass die damalige Studie auf verqueren Vergleichen beruhte und in der Fachöffentlichkeit auf große Kritik stieß, drang leider kaum durch.

Nun eine neue Schlagzeile: Riester nützt nur den Reichen! Die Summe der Zulagen kommt angeblich zu 38 Prozent dem oberen Fünftel der Einkommensbezieher zu Gute. Mal abgesehen von der Frage, ob jeder dieser Gruppe wirklich reich ist – der Bereich fängt schon bei unter 38.000 Euro Haushalts-Nettoeinkommen an – ist die Schlagzeile auch in der Substanz falsch.

25 Prozent der Zulagen gehen an Menschen, die unter 10.000 Euro verdienen

Die Autoren des DIW analysieren gar nicht die Verteilung der Zulagen. Dann hätten sie festgestellt, dass 65 Prozent der Zulagen an Menschen mit einem Jahresbruttoeinkommen bis 30.000 Euro ausgezahlt werden. 25 Prozent der Zulagen gehen sogar an Menschen, die unter 10.000 Euro verdienen.

Wieso dann also diese Schlagzeile? Die Studie analysiert eben nicht allein die Verteilungswirkung der riesterspezifischen Zulagen, sondern sie betrachtet auch die steuerliche Abziehbarkeit der Beiträge. Man braucht keine wissenschaftliche Analyse, um zu wissen, dass jemand der mehr Steuern zahlt, auch mehr Steuern spart, wenn Aufwendungen absetzbar sind. Genau so ist das auch in der betrieblichen Altersversorgung. Das ist auch bei der gesetzlichen Rente so.

 

Nun bekommen die oberen 20 Prozent auch nicht nur 38 Prozent der Förderung inklusive der Steuervorteile, sondern sie stehen auch für etwa 40 Prozent der verfügbaren Einkommen. Wo ist dann der Skandal? Denn die Förderung entspricht ja gerade dem, was anhand der Einkommensverteilung auch zu erwarten wäre. Die Autoren stellen selber fest, dass die Förderung für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen einkommensproportional, also neutral verteilt ist.

Riester war nie dafür gedacht, vor allem Geringverdiener zu unterstützen

Genau hier fängt das Missverständnis an: Die Riester-Förderung war nie dafür gedacht, allein oder vor allem Geringverdiener bei der Altersvorsorge zu unterstützen. Vielmehr geht es darum, allen Menschen, die von einem sinkenden Rentenniveau betroffen sind, ein Angebot zu machen, wie sie die Lücken schließen können. Wer heute mehr verdient, hat auch im Alter größere Versorgungslücken.

Zuletzt fehlt in der Analyse der Autoren ein ganz zentraler Aspekt: die Rentenphase. Denn die steuerliche Abziehbarkeit der Riester-Beiträge ist nur eine Seite der Medaille. Dieser Teil der Riester-Förderung ist ja eigentlich nur gestundet. Im Alter sind die Rentenzahlungen zu versteuern. Und weil auch im Rentenalter höhere Einnahmen zu steigenden Steuersätzen führen, werden die Besserverdiener unter den Riester-Sparern einen Teil ihrer Förderung in Form höherer Steuerzahlungen zurückzahlen. Bei Beziehern geringer Einkommen fallen dagegen im Alter wegen der Grundfreibeträge gar keine oder nur niedrige Steuern an.

Da kommt mir noch ein weiterer Gedanke: Nehmen wir an, der Ansatz des DIW sei richtig, dass es bereits eine Förderung der Reichen ist, wenn jemand, der mehr einzahlt und mehr Steuern zahlt, auch relativ mehr von der steuerlichen Förderung profitiert. Was ist dann mit der gesetzlichen Rente? Ist es dann hier nicht auch so? Werden dort nicht auch vor allem Höherverdiener begünstigt? Denn die höchsten Renten bekommt ja auch dort, wer im Erwerbsleben am meisten verdient hat. So beziehen die 20 Prozent der Rentner mit den höchsten Renten auch etwa 35 Prozent aller Rentenleistungen.

Aber das wäre schon offenkundig absurd zu schreiben, dass die gesetzliche Rentenversicherung vor allem den Reichen nützt.

Warum sollte das dann aber für die Riester-Rente gelten?

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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