Kolumne
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Tele­ma­tik-Tarife im Test

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Autoversicherer eine neue Idee, eine App oder gleich einen neuen Tarif rund um das Thema Telematik vorstellen. Die Versicherungswirtschaft nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung – und orientiert sich dabei an den Wünschen ihrer Kunden.

Viele Autofahrer haben Lust auf die Chancen der zunehmenden Vernetzung. Sie wollen technische Innovationen. Die Telematik verspricht viel: sicherer Auto zu fahren, das Unfallrisiko zu minimieren und womöglich auch durch eine vorsichtige Fahrweise Geld zu sparen. Einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge sind rund ein Viertel der Autofahrer dafür bereit, Fahrdaten mit ihrem Kfz-Versicherer zu teilen.

Technische Innovationen variieren

Ebenso wie Digitalisierung und Big Data Kundenwünsche wecken, lösen sie bei Versicherern Dynamik aus. Die Nachrichten der letzten Wochen rund um Telematik-Lösungen machen deutlich: die Unternehmen unserer Branche sind schrittweise auf den Weg, die Chancen der Digitalisierung für die Kfz-Versicherung auszuloten. Die einen setzen auf Smartphone-Apps, die anderen auf Telematik-Boxen für den Motorraum oder auf Stecker für die 12-Volt-Buchse. Einige stellen einen automatischen Notruf in den Vordergrund, andere locken mit Rabatten für junge Fahrer. Wieder andere vergeben Punkte für vorausschauendes Fahren und ermuntern so zu einer sicheren Fahrweise.

Ich bin gespannt, welche technischen Lösungen und Angebote sich am Ende bei den Kunden durchsetzen – und ob die Telematik tatsächlich zu einer genaueren Kalkulation des Risikos führen wird. Schließlich ist das deutsche Tarifierungssystem schon heute sehr ausdifferenziert und damit viel näher am individuellen Risiko als in den meisten anderen europäischen Ländern.

Datentreuhänder statt Datenkrake

Fest steht: Für ihre neuen Lösungen werden die Versicherer mehr Daten nutzen als bisher. Nur wer den Standort eines Autos – zumindest im Zeitpunkt des Unfalls – kennt, kann schnelle Hilfe leisten. Nur wer weiß, wie schnell ein Autofahrer unterwegs ist, wie er bremst, beschleunigt und um die Kurven fährt, kann seine Fahrweise beurteilen, sein Risiko kalkulieren und Tipps für sicheres Fahren geben.

Mit bespitzeln hat das nichts zu tun. Anders als die meisten Internetriesen sind Versicherer weder Datenkraken noch Datenhöker, sondern Datentreuhänder. Wir haben uns als erste Branche in Deutschland mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung Verhaltensregeln für den Umgang mit personenbezogenen Daten auferlegt und mit der Trusted German Insurance Cloud die erste Lösung entwickelt, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie zertifiziert wurde.

Für den Autofahrer heißt das: Sendet er Fahrdaten an seine Versicherung, kann er auf den Schutz dieser Informationen vertrauen. Ob er seine Daten teilen möchte, kann jeder selbst entscheiden.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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