Kolumne
Kolumne Jah­res­pres­se­kon­fe­renz

Schnel­ler, bes­ser

Zahlen sind weit mehr als starre Teilchen einer Branche. Sie sind gleichsam das A und O unserer Unternehmen. Aber nicht nur das. Sie eigenen sich auch hervorragend dazu, Tempo zu erzeugen – wobei Geschwindigkeit in der digitalen Ära ein Wert an sich ist. Der GDV hat seine Jahrespressekonferenz bereits hinter sich, wir haben sie – im Sinne unserer Unternehmen, deren Berichtssaison bald beginnt – so früh veranstaltet wie noch nie. Spannend war die Veranstaltung übrigens auch noch.

Ja, wir waren früh dran. Richtig früh. Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr haben wir in der Vergangenheit erst nach dem ersten Quartal des Folgejahrs präsentiert. Und diesmal? Bereits Ende Januar.

„Na und?“, wird manch einer vielleicht fragen. „Was bringt euch das, was hat die interessierte Öffentlichkeit davon?“ Solche Fragen mögen berechtigt sein – dem Kunden scheint es auf den ersten Blick egal, ob er schon im Januar oder erst im April erfährt, wie gut sich die Versicherungswirtschaft geschlagen hat. Aber für uns ist der frühe Zeitpunkt enorm wichtig.

GDV-Präsident Alexander Erdland hat es auf der Jahrespressekonferenz deutlich gesagt: Die Branche verändert sich durch die Digitalisierung grundlegend. Die Unternehmen nutzen die Chancen und sehen die Herausforderungen. Mit einer Vielzahl neuer Produkte, mit dem Blick vom Kunden her. Sie gestalten den Wandel, und die Dynamik hat sich 2016 spürbar erhöht.

Als Verband, der die Versicherungswirtschaft repräsentiert, vollziehen wir diesen Wandel mit und wollen ihn mit gestalten. Digitalisierung bedeutet für uns, noch bessere Arbeit in noch kürzerer Zeit zu leisten. Eines der erfreulichen Ergebnisse – sie ahnen es schon – ist der 26. Januar gewesen mit der frühen Vorlage der Branchenzahlen .

Zeit ist ein Baustein, das Gespür für die richtigen Themen ein anderer

„Na und?“, wird manch einer vielleicht immer noch fragen. „Was bringt es mir, wenn ich ein paar Wochen früher als sonst weiß, wie es um Lebens- oder Schadenversicherer bestellt ist?“ In der Tat ist der richtige Umgang mit dem Faktor Zeit natürlich nur ein Baustein, der aus einer modernen eine gute Verbandskommunikation macht. Mindestens ebenso entscheidend sind Inhalte, das Gespür für die richtigen Themen.

Wo liegen beispielsweise die neuen Wachstumsmärkte? Es hat gedauert, aber inzwischen haben auch Unternehmen hierzulande Cyberattacken als größtes Risiko für ihre Geschäftstätigkeit ausgemacht. Während Konzerne längst sensibilisiert sind und ihren Schutz verstärken, setzt sich in der mittelständischen Wirtschaft erst nach und nach die Erkenntnis durch, dass auch sie in den Fokus der Online-Kriminellen gerückt ist. Die Versicherungswirtschaft sieht sich hier nicht nur als Dienstleister, sondern als Partner und Ratgeber der Unternehmen. Der GDV hat ein Konzept für eine Cyberversicherung entwickelt, das wir auf unserer Cyber-Security-Konferenz Ende März in Berlin vorstellen.

Wir sehen in diesem Segment großes Wachstumspotenzial. Derzeit dürfte das Prämienvolumen in Deutschland bei etwa 50 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: In den USA liegt es bei umgerechnet etwa zwei Milliarden Euro.

Doch nicht nur im Schaden- und Unfallbereich gibt es vielversprechende Entwicklungen. Bereits vor Jahren haben die Lebensversicherer erkannt, dass die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank eine neue Generation von Policen erfordert, damit wir den Menschen auch künftig mit angemessenen Renditen zu einer verlässlichen Altersvorsorge verhelfen können. Inzwischen macht die so genannte Neue Klassik beinahe die Hälfte aller Neuabschlüsse aus. Ein schöner Erfolg, der zeigt: Die Branche hat verstanden, welche Angebote die Kunden wünschen. Gleichzeitig ist das ein Vertrauensbeweis in die Kompetenz der Unternehmen und Berater.

Bei allen Herausforderungen sind das nur zwei von vielen positiven Beispielen.

Und wie war das jetzt mit den Zahlen und dem Tempo? Das Ergebnis 2016 kann sich sehen lassen. Die Beitragseinnahmen unserer rund 450 Mitgliedsunternehmen haben sich insgesamt stabil entwickelt und legten nach vorläufigen Berechnungen um 0,2 Prozent auf 194,2 Milliarden Euro zu. Die Geschäftsentwicklung ist das Abbild einer Branche im Wandel.

Deshalb blicken wir mit Optimismus ins begonnene Jahr 2017 – ebenfalls früher als je zuvor. Über alle Sparten hinweg rechnet die Versicherungswirtschaft mit einem Beitragsplus von mindestens einem Prozent. Wir halten Kurs. Wachstumskurs. Diese frühe, vergleichsweise frohe Botschaft dürfte auch für unsere Kunden von hohem Interesse sein.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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