Kolumne
Kolumne

Reale und schein­bare Risi­ken

Dieser Freitag fällt auf einen 13. Bei einigen Menschen gilt dieser Tag ja als Unglückstag, an dem besonders viele Katastrophen passieren. Doch allen Abergläubigen sei versichert: Statistisch lässt sich keine Zunahme von Unfällen feststellen. Der Freitag der 13. birgt somit nur ein scheinbar höheres Risiko.

Das bringt mich auf die aktuelle Situation auf dem Kapitalmarkt. Was sich dort inzwischen abspielt, hat aus meiner Sicht auch etwas mit verzerrter Risikowahrnehmung zu tun – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Was mit Blick auf die Renditen sicher scheint, ist tatsächlich viel gefährlicher. Investoren verlieren aber das Bewusstsein dafür, je stärker die Zinsen – und mit ihnen die Risikoaufschläge – schrumpfen. Dazu trägt die Europäische Zentralbank ihr Übriges bei, die mit dem angekündigten Ankaufprogramm im Umfang von mehr als 1 Billion Euro erheblich in den Markt eingreifen wird.

Der Zins als Risikomaß scheint inzwischen außer Kraft gesetzt – und damit verliert er auch seine Lenkungswirkung. Das ist in etwa so, als ob man an einer Straße alle Warnschilder abnehmen würde, und jeder auf gut Glück losfahren dürfte. Die Sicherheit im Straßenverkehr wäre gefährdet, so wie auch die niedrigen Zinsen die Stabilität des Finanzmarkts bedrohen. Es steigt die Gefahr von Fehlallokationen und Preisblasen, die sich teilweise schon beobachten lassen.

 

Die aktuelle Situation ist auch aus sozialpolitischen Gründen gefährlich. Eigentlich müssten die Menschen in der Niedrigzinsphase noch mehr sparen, um das angestrebte Absicherungsniveau im Alter zu erreichen. Das haben wir in dieser Woche in einem Artikel dargestellt. Die niedrigen Zinsen geben den Menschen jedoch zugleich einen Anreiz, mehr zu konsumieren – was sie oft auch tun. Damit droht mehr Menschen die Altersarmut. Und das ist nicht nur ein scheinbares Risiko, sondern eine ganz reale Bedrohung. Denn das Niveau der gesetzlichen Rente fällt seit Jahren, und es wird noch weiter sinken.

Die Zukunft der privaten Altersvorsorge wird sicherlich auch ein Thema auf unserer diesjährigen Jahrespressekonferenz sein. Diese findet im Übrigen am 13. März statt – auch das ist ein Freitag. Da ich aber nicht abergläubisch bin, gehe ich davon aus, dass an diesem Tag alles glatt laufen wird.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite