Kolumne
Kolumne Ver­si­che­rungs­be­trug

Pflicht und Kür

Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt. Der GDV hat deshalb ein Video produziert – mit Erfolg.

Sperrig seien unsere Themen, sagt man häufig und nicht ganz ohne Grund. Versicherung hat viel mit ernsten Dingen zu tun, zudem geben vielerorts Juristen und Mathematiker den Ton an. Das heißt aber nicht, dass man unsere Themen notwendigerweise sperrig aufbereiten muss. Deshalb haben wir dieser Tage ein Experiment live geschaltet und die fünf dümmsten Versicherungsbetrüger in einem Video auf Youtube porträtiert. Unsere Mitgliedsunternehmen können sich das Video kostenfrei herunterladen und für ihre Zwecke nutzen. Die Resonanz zeigt: Wir können unsere Themen erfolgreich auch unterhaltsam kommunizieren.


Es gehört zu den Aufgaben der Versicherer, über Betrugsversuche zu berichten

Natürlich haben wir für den kurzen Comic-Streifen Handlung und Personen so verändert, dass man sie nicht mehr wiedererkennt. Dennoch hat es derartige Fälle gegeben und gibt es immer wieder. Und es gehört zu den Aufgaben der Versicherer, solche buchstäblich dummdreisten Betrugsversuche zu verfolgen und darüber auch zu berichten. Der Clip gibt dabei keine Anleitung zum Versicherungsbetrug. Die Botschaft ist vielmehr, dass wir die Tricks der Betrüger meist schon längst kennen – der Versuch also zwecklos ist. So viel zur Kür.

Die Pflicht bedeutet für uns – immer wieder aufzuklären. Unsere Kunden haben das Recht, ihre Schäden schnell, sauber und damit gut reguliert zu bekommen – was sie in der ganz überwiegenden Mehrzahl aller Fälle auch bestätigen. Sie müssen auch darauf vertrauen können, dass wir dafür sorgen, dass die Versichertengemeinschaft insgesamt keinen Schaden nimmt – und wir deshalb intensiv Versicherungsbetrug bekämpfen. Davon abgesehen ist und bleibt Versicherungsbetrug – und sei er im Versuchsstadium stecken geblieben – eben kein Kavaliersdelikt. Versicherungsbetrug ist (Paragraph 263 StGB) eine Straftat. Unsere Pflicht nehmen wir besonders vor sportlichen Großevents wie einer Fußball- WM oder -EM ernst.

Phalanx an Kriminalitätsbekämpfern

So hat eine Untersuchung von 1.455 Schäden an Flachbild-TV vor einiger Zeit ergeben, dass bei jedem vierten Gerät, das vor der Fußball-WM in Brasilien dem Versicherer als beschädigt gemeldet worden war, erhebliche Ungereimtheiten auftauchten. Bei der Überprüfung konnte festgestellt werden, dass sich der Schaden nicht so ereignet haben konnte, wie er vom Anspruchsteller geschildert wurde. Hier wurde möglicherweise versucht, einen nicht versicherten Schaden zum Versicherungsfall zu machen, um eine Entschädigungsleistung zu ergaunern. Das Geld soll dann für ein neues TV-Gerät eingesetzt werden. Ähnliche Phänomene beobachten wir beim Fahrraddiebstahl. Manchmal werden dann Fahrräder als gestohlen gemeldet, die der Versicherte nie besessen hat. Oder bei der Schadenmeldung wird beim Wert des Fahrrades ein bisschen nachgelegt. Umso mehr Freude haben wir bei der Produktion des Videos gehabt und hoffen, dass der Betrachter das mitbekommt. Schließlich gilt gerade in der Youtube-Ära, dass Schadenfreude im Netz besonders gut funktioniert, frei nach dem Motto: „Wie kann man aber auch so dämlich sein…“

Solchen und anderen Betrugsfällen steht unsere Phalanx an Kriminalitätsbekämpfern gegenüber, in Unternehmen und im Verband. Schließlich dürfte sich die Summe der Schäden hierzulande, die den Schaden- und Unfallversicherern ungerechtfertigt in Rechnung gestellt wird, jährlich auf etwa 4 Milliarden Euro belaufen. Bei dieser gewaltigen Summe muss man sich vor Pauschalurteilen hüten: Die überragende Mehrheit unserer Kunden ist und bleibt ehrlich.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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