Kolumne
Welt­han­del

Ohne Ver­si­che­rung würde kein Con­tai­ner­schiff able­gen

Containerschiffe werden größer und größer. Mit dem Wachstum steigen auch die Risiken – eine Herausforderung für Transportversicherer.

Der Großteil der globalen Handelsströme wird von Schiffen transportiert. Waren aller Art verpackt in Standardcontainern (TEU). Die sind gut 6 Meter lang, 2,40 Meter breit und fast 2,60 Meter hoch. Haben Sie sich so eine Box mal genauer angeschaut? Können Sie sich mehr als 20.000 solcher Kisten vorstellen?

Noch gibt es keine Frachter, die so viele Container auf einmal transportieren können. Sie sind aber bereits bestellt. Erst im August wurde im Hamburger Hafen die „MSC Zoe“ getauft. Der Gigant fasst immerhin mehr als 19.000 TEU.

Versicherer machen die Globalisierung erst möglich

Ohne Versicherung würde wohl keins dieser Schiffe ablegen. Unsere Branche leistet deshalb einen unschätzbaren Beitrag für die Globalisierung, weil sie die Risiken des Welthandels erst kalkulierbar macht – etwa wenn er mit Hilfe fast 400 Meter langer Containerschiffe abgewickelt wird. Ich freue mich deshalb sehr, dass in der kommenden Woche der Jahreskongress des Internationalen Transportversicherungsverbandes IUMI hier in Berlin stattfindet. Angemeldet sind rund 600 Teilnehmer aus 50 Nationen, um zu diskutieren, wie die Risiken des globalen Handels besser überblickt und reduziert werden können.

Die Risiken sind erheblich. Wir sprechen von Milliardenbeträgen. Allein die Ladung eines Containerriesen kann bis zu 900 Millionen Euro wert sein. Im Vergleich dazu mutet der Wert des Schiffes von immerhin 200 Millionen bis 300 Millionen Euro fast schon gering an. Schlimm genug, wenn einer solcher Super-Frachter Probleme bekommt. Nicht auszudenken, wenn zwei solcher Giganten kollidieren.

Risiken vermeiden – von besserem Brandschutz bis Cyber-Sicherheit

Letzteres ist bislang glücklicherweise noch nicht vorgekommen, ersteres dagegen durchaus, wenn auch nur auf eher mittelgroßen Schiffen. Im Jahr 2012 etwa entzündeten sich auf der „MSC Flaminia“ Teile der Ladung. Wochenlang konnten die Flammen nicht eingedämmt werden. Kein Wunder: Die Container stehen so eng beieinander, dass das Löschwasser sie kaum erreichen kann. Wir Versicherer setzen uns deshalb dafür ein, dass die Brandschutzstandards weiter verbessert werden. Oft fehlt es schlicht an der nötigen Löschtechnik an Bord.

Oder denken Sie an Hackerangriffe: Die Digitalisierung spart die internationale Container-Schifffahrt nicht aus. Das gilt für die Verladung der Güter bis hin zur Navigation der Kolosse. Das Thema Cybersecurity steht deshalb auch auf dem IUMI-Kongress weit oben auf der Tagesordnung, zumal schon längst an vollautomatischen Schiffen geforscht wird, die gänzlich ohne Personal auskommen sollen.

Der Internationale Transportversicherungsverband wurde übrigens in Berlin gegründet – und zwar schon im Jahr 1874. Auch deshalb freue ich mich ganz besonders auf interessante Gespräche mit den internationalen Experten dieser Sparte – und sage jetzt schon einmal: Welcome to Berlin!

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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