Kolumne
Kolumne zum Unfall­mel­de­dienst

Nah am Kun­den mit einem klei­nen Ste­cker

Versicherer erstatten nicht nur Schäden. Die Branche steht ihren Kunden in vielen Lebenslagen bei. Die Digitalisierung macht bei diesen Assistance-Angeboten neue Dienstleistungen möglich. Aktuelles Beispiel: ein automatischer Hilferuf für Autofahrer in Not.

Die Vernetzung schreitet voran – in allen Lebensbereichen. Rund um das Auto sind in den vergangenen Jahren digitale Dienstleistungen entstanden, die dem Fahrer viel Komfort bescheren: Da wird die günstigste Tankstelle an der Strecke aufgespürt. Um einen Stau lässt man sich herumlotsen. Verkehrszeichen werden automatisch erkannt und Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt.

Größter Wunsch der Autofahrer: Ein automatisches Notrufsystem

Vor allem wünschen sich Autofahrer allerdings ein automatisches Notrufsystem. In einer Allensbach-Umfrage unseres Verbandes aus dem Jahr 2014 verlangte fast jeder Zweite nach einem solchen automatischen Hilferuf. Auch die Europäische Kommission hat die Vorteile erkannt. Ab April 2018 sind Autobauer daher verpflichtet, in jedes neue Modell ein Notrufsystem einzubauen.

Wir Versicherer begrüßen diesen eCall. Ein automatischer Notruf kann das Eintreffen der Rettungskräfte am Unfallort erheblich beschleunigen. Die EU-Kommission hofft, in ländlichen Regionen diesen Zeitraum in einigen Fällen sogar halbieren zu können: Je früher die Versorgung am Unfallort beginnt, desto besser für die Unfallopfer. Langfristig will die EU-Kommission mit dem eCall die Zahl der schweren Verletzungen deutlich reduzieren. Mehr noch: Europaweit soll der eCall jährlich bis zu 2500 Menschenleben retten.

Aber: Der europäische eCall wird den Markt nur langsam durchdringen. Die Pflicht gilt nur für neue Fahrzeugmodelle. Angesichts der langen Lebensdauer vieler Gebrauchtwagen wird es noch lange dauern, bis die Technik tatsächlich in jedem oder auch nur in den meisten Autos zu finden ist.

 

Wir helfen, Leben zu retten und Verletzte so schnell wie möglich zu versorgen

Die deutschen Kfz-Versicherer wollen ihren Kunden bereits heute den Wunsch erfüllen, nach einem Unfall schnelle Hilfe zu bekommen. Diese Rolle als „Helfer in der Not“ füllen die Versicherer nach vielen Unfällen oder bei Pannen ohnehin schon aus: Wir regulieren nicht nur den Schaden, sondern sorgen mit Schutzbrief-Angeboten auch für die schnelle Reparatur oder schleppen das Auto in die Werkstatt.

Die Digitalisierung gibt uns jetzt die Chance, einen Schritt weiter zu gehen und unseren Kunden ein automatisches Notrufsystem anzubieten, das in allen Autos funktioniert. Ein kleiner Stecker für den Zigarettenanzünder und eine App sorgen dafür, dass ein Unfall sofort an eine Notrufzentrale gesendet wird. Mit diesem Unfallmeldedienst werden Rettungskräfte in vielen Fällen schneller am Unfallort sein als bisher. Damit helfen wir, Leben zu retten und Verletzte so zügig wie möglich zu versorgen.

Technologie-Partner Bosch und IBM

Für die Entwicklung des Unfallmeldedienstes haben die Kfz-Versicherer unter dem Dach des GDV seit 2012 in einem gemeinsamen Projekt zusammengearbeitet. Dazu haben wir uns mit den Technologie-Unternehmen Bosch und IBM starke Partner gesucht. Heute können wir mit dem Unfallmeldedienst ein System vorstellen, das einfach nachrüstbar, einfach bedienbar, robust und so kostengünstig gestaltet ist, dass die teilnehmenden Kfz-Versicherer es ihren Kunden zu einem attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis anbieten können. Es hat im Testbetrieb überzeugt und ist nun reif für die Markteinführung. Der Unfallmeldedienst kann daher in zweieinhalb Wochen – genauer am 4. April 2016 – starten.

Wir machen die bisher unsichtbare Schutzfunktion und den Service der Kraftfahrtversicherer damit unmittelbar erlebbar. Wir machen mit dem Unfallmeldedienst nicht nur das Leben unserer Kunden sicherer, sondern geben ihnen bei jeder Fahrt das gute Gefühl, dass im Ernstfall schnelle Hilfe kommt.

Fahren Sie trotzdem vorsichtig!

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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