Kolumne
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Mög­lichst schlag­loch­freie Ostern

Spätestens morgen steht dem deutschen Straßennetz der nächste große Belastungstest bevor. Der Osterverkehr wird Autobahnen ans Limit und ihre Schwachstellen ans Licht bringen: Marode Brücken, Schlaglöcher und Baustellen stehen für ein strukturelles Problem unseres Landes, in dem die Pflege und der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur vernachlässigt wird. Ich bin daher gespannt auf Ende April.

Dann wird die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ins Leben gerufene Expertenkommission zur Stärkung von Investitionen in Deutschland Ergebnisse vorlegen. Die ersten Wasserstandsmeldungen geisterten bereits durch die Medien. Der Bericht, so die Erwartungen, soll neue Impulse in diese Debatte bringen, an der sich nicht nur unsere Branche, sondern auch Wissenschaft, Industrie und Gewerkschaften als Teil der Gabriel-Kommission beteiligt haben.

Es mangelt an geeigneten Investitionsobjekten

Versicherungsunternehmen verfolgen eine langfristige Anlagestrategie. Investitionen mit einer über Jahrzehnte kalkulierbaren Rendite sind gut dazu geeignet, die Beiträge der Altersvorsorgesparer anzulegen. Schon heute hat unsere Branche Milliarden in die Infrastruktur investiert. Es gibt viele Gründe, warum das Engagement aber insgesamt relativ bescheiden ist. Einer der wichtigsten: Es mangelt an geeigneten Investitionsobjekten.


Die technischen Rahmenbedingungen kann und muss man optimieren. Nur ein ganz wesentlicher Punkt verlangt nach mehr als nur einem schönen Bericht und guten Ideen. Das ist die Verlässlichkeit dieser Rahmenbedingungen, kurzum das Vertrauen in den Staat. Wird jemand, der sich langfristig engagieren möchte, dazu noch bereit sein, wenn er erlebt, wie Regierungen in Europa nachträglich in laufende Investments zu Lasten der privaten Investoren eingreifen? Die Erfahrungen der letzten Jahre in Spanien, Norwegen und jetzt auch Österreich sind schlechte Vorzeichen.

Gewiss: All dies passierte nicht in Deutschland. Und das zeichnet den Wirtschaftsstandort Deutschland auch aus. Doch Hand aufs Herz: Auch bei uns wird es noch viel Überzeugungsarbeit bedürfen, um die Chancen privater Investments in die Infrastruktur zum Allgemeingut zu machen.

Ich rate zur Gelassenheit

Wir Versicherer haben großes Interesse daran, uns stärker für die Infrastruktur zu engagieren. Ob die Ergebnisse der Gabriel-Kommission die Erwartungen erfüllen werden? Ich rate zur Gelassenheit. Lassen Sie uns den Abschlussbericht abwarten, ihn lesen und dann urteilen. Das Bohren dicker Bretter dauert erfahrungsgemäß lange. Die Chancen privater Investments jetzt nicht aufzugreifen, wäre allerdings fatal.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und erholsames Osterfest. Und falls Sie mit dem Auto unterwegs sind, eine möglichst sichere – und schlaglochfreie – Fahrt.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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