Kolumne
Kolumne Gesell­schaft 4.0

Mehr Digi­ta­li­sie­rung wagen

Auch die laufende Hannover Messe macht klar: Die Gestaltung der Gesellschaft 4.0 wird ein zentrales Thema dieser Legislaturperiode sein. Das geht auch unsere Branche unmittelbar an. Um die Potenziale aber tatsächlich produktiv nutzen zu können, brauchen wir genügend Spielraum für Innovation - und Rechtssicherheit.

Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine ist das bestimmende Thema der diesjährigen Hannover Messe. „Connect & Collaborate“ lautet das Motto: verbinden und zusammenarbeiten. Mit dem diesjährigen Partnerland Mexiko skizziert der deutsche Maschinen- und Anlagenbau seine Vision der Industrie 4.0. Unsere Branche beteiligt sich unmittelbar an diesem Prozess: Industrie-, technische und Cyberversicherer – sie alle sorgen dafür, dass die Risiken des Fortschritts beherrschbar bleiben und machen „Made in Germany“ damit oft erst möglich.

Unsere Branche nutzt Daten und Algorithmen seit jeher

Die Digitalisierung geht aber natürlich weit über die Industrie hinaus – grundsätzlich und erst Recht für unsere Branche, deren Produkte nahezu im gesamten gesellschaftlichen Leben eine Rolle spielen. Die Gestaltung der Gesellschaft 4.0 wird ein zentrales Thema dieser Legislaturperiode sein. Viel ist über das „disruptive Potenzial“ der Digitalisierung geredet und geschrieben worden – über Big Data, Künstliche Intelligenz, Algorithmen, die Individualisierung der Kollektive. Uns geht es hier um eine Versachlichung der Diskussion: Big Data und Entscheidungsbäume sind für Versicherer nichts grundlegend Neues. Unsere Branche nutzt Daten und Algorithmen seit jeher. Gut reflektiert das etwa die Interview-Reihe „Reden wir über Digitalisierung“ auf unserer Website, die ich Ihnen empfehlen möchte. Ohne Daten über unsere Kunden, ohne Kenntnisse der individuellen Risikoverhältnisse gibt es keinen Versicherungsschutz. Im Gegenteil: je besser unsere Kunden-Informationen sind, umso exakter die Risikobewertung und Kalkulation. Denken Sie an Ihre Autoversicherung. Daten über Daten spielen in die Tarifierung hinein: Typklassen, Regionalklassen, PS, Schadenfreiheitsklassen. Oder an Riester: Technologien wie die Blockchain könnten helfen, den Verwaltungsprozess effizienter und letztendlich günstiger zu machen.

Versicherer brauchen Handlungsspielraum

Die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung halten immer mehr Einzug auch in die täglichen Abläufe von Versicherungsunternehmen: Automatisierte Verfahren und damit schnellere Prozesse und noch besserer Service. Um diese Potenziale tatsächlich produktiv nutzen zu können, müssen wir aber genügend Spielraum für Innovation und Rechtssicherheit haben. Einige Beispiele:

  • Wir möchten die Blockchain-Technologie fördern
  • Wir möchten alle Prozesse – von der Antragstellung bis zur Versicherungsleistung fallabschließend über elektronische Kanäle abbilden können
  • Wir möchten mit unseren Kunden vereinbaren dürfen, dass im Ermessen der Kunden risikorelevante Daten aus vernetzten Dingen für Versicherungs- und Serviceangebote genutzt werden können. Die Datenhoheit der Versicherungsnehmer ist dabei Voraussetzung für einen funktionierenden Wettbewerb um die besten Lösungen für die Kunden.

Natürlich stehen den Chancen der Digitalisierung immer auch erhöhte Anforderungen auf Seiten der IT-Sicherheit entgegen. Schon heute ist IT-Sicherheit ein wesentlicher Grundpfeiler des Geschäftsmodells von Versicherungsunternehmen in Deutschland. Nun plant die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht neue Vorgaben, die nach meinem Eindruck nicht zwingend die IT-Sicherheit erhöhen, sondern lediglich weitere bürokratische Hemmnisse manifestieren. Auch hier gilt: Versicherer brauchen Handlungsspielraum.

Was wir unter „Mehr Digitalisierung wagen“ verstehen, können Sie auch detailliert in den „Positionen der deutschen Versicherern“ nachlesen, die wir gerade veröffentlicht haben.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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