Kolumne
Kolumne Sustaina­ble Finance

Kli­ma­schutz von oben

Die EU-Kommission will nachhaltige Investments fördern. Das klingt reizvoll, hat aber seine Tücken. Und die sind nicht ohne.

Das Zauberwort der Stunde heißt in Brüssel - und nicht nur dort - „Sustainable Finance “.  Das klingt chic, grün, nachhaltig und ist natürlich auch deshalb so beliebt. Und seien wir ehrlich, die Vorstellung, mithilfe einer gezielten Investitionspolitik  nachhaltige Investments zur Förderung von Klimaschutz und Ökologie zu fördern, klingt mehr als reizvoll. Und dies dürfte ja auch im Interesse der Versicherer sein, weil viele dieser Investments mit ihren in der Regel berechenbaren, langfristig ausgelegten und damit in unserem Sinne auch nachhaltig rentierlichen Strukturen als Anlageklasse  sehr passend für das langfristige Geschäftsmodell der Versicherer erscheinen. Klingt also verlockend: grünes Investment, buchstäblich nachhaltige Altersvorsorge.

Doch hat die Sache natürlich so manchen Haken. Und deswegen der Reihe nach. Der für die Finanzregulierung zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, hat erst jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutlich und klar gesagt, dass Brüssel es ernst meint. Nun veröffentlicht die Kommission einen Aktionsplan zu „Sustainable Finance“ – soweit bekannt enthält er konkrete regulatorische Initiativen, die die Bedingungen für nachhaltige Finanzierungen verbessern sollen.

Mit der Initiative verfolgt die Kommission das Ziel, in den kommenden Jahren rund 180 Mrd. Euro an jährlichen Investitionen für den Klimaschutz zu mobilisieren. Dies soll unter anderem einen Schub für die von den  Mitgliedsstaaten eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen geben und die gewünschte Transformation hin zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft beschleunigen. Die Versicherer als große institutionelle Investoren sollen einen Beitrag leisten, um dieses Ziel zu erreichen.

Ich sehe den Vorstoß mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Umsetzung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen ist angesichts der Herausforderungen, die wir in so zentralen Bereichen wie Energie, Ernährung und Verkehr haben, zweifellos ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Durchaus positiv ist, dass die Kommission auf eine Definition nachhaltiger Investments drängt. Wir alle kennen die praktischen Probleme: Wie „grün“ ist „grün genug“? Konkret: Ist die Investition in ein Gaskraftwerk mit relativ geringen CO2-Emissionen „sustainable“, oder muss es die Windkraftanlage sein? Es ist zu wünschen, dass der Kommissionsvorschlag zur Klärung dieser wesentlichen Fragen beiträgt.

An anderen Stellen klingt der Aktionsplan weniger nach grünem Aufbruch als nach noch mehr Regulierung. So sollen die Vertriebs- und Beratungsregeln für Finanzprodukte zügig um Nachhaltigkeitsaspekte ergänzt werden – und das, bevor die bestehenden komplexen Vorgaben der Vertriebsrichtlinie IDD überhaupt in allen Ländern umgesetzt sind.

Und schließlich darf nicht vergessen werden, dass Versicherungsunternehmen die vorrangige Pflicht haben, vertragliche Verbindlichkeiten gegenüber den eigenen Kunden sicher und rentabel zu erfüllen. Wo das mit Hilfe von nachhaltigen Kapitalanlagen und ESG-Konzepten erreicht werden kann, engagiert sich die deutsche Versicherungswirtschaft und trägt ihren Teil dazu bei. Denn schon heute werden rund die Hälfte der Kapitalanlagen der Versicherer unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien (ESG = Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte) gemanagt.  Und diese Tendenz ist steigend.

Statt mehr Bürokratie zu schaffen, sollte sich die Politik auf das Setzen der richtigen Rahmenbedingungen konzentrieren und für ein größeres Angebot an nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten sorgen – etwas, woran es heute mangelt. Ich bin mir sicher, dass die Versicherer dann auch ihre Anlagequoten in diesem Bereich weiter deutlich erhöhen werden. Denn langfristige und nachhaltige Kapitalanlagen wie etwa Investitionen in Windkraftanlagen passen generell gut zu den ebenfalls langfristigen und planbaren  finanziellen Verpflichtungen eines Versicherers.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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