Kolumne
Kolumne Garan­tien

Im Som­mer 2018: Zins­zu­satz­re­serve anpas­sen

Die Formel zur Berechnung der Zinszusatzreserve (ZZR) spiegelt die reale Welt längst nicht mehr wider – und belastet Versicherer und ihre Kunden unverhältnismäßig. Dieser Satz stammt aus dem Februar 2017. Schon damals hatte ich an dieser Stelle Anpassungen der ZZR angemahnt. Jetzt steht der Sommer 2018 vor der Tür - und der Handlungsbedarf ist größer als je zuvor.

Blicken wir zurück: Die Regeln für die ZZR wurden letztmalig im Jahr 2011 überarbeitet. Auch die Branche hatte sich dafür eingesetzt. Mit der ZZR sollte gleichmäßig ein Puffer aufgebaut werden, um Differenzen zwischen dem garantierten Zins und dem Zins zu schließen, den Versicherungsunternehmen in den nächsten Jahren auf dem Kapitalmarkt mit hoher Sicherheit erzielen können. Was heute oftmals vergessen wird: als niedrig wurden damals Zinsen zwischen zwei und drei Prozent angesehen. Die massiven Interventionen der Europäischen Zentralbank waren so nicht vorherzusehen. Das Risiko einer Negativverzinsung sicherer Staatsanleihen wurde unterschätzt und daher in der aktuellen Formel für den Referenzzins der ZZR nicht berücksichtigt.

Ziel der ZZR ist die Sicherung der Garantien, nicht die Umverteilung von Überschüssen

Nun zeigen die jährlich für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht durchgeführten Prognoserechnungen, dass die Bildung der ZZR im derzeitigen Zinsumfeld nicht mehr angemessen funktioniert. Abhängig vom Zinsniveau kann dies zu einem Anstieg der ZZR von derzeit 60 Mrd. Euro auf 130 Mrd. bis 180 Mrd. Euro in 2023 führen. Es wird mehr an ZZR aufgebaut als für die Garantien erforderlich sind, dafür wird die Überschussbeteiligung der heutigen Kunden unnötig stark belastet. Ziel der ZZR ist die Sicherung der Garantien, nicht die Umverteilung von Überschüssen. Der massive Aufbau und schnelle Abbau führt auch zu einer unnötig ungleichmäßigen Belastung der Überschussbeteiligung der Versicherten in den nächsten Jahren.

Bis 2023 würden die Zuführungen zur ZZR ohne Änderung jährlich zwischen 15 und 20 Mrd. Euro betragen. Zusätzlich erhalten die Versicherten jährlich eine laufende Garantieverzinsung von rund 22 Mrd Euro. Diese Aufwendungen sind überwiegend nur durch die Realisierung von Bewertungsreserven zu finanzieren. Das macht wenig Sinn. Die Branche wird zu kostenträchtigen Umschichtungen ihrer Anleiheportfolien gezwungen.

Der Aufbau der ZZR sollte gebremst statt beschleunigt werden

Aus Sicht der Versicherungsbranche ist es daher geboten, noch in diesem Sommer eine Änderung des Verfahrens vorzunehmen. Das Instrument der ZZR an sich stellen wir keinesfalls in Frage. Ihre Berechnung sollte aber an die seit dem Jahr 2011 deutlich geänderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Der Aufbau sollte auf das notwendige Maß gebremst und nicht auch noch beschleunigt werden. Dies kann durch die Ergänzung eines Zinskorridors erreicht werden. Die Politik  hat die Verantwortung zu handeln, wenn es zur Erhaltung und Verbesserung der Finanzstabilität sowie der gerechten Verteilung der Erträge zwischen den Versicherten geboten ist. Eine Anpassung hat großen Einfluss auf die notwendigen Kapitalmarkttransaktionen. Daher plädiere ich dafür, dass eine zügige Anpassung der ZZR noch im Sommer 2018 kommen muss.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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