Kolumne
Kolumne Aktuare

Im Maschi­nen­raum der Ver­si­che­rungs­bran­che

Sie sichern das Geschäftskonzept ab und setzen damit letztlich den Versicherungsgedanken in die Tat um. Trends der Versicherungsmathematik diskutieren Aktuare aus aller Welt in dieser Woche in Berlin – und liefern damit einen profunden Einblick in den Maschinenraum unserer Branche.

Der Wikipedia-Eintrag für das Wort „Aktuar“ liefert interessante historische Hintergründe, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

„In England gründete der Mathematiker Edward Rowe Mores (1731–1778) im September 1762 den Gegenseitigkeitsverein The Society of Equitable Assurance on Lives and Survivorships, dessen Satzung mit dem Actuary als Vorstandsvorsitzendem ein inzwischen aus dem Gebrauch geratenes Wort mit neuem Sinn wieder in die englische Sprache einführte. Actuary wurde zu seiner Dienstbezeichnung, so dass er als erster Aktuar im Sinne des Versicherungswesens gilt. In England wurde mit der Gründung des Institute of Actuaries im Juli 1848 der Titel des Aktuars offiziell kultiviert. In Brüssel fand im September 1895 der erste Internationale Aktuar-Kongress statt (International Congress of Actuaries, ICA), während der im September 1906 in Berlin veranstaltete Aktuar-Kongress offiziell Welttagung für Versicherungs-Wissenschaft betitelt wurde.“

Versicherungs-Wissenschaftler der Welt diskutieren in Berlin

112 Jahre später ist es nun wieder so weit: Berlin ist Tagungsstätte der „Versicherungs-Wissenschaft". Noch bis Ende der Woche läuft der 31. Internationale Aktuarkongress. Der ICA 2018 versammelt mehr als 2.750 Experten und Top-Entscheider der Versicherungs- und Finanzindustrie. Redner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Aufsicht diskutieren etwa über Demografie oder die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Versicherungswesen. Daneben bildet das Thema „Future of Mobility“ einen Schwerpunkt. Außerdem stehen die anhaltende Tiefzinsphase, die damit einhergehenden Konsequenzen sowie aufsichtsrechtliche Aspekte im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Aktuare stehen im Maschinenraum unserer Branche: Ihre Arbeit ist es, die den Versicherungsgedanken und unsere Geschäftskonzept wissenschaftlich fundiert und mathematisch absichert – damit eine Police die richtigen Konditionen aufweist, damit eine Versicherung funktioniert und das Kollektiv für das einzelne Schicksal dauerhaft und belastbar einstehen kann. Erst durch ihre Arbeit sind Versicherer überhaupt in der Lage, Risiken wie Diebstähle, Erdbeben oder Krankheitskosten zu  einer adäquaten Prämie  abzusichern  oder jahrzehntelang laufende Rentenversicherungen zu kalkulieren.

Herausforderungen für den Berufsstand

Es ist einer der vielen anspruchsvollen Jobs, die unsere Branche zu bieten hat und ein guter Grund mehr für die These: „Jetzt Karriere in der Versicherung machen.“ Zumal sich auch das Berufsbild des Aktuars wandelt. Die Digitalisierung, Big Data, Künstliche Intelligenz, neue Vorgaben der Regulierung für das Risikomanagement – all das fordert den Berufsstand heraus und verschafft ihm völlig neue Möglichkeiten. Darauf weist auch die Deutsche Aktuarvereinigung in ihrer Skizze zum Berufsbild des Aktuars hin.

Digitalisierung, Demografie, Klimawandel, Niedrigzins, Verbraucherschutz: Niemals zuvor war es so spannend, in der Versicherungsbranche zu arbeiten. Das gilt für die mathematisch geprägten Aktuare genauso wie für Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler oder Juristen. Und wie diese Kulturen in der Versicherungsbranche zusammenarbeiten und stetig lernen, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, das ist sicher genug Stoff für eine weitere Kolumne.

Ihr

 

Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite
Auch inter­essant