Kolumne
Kolumne Sustaina­ble Finance

Grün allein reicht nicht aus

Versicherer haben seit jeher großes Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen – weil das Geschäftsmodell auf die langfristige Absicherung von Risiken ausgerichtet ist. Ökonomie und Ökologie müssen dabei kein Widerspruch sein. Wir stellen uns der Herausforderung – die Sicherheit der Beiträge unserer Kunden steht aber an erster Stelle.

Mit einem Kapitalanlagebestand von rund 1,35 Billionen Euro gehören Erstversicherungsunternehmen zu den größten institutionellen Investoren Deutschlands. Angesichts des drohenden Klimawandels, einer rasant steigenden Weltbevölkerung und einer zunehmenden globalen Unsicherheit unterstützt die deutsche Versicherungswirtschaft die gesellschaftlichen Bemühungen um eine stärkere Ausrichtung der globalen Wirtschaft am Konzept der Nachhaltigkeit.

Was heißt eigentlich Nachhaltigkeit?

Wenn Sie das Verbraucherportal Finanztip fragen, wird der Artikel „Diese Aktien-Indexfonds können Sie guten Gewissens kaufen“ angeboten. In unserem Verbandsmagazin haben wir dem Thema nicht nur die Titelgeschichte gewidmet, sondern auch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland gefragt. „Nachhaltig zu wirtschaften heißt für mich, dass man nicht nach dem kurzfristigen Gewinn strebt, sondern in Generationen denkt“, sagt Heinrich Bedford-Strohm im Interview. Der Landesbischof zieht eine Parallele zwischen der Kirche, die über Pensionsfonds ebenfalls „erhebliche“ Mittel anlege, und unserer Branche: „Wie kann ich die ökonomische Nachhaltigkeit mit der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit optimal verbinden? Das wäre die job description – für die Kirche wie auch für die Versicherungsbranche.“

Nicht nur die Kirche und wir, auch die EU-Kommission arbeitet derzeit an dieser job description: Dabei wird deutlich, dass die Definition von Nachhaltigkeit bislang sehr ungenau ist. Wenn Sie nun die deutschen Versicherer nach ihrer Position fragen, steht eine Antwort im Mittelpunkt: Sichere und rentable Anlagen sind für uns ein Muss, damit wir die langfristigen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden erfüllen können. Dieses Ziel lässt sich auch nicht ignorieren, wenn es darum geht, ökologische und soziale Kriterien künftig stärker bei der Kapitalanlage zu berücksichtigen, wie es der EU-Kommission vorschwebt.

Ökologisch nachhaltig ist nicht automatisch  wirtschaftlich nachhaltig

Aktuelles Beispiel: Vor wenigen Wochen eröffnete das Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren über ein ehemaliges deutsches Vorzeigeunternehmen:  Solarworld Industries ist pleite – nur wenige Monate nachdem bereits der Vorgängerkonzern Solarworld AG Insolvenz angemeldet hatte. Das Schicksal des einstigen Marktführers steht exemplarisch für den Niedergang der hiesigen Photovoltaikbranche. Die meisten Unternehmen sind verschwunden, mit ihnen zehntausende Arbeitsplätze und viel Geld von Investoren. Und das ausgerechnet im Land der Energiewende, in dem regenerative Stromerzeuger mit Milliardensubventionen gefördert wurden. Das zeigt: Was ökologisch nachhaltig ist, muss nicht automatisch auch wirtschaftlich nachhaltig sein.

Freiwillige Verbreitung von Nachhaltigkeitskonzepten

Wir stellen uns der Herausforderung und der politischen Debatte: Der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums ist ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltigen Wirtschaftens in der Europäischen Union. Am 24. Mai 2018 hat die EU-Kommission bereits erste Legislativvorschläge zu verschiedenen Maßnahmen aus dem Aktionsplan veröffentlicht. Vor allem die Einführung eines Klassifizierungssystems sowie neuer Standards etwa für Green Bonds können bei Investoren und Verbrauchern zu mehr Klarheit und Transparenz führen. Die Branche setzt dabei auf eine freiwillige Verbreitung von Nachhaltigkeitskonzepten. Je nach Größe und individueller Situation des Versicherers können unterschiedliche Ansätze bzw. eine Kombination daraus sinnvoll sein. Unsere Positionierung können Sie hier im Detail nachlesen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth


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