Kolumne
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Flücht­linge - Wir sind in der Ver­ant­wor­tung

Ich kenne das Leid der Flüchtlinge, die in unserem Land Schutz suchen, aus persönlichen Begegnungen und eigenem Engagement nur zu gut. Der Einsatz für eine menschenwürdige und damit auch sichere Unterbringung dieser Menschen liegt mir persönlich, aber auch meinen Kollegen sehr am Herzen. Und das nicht erst seit gestern, und nicht erst, seit sich vor allem Städte und Gemeinden mit einer ganz neuen Dimension dieser humanitären, organisatorischen und auch ökonomischen Herausforderung konfrontiert sehen.

Ja, bei der Kündigung eines Vertrags für eine Wohnanlage im Odenwald, in die Flüchtlinge aufgenommen werden sollten, hat ein Versicherer kürzlich einen Fehler gemacht. Als das Unternehmen darauf aufmerksam gemacht wurde, hat es diesen Fehler sofort rückgängig gemacht, die Kündigung des Versicherungsvertrags für gegenstandslos erklärt und sich bei seinem Vertragspartner entschuldigt. Auch unser Verband hat nicht erst bei diesem Fall auf das hohe Maß an Verantwortung verwiesen, das unsere Branche bei dem Thema trägt.

Die Angelegenheit hat aber, wie so vieles, zwei Seiten. Wir Versicherer sind Experten für Sicherheit, es ist daher gerade angesichts der großen Schwierigkeiten, menschenwürdige Unterkünfte bereitzustellen, unsere Pflicht, auf eine sichere Unterbringung der Flüchtlinge und Asylbewerber zu achten – und diese auch einzufordern. Denn wenn Gebäude wie Schulen, Büroflächen oder Lagerhallen genutzt werden, die nicht darauf ausgerichtet sind, dass Menschen dauerhaft darin wohnen, ergeben sich in der Regel neue Gefahren und immer wieder sehr berechtigte Auflagen der Bauaufsicht, die umzusetzen sind. Dies gilt insbesondere für die kritischen Themen Brandschutz oder Fluchtwege. Zum Teil treffen die Versicherer auch auf bedenkliche Überbelegungen.

„Wir alle schulden Flüchtlingen eine sichere Unterbringung.“

Ich finde es daher verantwortungsvoll, wenn die Versicherer zum Schutz der Menschen, die in Flüchtlingsheimen wohnen sollen, auf eventuelle Gefahrenlagen oder gar Mängel hinweisen und erst dann Versicherungsschutz vereinbaren, wenn diese Mängel beseitigt sind. Dasselbe gilt, wenn bisher privat genutzter Wohnraum gewerblich als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Wir alle schulden Flüchtlingen eine sichere Unterbringung. Dies zu ignorieren, wäre wahrlich verantwortungslos!

Den Flüchtlingen hilft es nicht, wenn ein solch schwieriges Thema zu einer emotional höchst fragwürdigen Debatte umfunktioniert wird. Versicherer bestrafen keine Anbieter von Notunterkünften durch Kündigungen. Nein, und wir tun alles andere, als „den Brandstiftern das Feld zu überlassen“. Im Internet fand sich hingegen eine Berichterstattung, die die Kritik an unserer Branche auch noch mit den schrecklichen Geschehnissen von Tröglitz (inklusive einem Foto des abgebrannten Dachstuhls) verband. Eine ziemlich üble Mischung!

Wir werden bei diesem so schwierigen Thema trotzdem sachlich bleiben und an Lösungen arbeiten. Ich versichere Ihnen, dass wir uns weiterhin dafür einsetzen werden, dass Flüchtlinge und Asylbewerber bei uns gastfreundlich und sicher aufgenommen werden.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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