Kolumne
Kolumne Flexi-Rente

Eine Chance, das Leben ins­ge­samt neu zu ord­nen

Die Bundesregierung hat sich auf Eckpunkte der Flexi-Rente geeinigt. Damit könnte es gelingen, die durchschnittliche Arbeitszeit eines Menschen zu erhöhen – und sie gleichzeitig besser auf ein ganzes Leben zu verteilen.

Wer hätte das gedacht: Über Monate haben die Verhandlungen zwischen Union und SPD über die Flexi-Rente gestockt, nun soll es ganz schnell gehen. Schon im Jahr 2017 soll der Übergang vom Beruf in die Rente durchlässiger werden: Die starren Grenzen, in denen man sich beim Bezug einer Teilrente etwas hinzuverdienen kann, sollen wegfallen; das Arbeiten soll über die offizielle Altersgrenze hinaus attraktiver werden. So kann Mehrarbeit künftig zu höheren Rentenansprüchen führen, was bislang nicht der Fall ist.

Davon profitiert die Gesellschaft, aber auch jeder Einzelne

Ich halte diese Pläne für richtig. Damit könnte es gelingen, die durchschnittliche Lebensarbeitszeit zu erhöhen. Davon profitiert die Gesellschaft, aber auch jeder Einzelne. Die Gesellschaft, weil sich so die Auswirkungen des Fachkräftemangels abfedern lassen. Und der Einzelne, weil es für ihn leichter und attraktiver wird, auch im Rentenalter noch zu arbeiten. Gewiss, es gibt schwer körperlich arbeitende Menschen, die das nicht mehr können. Doch es gibt auch immer mehr Menschen, die ihr Arbeitsende selbst gestalten können und wollen. Denn wir leben immer länger und bleiben länger fit.

Doch bei der Flexi-Rente geht es um mehr als einen durchlässigeren Übergang in den Ruhestand. Die Chance, das Arbeitsende selbst zu bestimmen, gibt den Menschen zugleich die Freiheit, ihr Leben insgesamt neu zu ordnen und die Arbeit anders zu verteilen. Gerade in der Lebensmitte, wenn Job, Familie und Haushalt unter einen Hut zu bringen sind, würden Viele beruflich gern etwas kürzer treten. Dies gelingt ohne Einbußen bei der Rente nur, wenn die Menschen ihre Auszeiten später wieder aufholen können. Es geht also darum, in bestimmten Phasen weniger zu arbeiten, in anderen wieder mehr. Es geht um die Flexibilisierung des gesamten Erwerbslebens.

Auch die betriebliche und private Altersvorsorge miteinbeziehen

Dafür ist die Flexi-Rente freilich nur ein Schritt von vielen: Nötig ist auch der Ausbau von Langzeitarbeitskonten. Und wir sollten nicht nur über die gesetzliche Rente diskutieren, sondern auch die betriebliche und private Altersvorsorge mit einbeziehen. Die kapitalgedeckte Vorsorge bietet ebenfalls noch viele Gestaltungsmöglichkeiten, um den Übergang vom Beruf in den Ruhestand zu flexibilisieren.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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