Kolumne
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Digi­ta­ler Pil­ger­schritt

Auf dem Brüsseler Parkett ist zurzeit richtig Musik. Vor allem was das Thema Digitalisierung anbelangt. Heute legt die EU-Kommission ihre Strategie für den digitalen Binnenmarkt vor. Damit soll der regulatorische Flickenteppich beseitigt werden, der innerhalb der EU zum Beispiel beim Datenschutz, im Urheberrecht oder beim Cloud-Computing herrscht. Gut so! Es ist absolut nötig, dass sich die EU des Megathemas Digitalisierung annimmt. Was uns aber konkret blüht, ist ein digitaler Pilgerschritt: Ein Schritt vor, und zwei zurück.

Lassen Sie mich diesen besonderen Tanz erklären: Vielleicht sind Sie ja über Twitter auf diese Kolumne aufmerksam geworden. Haben Sie sich da auch Gedanken über Ihre Daten gemacht? Denn bei Twitter gilt nicht das deutsche Datenschutzgesetz. Das Unternehmen hat sich Irland als Sitz für seinen Europa-Ableger ausgesucht. Dort finden Konzerne eine Datenschutzbehörde, die bei weitem großzügiger ist als die deutsche, deren Vorgaben sie jedoch europaweit anwenden können. Das kann nicht im Sinne der europäischen Bürger sein. So ist es absolut sinnvoll, dass die EU-Kommission die unterschiedlichen Regeln vereinheitlichen will – zum Vorteil der Kunden und im Sinne eines fairen Wettbewerbs.

Ein Stoppschild mitten auf der Datenautobahn

Aber nun kommen eben auch die zwei Schritte zurück: Mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung drohen uns einige Regelungen, die nicht etwa gültige Leitplanken für alle aufbauen, sondern einfach ein Stoppschild mitten auf die Datenautobahn stellen. Konkret meine ich Regelungen, die den Versicherern die vollautomatisierte Schadenabwicklungen in einigen Fällen unmöglich machen würden.

Bislang ist es theoretisch möglich, dass der Versicherer einen Schaden sofort vollautomatisch reguliert. Eine E-Mail mit den Schadenfotos und den nötigen Angaben – und schon ist das Geld auf dem Konto. Gerade hier bietet die voranschreitende Digitalisierung noch viel Potenzial. Doch in Sparten wie der Kfz-Haftpflichtversicherung – wo im Schadenfall ja ein Dritter betroffen ist – droht die EU uns Versicherer unnötig auszubremsen. Der Geschädigte soll sich zukünftig zwar weiterhin direkt an die Versicherung des Unfallverursachers wenden können – aber die vollautomatisierte Schadenabwicklung müsste einen langen Umweg nehmen: Nach dem Willen der EU muss womöglich der Geschädigte explizit einwilligen. Der Versicherer muss also ihn anschreiben und auf seine Antwort warten. Schadenregulierung in Sekunden adé.

Noch ist der Tanz um die EU-Datenschutz-Grundverordnung nicht beendet. Wir wollen den Schritt vorangehen und die Möglichkeiten der Digitalisierung für unsere Kunden nutzen. Sie wünschen sich vom Versicherer vor allem eines: eine schnelle und unkomplizierte Regulierung des Schadens. Und das ist auch unser Ziel.

Ihr


Jörg von Fürstenwerth

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