Kolumne
Kolumne Kri­mi­na­li­tät

Die Trend­wende beim Thema Ein­bruch ist eine Illu­sion

Die Zahl der Einbruchsdelikte ist 2017 das zweite Jahr in Folge gesunken. Deshalb jetzt Entwarnung auszurufen, wäre das völlig falsche Signal.

Beim Thema innere Sicherheit sind Bürgerinnen und Bürger in der Regel ähnlich alarmiert wie beim Thema Altersvorsorge und Rente. Da löst es natürlich Erleichterung aus, dass  – wie derzeit zu lesen - Deutschland sicherer wird, zumindest wenn man die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) als Maßstab dafür nimmt. „Kriminalität geht in Deutschland so stark zurück wie seit 1993 nicht“, berichtete etwa die „Welt“ unlängst vorab mit Verweis auf die PKS-Zahlen für das Jahr 2017. Dabei zeichnet sich auch ab: die Zahl der Einbruchsdelikte sind zum zweiten Mal in Folge gesunken. Offiziell wird die PKS-Statistik in Kürze vom Bundesinnenminister vorgestellt.

Eklatante psychologische Folgen eines Einbruchs

Für unsere Arbeit ist der Zwischenstand natürlich erfreulich, spielt aber, so hart es klingen mag, schlussendlich keine Rolle: Die Trendwende beim Thema Einbruch ist eine Illusion. Jetzt Entwarnung auszurufen und uns nicht mehr nachhaltig für mehr und bessere Prävention einzusetzen, wäre das völlig falsche Signal. Die Fallzahlen sind so oder so viel zu hoch, die Aufklärungsquoten stehen dazu in einem eklatanten Missverhältnis. Das gilt vor allem, wenn man neben den ökonomischen, auch die psychologischen Folgen bedenkt, die jeder Einbruch für die Bewohner mit sich bringen kann.

Auch unser Verband veröffentlicht jährlich eine Statistik zu den versicherten Einbruchsdelikten. In der kommenden Woche ist es wieder so weit: Ohne Details vorwegnehmen zu wollen, kann ich schon jetzt sagen, dass unsere Zahlen für das Jahr 2017 ein ähnliches Bild widerspiegeln werden. Schon 2016 war die Summe der versicherten Einbrüche um rund 10 Prozent gesunken. Unsere Branche hat so 470 Millionen Euro für ihre Kunden geleistet.

Erfreulich? Ja - allerdings gab es schon vor zehn Jahren ein paar Jahre in Folge weniger Einbrüche, bevor die Zahlen wieder anstiegen  – von einer echten Trendwende können wir also noch längst nicht sprechen.

Jeder kann Opfer werden

Eine Forsa-Umfrage unseres Verbandes aus dem vergangenen Jahr belegt dabei deutlich: Das eigene EInbruchsriskio wird unterschätzt. Fast die Hälfte der Befragten sagte, bei Ihnen sei wenig zu holen und es gäbe für Einbrecher interessantere Objekte. Jeder Dritte wähnt sich durch seine Wohnlage in Sicherheit. Dieser Verdrängungsmechanismus ist gefährlich, denn jeder kann Opfer eines Einbruchs werden.

Auch in Zukunft werden wir daher Schäden analysieren, auf geeignete Sicherheitstechnik hinweisen und unsere Kunden beraten. Tipps, wie Sie sich vor Einbrechern schützen können, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Doch jede Prävention hat Grenzen: Die Arbeit der Polizei kann sie nicht ersetzen. Strafverfolgung und Aufklärung müssen daher weiterhin im Fokus stehen und ausreichend finanziert und personell ausgestattet sein.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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