Kolumne
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Der Bun­des­rat macht den Weg frei...

Gut Ding will angeblich Weile haben. Hoffen wir, dass die Redewendung für Solvency II in der Praxis dann auch zutrifft. Denn nach 14 Jahren harter Arbeit wird das modernste, aber auch komplexeste Aufsichtssystem der Welt nun in die letzte Vorbereitungsphase treten.

Wenn der Bundesrat am Freitag die VAG-Novelle verabschiedet, macht er fristgerecht den Weg für Solvency II in Deutschland frei. Für alle, die den langwierigen und mühevollen Entstehungsprozess der EU-Richtlinie begleitet haben, ist dies ein denkwürdiger Anlass: In den knapp 300 Tagen bis zum Start von Solvency II müssen die Unternehmen komplexe Genehmigungsverfahren und Tests durchlaufen sowie eine wahre Flut weiterer Leitlinien und Standards umsetzen.

Mindestens ebenso wichtig wie die technische Umsetzung in den Unternehmen ist allerdings die Vermittlung des neuen Regelwerks nach außen. Kaum ein Kunde kann sich etwas unter dem Begriff Solvency II vorstellen, geschweige denn die Konsequenzen des Regelwerks abschätzen. Wir müssen den Versicherten die Vorteile nahe bringen, ohne zu verschweigen, dass es die zusätzliche Sicherheit nicht umsonst gibt – strenge Bewertungsvorschriften für Kapitalanlagen und hohe Anforderungen an die Risikovorsorge können die Überschüsse mit Anwendung von Solvency II zumindest kurzfristig belasten.

Die Messlatte liegt sehr hoch

Wie gut Solvency II tatsächlich funktioniert, wird sich nach dem 1. Januar 2016 erweisen. Die Messlatte liegt sehr hoch: Das System soll gewährleisten, dass Unternehmen auch extreme Krisen, von Verwerfungen am Kapitalmarkt bis hin zu Naturkatastrophen, verkraften können.

Wie anspruchsvoll dieses langfristige Stabilitätskonzept ist, zeigt bereits der knappe Blick zurück auf das Geschehen seit Beginn des Solvency-II-Prozesses: Von 2001 bis heute musste die Welt und mit ihr die Assekuranz verheerende Terroranschläge, schwere Finanzmarktkrisen und extreme Naturkatastrophen verkraften. Keines dieser Ereignisse ließ sich auch nur ansatzweise vorhersehen: Vor 14 Jahren haben wir noch mit der D-Mark bezahlt – wer hätte gedacht, dass wir uns heute mit Themen wie dem „Grexit“ befassen müssen?

Was in den kommenden 14 Jahren passiert, weiß niemand. Leider sicher ist, dass die große Bewährungsprobe früher oder später auf Solvency II zukommt. Ich bin davon überzeugt, dass sich die vergangenen und noch kommenden Anstrengungen dann auszahlen – und zwar für Unternehmen und Kunden.

Ihr

 
Jörg von Fürstenwerth

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